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Die junge Bella überrascht ihren Freund mit einer anderen Frau, beendet daraufhin die Beziehung und zieht von London in eine kleine Wohnung in Brighton, um ihr Leben neu zu ordnen. Dort soll sie allerdings auch nicht zur Ruhe kommen, denn bald schon belästigt sie ihr Incel-Nachbar Tim mit obszönen Anrufen und es dauert auch nicht lange, bis er ihr offen mit Mord und Vergewaltigung droht. Als Bella der Psycho-Terror zu viel wird, greift sie eines Nachts zu einem Hammer, steigt in Tims Haus ein und schlägt ihm im Schlaf den Schädel ein. Im Anschluss an die Tat macht es bei Bella klick und sie besorgt sich eine Pistole, um die Straßen von Triebtätern, Chauvi-Schweinen und Perverslingen zu säubern... In der Spät-Phase seiner Karriere begibt sich Michael Winner mit dieser vorliegenden Adaption eines Skandal-Romans nochmal auf ebenso bekanntes wie - vermeintlich - kontroverses Terrain und möchte mit dieser "Ein Mann sieht rot"-Variation mit vertauschten Geschlechter-Rollen sicherlich liebend gerne ein wenig provozieren und fast zwanzig Jahre nach diesem nochmal zu dem Erfolg des besagten Charles Bronson-Reißers schwimmen. Doch Pech gehabt, die Gesellschaft hat sich zwischenzeitlich gewandelt und was in den 70ern noch für einen Aufschrei und reichlich Gesprächsstoff gesorgt hatte, wurde in den 90ern - zumindest außerhalb von Großbritannien - schon kaum mehr zur Kenntnis genommen und so ist "Dirty Weekend" hüben wie drüben hart gefloppt. Da hat es dann auch nichts genutzt, dass mit Helen Zahavi die Autorin der literarischen Vorlage hier ihren eigenen Roman persönlich zu 'nem Drehbuch umgearbeitet hat, weswegen man wohl annehmen kann, dass die filmische Umsetzung da ganz in ihrem Sinne geraten ist. So manch ein Betrachter mag da aber durchaus seine Probleme mit "Dirty Weekend" haben: Der schwarze Humor, der da permanent durch die unglaubwürdige Handlung scheint, ist echt ätzend und mal so überhaupt nicht lustig, so gut wie jede männliche Figur ist die reinste Karikatur und in seiner Gesamtheit wirkt das alles fast schon wie eine gewollte Parodie auf gängige Selbstjustiz-Streifen, was die Frage aufwirft, wie ernst Zahavi und Winner ihren Film eigentlich genommen haben (meine Vermutung: Sie ziemlich, er eher nicht so sehr). Statt als harter Action-Thriller geriert sich "Dirty Weekend" dann, wenn er seine (Anti-)Heldin mit dem überzeichneten Mannsvolk kurzen Prozess machen lässt, auch eher als feministisch-satirisches Message-Movie, das im Grunde genommen nicht weiter von einem "Death Wish 3 - Der Rächer von New York" entfernt sein könnte. Recht viel Spaß machen aber die Auftritte von bekannten Gesichtern wie Rufus Sewell, David McCallum und Sean Pertwee in Nebenrollen als männlicher Abschaum. Fazit: Unique und weird, Augenzwinkern ist hier angesagt.

6/10

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