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Honolulu: Der junge Sean wird zufällig Zeuge, wie der bekannte Gangster-Boss Eddie Kim einen unliebsamen Staatsanwalt um die Ecke bringt. Klar, dass der störende Mitwisser nun selbst auf der Abschussliste steht. Glücklicherweise kann der FBI-Agent Neville Flynn einen ersten Attentats-Versuch verhindern und Sean überzeugen, den nächsten Flug nach L.A. zu nehmen und dort vor Gericht gegen Kim auszusagen. Dieser hat allerdings Wind davon bekommen und einen ebenso perfiden wie genialen Plan geschmiedet: Heimlich lässt er Kisten mit hunderten von giftigen Schlangen an Bord deponieren, die die Elektronik des Fliegers lahm legen und so einen Absturz verursachen sollen. Ein Zeit-Mechanismus setzt die Viecher nun mitten über dem Atlantik frei und dank der mit Pheromonen besprühten Blumen-Kränze, die man an die übrigen Passagiere verteilt hat, sind diese auch schon so richtig schön bissig. Flynn hat nun alle Hände voll zu tun, die haarsträubende Situation unter Kontrolle zu bringen, während am Boden sein Kollege Harris zusammen mit einem Schlangen-Experten versucht, so schnell wie möglich genügend Gegengift für die bereits Gebissenen aufzutreiben. Na, wenn das mal gut geht... Die schmerzhafte Lektion, die die Produzenten von New Line Cinema bei dem mit viel Getöse an den Mann gebrachten Heuler "Snakes of a Plane" haben lernen müssen, hätte ihnen eigentlich schon im Vorfeld klar sein können: Gewollter Kult mit Ansage funktioniert nicht! Aufgrund eines gewissen, sich damals abzeichnenden Internet-Hypes ob der beknackten Prämisse und des On-the-nose-Titels stand da wohl die Aussicht auf einen Boxoffice-Hit mit vorgepachtetem Publikum im Raum, weswegen man diesen ursprünglich mal als PG-13-Streifen konzipierten Hollywood-Käse noch nachträglich für's R-Rating mit ein paar kleineren Gore-Einlagen gepimpt hat und Samuel L. Jackson bei den Reshoots auch mal "Motherfucker" hat sagen lassen. Alleine, es hat alles nichts genützt, denn das Endergebnis ist doch nur eine Peinlichkeit sondergleichen geworden, welche keinerlei Kapital aus ihrem potenzierten Horror-Szenario schlägt, mit dem man sowohl Schlangen-Phobiker als auch Leute mit Flugangst hätte abholen können, aber da sorgt nicht mal das Übermaß an niedlichen Reptilien auf engstem Raum in luftiger Höhe wirklich für 'ne gruselige Stimmung. Im Endeffekt hat der Streifen dann auch nicht das Problem, dass er so besonders blöd und trashig wäre... sein Problem ist viel mehr, dass er nicht blöd und trashig genug ist! Hier hätten die Macher die Freiheit gehabt, in wirklich jeder Beziehung völlig vom Leder zu ziehen, aber tatsächlich versucht "Snakes on a Plane" seine bescheuerte Tierhorror-meets-Katastrophenfilm-Plotte (die an sich auch nicht wirklich neu ist, man vergleiche mit "Die Todesfalle unter dem Meer"!) noch irgendwie ernsthaft durchzuziehen, ganz so als ob er der Meinung wäre, ein "richtiger" Film zu sein... diesem Irrglauben sind die späteren "Sharknado"-Sequels nicht mehr aufgesessen. Dummerweise erzählt "Snakes on a Plane" aber nicht mal seine Story korrekt zu Ende, denn der Ober-Gangster Kim, der da zu Beginn als Bösewicht gesetzt wird, taucht da zum Schluss nicht wieder auf und wird von dem Streifen komplett links liegen gelassen... eigentlich hätte man da doch mit einem finalen Raid auf sein Domizil und einen Showdown zwischen ihm und Samuel L. Jackson gerechnet, der allerdings nicht geliefert wird! David R. Ellis, der zuvor noch mit "Final Destination 2" und "Final Call" durchaus positiv in Erscheinung getreten ist, versucht der Angelegenheit mit seiner Regie noch sowas wie einen selbstironischen Touch zu verpassen, scheitert allerdings durch die Bank an dem Umstand, dass hier keiner der Verantwortlichen so wirklich Willens gewesen ist, komplett die Sau rauszulassen, weswegen "Snakes on a Plane" zum öden Langeweiler mit permanent angezogener Handbremse verkommt. Der Film, den man sich damals im Vorfeld in Gedanken ausgemalt hatte und in dem Jackson Zigarre-kauend durch die Sitzreihen hechtet, einen Oneliner nach dem anderen raushaut und den Schlangen links und rechts die Fresse poliert, während die armen Passagier-Schweine mit Gummi-Schlangen behangen schreiend aus dem Flugzeug springen, war mal wieder ein besserer, als der, den man dann wirklich auf der Leinwand zu sehen bekommen hat... im Endergebnis ist "Snakes on a Plane" nämlich leider nur ein Fiasko und 'ne filmische Totgeburt, die inhaltlich (und eigentlich dank einiger mieser F/X auch formal) wirklich keinen Deut über einem typischen Tierhorror-Heuler aus dem Stall irgendeiner Billg-Klitsche wie Nu-Image oder U.F.O. rangiert. Das mal eher unterirdische Humor-Niveau nimmt einen trotz des permanenten Augenzwinkerns auch nicht für den Streifen ein, das höchste der Gefühle ist nämlich ein running gag rund um einen übertrieben-schwuchteligen Saftschubser, der sich zum Schluss ganz überraschend doch als Hetero entpuppt. Na, heute schon gelacht?

2/10

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