Nachdem letztes Jahr der Tsunami ran durfte, hat sich Pro7 für dieses Jahr erneut eine ausgefuchste Naturkatastrophe ausgedacht, die sogar für einen Zweiteiler gut sein würde und genügend Raum für allerlei Soap-Elemente einräumen könnte. Hier hat es nun den Tornado erwischt, und Pro7 hat das Ganze auch schön bravorös angekündigt und versucht dem Streifen mit Galileo-Spezialbeiträgen so was wie Seriösität zu verleihen. Denn schließlich hat man ja hier ein superteures (*hüstel*) TV-Event auf die Beine gestellt, bei dem es blöd wäre, wenn es keine Sau interessieren, geschweige denn gucken würde. Der große Wow-Effekt stellt sich jedoch nicht ein, da Pro7 dummerweise sämtliche animierten Tornado-Sequenzen des Finales bereits in Vorschau-Einblendungen verheizt hat. Zugegeben... Tornado ist hinsichtlich der Effekte eine Ecke besser geworden als Tsunami, aber das wars dann auch. Wie es weitaus besser gemacht wird, zeigen Twister und The Day after Tomrrow.
Der Himmel über Berlin ist blau, der Sommer heiß. Aber 300 km südwestlich stürmt und hagelt es, wird ein Bauer durch die Luft geschleudert und stirbt. Für den jungen Meteorologen Jan Berger (Matthias Koeberlin) kein Rätsel, hat er doch Tornados bei den Amis studiert. Doch keiner glaubt ihm, dass auch in Berlin so ein Wirbelsturm auftreten kann. Am allerwenigsten sein Vater (Rudolf Kowalski), Leiter des berliner Wetterdienstes. Nach einem zweiten Tornado 100 km von Berlin entfernt, kann Jan Brandschutzleiter Schütte (Martin Lindow) zum Großalarm überreden. Aber dann bleibt der Sturm aus - und Jan verliert seine Glaubwürdigkeit. Auf einmal entsteht mitten in Berlin ein Super-Tornado...
Den lokalen Helden markiert hier Matthias Koeberlin (Schwer verknallt), der schon in Das Jesus Video eine totale Fehlbesetzung aller erster Güte war. Ganz so schlimm ist es hier nicht, obwohl der Knilch mir weiterhin unsympathisch ist. Und was für ein Hero das ist, den uns der Drehbuchonkel hier auftischen will: Studium abgebrochen, Flucht ins Ami-Land, Rückkehr mit allerlei Problemen - und so einem winkt dann noch ein lukratives Angebot aus Genf. Auch gegen Ende will er wieder mal stiften gehen, als ihm alles zu bunt wird. Natürlich kommts dann doch noch anders. Mit seinem nur stückweise angedeuteten Oklahoma-Trauma malt er dann beim ersten Windzug gleich den Teufel an die Wand und hat stets die Schnitte vom Kumpel im Visier. Die wird von Mina Tander (Harte Jungs) immerhin noch recht solide verkörpert, ist dem Zuschauer aber wie der restliche Cast irgendwie scheißegal. Dieser besteht dann noch aus Lisa Martinek (Lautlos) als blindes Liebchen & Schwesterchen, Rudolf Kowalski (Kalkuliertes Risiko) als anfänglicher Raben-Vater sowie Martin Lindow (Miss Texas) als Hero Nr. 2 der ständig Probleme mit seiner Teenie-Bratze von Tochter hat.
