Review

Betrachtet man die Diskussionen zu "Snakes on a plane" und den ganzen Hype dazu im Internet, könnte man zu der Meinung gelangen, es handele sich hier um ein besonders kontroverses Filmwerk. Auch die weit auseinandergehenden Bewertungen und die leidenschaftlichen Diskussionen darüber, was man aus der Thematik noch alles herausholen hätte können, lassen auf ein wichtiges Thema schließen oder zumindest eine extreme Umsetzung.

Doch wenn eines "Snakes on an plane" nicht ist, dann in irgendeiner Form extrem. Das Thema ist sogar völlig belanglos, denn auch wenn die Macher bewußt bei ihrer Story auf die weit verbreiteten Phobien "Flugangst" und "Schlangen" in Kombination setzten, so sind das doch Gefahren, denen der überwiegende Teil der Bevölkerung kaum ausgesetzt ist - also nicht gerade ein uns täglich betreffendes Thema.

Trotzdem ist "Snakes on a plane" etwas Besonderes - es setzt bewußt auf die heutige Internet- und MTV-Generation. Hier werden sämtliche Klischees und Stereotypen bedient, die heutzutage angesagt sind. Und dazu gehört eben auch ein Thema, daß uns zwar zu richtig schön ekligem Erschauern bringen kann und unsere Urängste anspricht, aber gleichzeitig keinerlei Bezug zu irgendwelchen Alltagsproblemen hat - kein Wunder, daß sich Tausende bei diesem Film einbringen wollten und die Macher gezielt Fan-Wünsche in diesen Film eingebaut haben - "Snakes on a plane" liegt damit voll auf der Linie von Comics, Big Brother, Deutschland sucht den Superstar (incl. internationaler Äquivalente) und ist nicht weniger als der erste interaktive Film ,zumindest in seiner Entstehungsphase (bei "Blair Witch Projekt" wurde per Internet mehr das Dokumentarische betont, um den Schrecken noch "realer" wirken zu lassen, direkten Einfluß auf die Umsetzung gab es nicht).

Und da ist es nur zu verständlich, daß es über diesen Film solch eine Kontroverse gibt. Der größte Lärm entsteht ja meist bei unwichtigen Themen - eben Ablenkung pur.

Dabei ist den Machern ein absolut unterhaltendes Stück Film um den Superstar Samuel L.Jackson gelungen. Die Anwendung der Stereotype bietet für Jeden etwas. Ob es das attraktive Liebespärchen ist, daß uns an seinen körperlichen Vorzügen teilhaben läßt, eine Versammlung an diversen Blondinen, toughe Frauen, nette Typen, Rapper, 2 Kids, Mutter mit Baby - alles dabei. Die einzigen etwas unsympathischen Typen sind eine schwergewichtige Frau ,ein Geschäftsmann und der Co-Pilot, der mit anzüglichen Bemerkungen glänzt. Es ist nicht überraschend, daß sie zu den Wenigen gehören, die hier über 30 sind - selten habe ich ein so jugendliches Publikum in einer Boeing 747 gesehen.

Die Story selbst ist wenig gehaltvoll. Die übliche Geschichte vom Zeugen der Anklage, der vom großen Gangsterboß umgebracht werden soll - immerhin ist die Umsetzung mit den Schlangen originell. Man fragt sich nur, warum er nicht gleich eine Bombe nimmt, wenn er in der Lage ist, ein solch riesiges Paket mit den Schlangen unbemerkt in den Bauch eines Passagierflugzeuges zu verfrachten. Aber hier geht es eben nicht um Realität, sondern um Spaß - und den hat man. Da ist es auch müßig, darüber zu philosophieren, ob sich die Macher das Ganze von vornherein so gedacht haben - dann wäre der Film eben unfreiwillig komisch.

Und schon sind wir wieder beim Thema - nach Lust und Laune über etwas zu diskutieren und nachzudenken, daß etwa eine Halbwertzeit und Bedeutung hat wie die berühmte Wasserstandsmeldung. Das gilt auch für die Gewaltdarstellungen, die teilweise im Nachhinein hinzugefügt wurden. Da knirscht und knackt es manchmal und die Schlangen suchen sich originelle Eingänge, aber provokativ oder Gewalt verherrlichend ist da nichts, Alles ordnet sich der Lustbarkeit unter...

Fazit : Unterhaltender und gut gemachter Actionfilm, der genau das anwenden und umsetzen will, was heute allgemein an Stereotypen und Handlungsabläufen erwartet wird - mit einem gut aufgelegten Samuel L.Jackson als Mr.Cool im Mittelpunkt.

Wie nicht anders zu erwarten, fordert ein solches Ansinnen eine besonders kontroverse Diskussion herauf - denn schließlich hat jeder eine andere Meinung darüber, was gerade angesagt ist, welche Typen man verwendet, wie die Gewaltdarstellungen aussehen sollen und was man nicht Alles aus diesem wahnsinnig wichtigen Stoff herausholen hätte können.

Doch wenn Irgendetwas nicht angemessen ist, dann diese Diskussion um einen kleinen Film, der einfach nur unterhalten will und das auch tut - seine Bedeutung für die Menschheit halte ich eher für gering (7/10).

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