Ganze drei Jahre wurde an der Sturmentwicklung gewerkelt und die Animationen verschlangen angeblich ein Millionen-Budget. Dafür bekommt man im Finale aber nur ein laues Lüftchen vorgesetzt, das in erster Linie nur bombastisch ausschauen soll, so aber in keiner Sekunde rüber kommt. Das Brandenburger Tor und der Reichstag müssen zwar in kurzen Sequenzen dran glauben und auch der berliner Fernsehturm, wo sich das dramtische (*hüstel*) Finale abspielt, bleibt auch nicht unbeschadet, aber irgendwie wird das Szenario, wohin schließlich ein kompletter Zweiteiler ständig hinfiebert, zu schnell über die Bühne gezogen. Viel Lärm um so gut wie nichts. Lachhaft auch, dass sich der Tornado auch gleich wieder verflüchtigt, nachdem sich unser wasserstoffblonder Hero mit ihm abkämpfen musste. Als wenn es das Ding auf ihn abgesehen hätte und dann doch aufgibt. Die dürftigen Tornado-Sequenzen, die bekanntlich schon im Vorfeld verheizt wurden, sind aber bei weitem nicht das schlimmste Ärgeniss an diesem Szenario. Vielmehr stoßen die etlichen soapähnlichen Plots sauer auf, die man hier zusammengebastelt und miteinander gewurstet hat. Dabei sind schonmal zwei dieser Plots völlig unnötig und stören eher. Der erste Plot wäre da jener, mit der Teenie-Bratzen-Tochter und ihrem Skateboard-Stecher samt kiffendem Gefolge. Was soll der Bullshit? Wollte man damit irgendwelche, pupertären Bravo-Leser ansprechen? Der Plot alleine ist schon schlimm genug; noch schlimmer ist dann aber, dass keiner von den Bratzen vom Tornado weggepustet wird. Ohnehin überleben am Ende alle eingeführten Figuren um unseren Hero. Keiner, auch wirklich keiner, von denen überlebt das Szenario nicht. Am Ende kippen sie sich sogar noch etwas Alk hinter die Binde und haben sich alle wieder ganz doll lieb. Lediglich zum Beginn erwischt der tazmanische Teufel einen Bauern - das wars dann aber auch mit dem Bodycount, der hier durch Abwesenheit glänzt. Plot Nummer 2, der mir einfach nicht passte, wurde recht spät noch eingeschoben und präsentiert uns ein dummlaberndes Quoten-Balg, dessen jedes zweite Wort "Cool" zu sein scheint und dann noch dreißt das blinde Liebchen von Vati veräppelt. Selbstverständlich überlebt auch sie. Von beiden Teilen dieses Zweiteilers kam die erste Hälfte noch am positivsten weg, da dort noch nicht das nervige Balg aufgekreuzt war, und das ganze Geschehen ruhiger und nicht ganz so unlogisch abgewickelt wurde. Auch die meisten Darsteller agierten hier noch recht passabel, während sie im zweiten Teil Panik schieben, blödsinnige Entscheidungen treffen, Gefühle zum falschen Zeitpunkt rauslassen und sonstigen Unfug fabrizieren. Unnötigerweise werden hier auch sämtliche Klischee-Figuren bedient, angefangen beim bockigen Politiker über den Love Interest inklusive Pseudo-Dreiecks-Beziehung bishin zu irgendwelchen Teenie- und Kinder-Bratzen, die das junge Publikum zum nicht-ab-oder-wegschalten animieren sollen. Hätte man nur noch ein paar Türken, Proleten, Freaks, Zuhälter, Einzelkämpfer, Finsterlinge oder Prophets of Doom aus'm Käfig gelassen, und fertig wäre das Quoten-Packet gewesen. So weit ist man hier glücklicherweise nicht gegangen, während das bei Tsunami bezüglich der Finsterlinge schon anders aussah. Fernab dieser Soap-Elemente (geht zwar kaum), kann das ganze Szenario noch in gewisser Weise unterhalten, hat sogar einen geringen Trash-Faktor, wenngleich die Story nach Schema F gezeichnet wurde, die man aus anderen Katastrophen-Szenarien kennt: Eine einzelne Person ahnt nichts Gutes, keiner glaubt ihr natürlich, bis es dann zum großen Knall kommt. Somit stellt sich ab etwa zu Beginn des zweiten Teiles ein bisschen der Gähn-Faktor ein und man wartet nur noch auf das Finale in der Hauptstadt, das dann aber auch kaum halten kann, was dem Zuschauer versprochen wurde. Dafür vorher eine mehr als dreistündige Soap-Folter erdulden? Das ist es definitiv nicht wert!
Die Macher von Tornado hatten angeblich den Ehrgeiz, es besser zu machen als die Amis mit Twister oder The Day after Tomrrow. Doch gerade diese beiden Streifen sind bezüglich solcher Szenarien wesentlich empfehlenswerter als dieses Kurz mal durch Berlin mit Pseudo-Showdown im Fernsehturm-Gehuste, was einem im Finale untergeschoben wurde. Betrachtet man den Zweiteiler mit seiner kompletten Spiellänge und den vorherigen Ereignissen, so ist das Finale trotz passabler Optik eine Frechheit dem Zuschauer gegenüber, der sich immerhin über drei Stunden abmüht, weil er Berlin mal so richtig durch die Luft fliegen sehen will, es aber nur stückchenweise zu sehen bekommt. Nee, Klo7... ähm, Pro7... so wird das nichts. Das muss sich eindeutig ändern, wenn ihr hofft mit irgendwelchen pseudohaften TV-Blockbustern und -Events genügend Zuschauer vor die Glotze zu bekommen.