Quietschbuntes Knallbonbon
„Du hattest schlechte Zeiten und wir waren auch dabei;
Wir werden dich begleiten;
Wir bleiben Troy.“
(Die Fantastischen Vier)
Wissen Sie woran man erkennt, dass man selbst als 27-jähriger schon steinalt ist? Nein,...., na ja, wenn man über die aktuellen Teenie - Idole und Filme nur noch sprachlos den Kopf schütteln kann. Dies ist - zumindest bei mir - der Fall bei dem Musikfilm „High School Musical". Unter den zwölf- bis siebzehn-jährigen ist dieser Streifen, produziert vom Disney Channel, allerdings der allerletzte Schrei. Bei dem Film aus dem Jahr 2006 führte Kenny Ortega Regie und das - meines Erachtens - nicht besonders gut (oder ich bin vielleicht zu alt?!?). Immerhin gibt es ja bereits schon einen zweiten Teil. An dieser Stelle aber ein paar kritische Worte zum ersten Film.
Als Erwachsener ist dieser Film kaum auszuhalten, ohne ständig den Kopf über soviel amerikanischen, knallbunten "Schwachsinn" zu schütteln, oder zumindest nervöse Zuckungen zu bekommen. Bei den Teenagern von heute ist der Film jedoch der absolute Kult - die Gründe dafür sind mir jedoch unerklärlich. Die Handlung ist hanebüchen und von der ersten Minute an vorhersehbar - auch wenn sie ständig von platten, teeniekompartiblen, „Bravo" - Pop unterbrochen wird. Die 98 Minuten lange Story zieht sich wie ein quietschbunter Kaugummi und man fragt sich als vernünftiger - oder erwachsener - Zuschauer ständig, wie einem so eine haarsträubende nur einfallen kann bzw. wie ein derart renommiertes Filmstudio wie Disney Geld für so einen Film hergeben konnte. Die hochglanzpolierten, viel zu farbintensiven Bilder fügen sich Ideal in die grell-bunte von Teenie - geplagte Handlung um Troy Bolton und Gabriella Montez ein. Tauscht man die High School - Kulisse durch das wunderschöne Alpenvorland aus und die beiden „Schauspieler" durch „Marianne und Michael", so würde der Film auch wunderbar in das Programmschema der ARD am Samstagabend passen.
Beide sind die Hauptdarsteller des Films und anscheinend die ultimativen Idole der heutigen Teenager. Bereits zu Beginn des Films landen - wie es der Zufall so will - Troy Bolton (dargestellt von Zac Efron), der Captain des High School Basketball Teams und Gabriella Montez (gemimt von Vanessa Anne Hudgens), ihres Zeichens ein äußerst attraktives Mäuschen und zudem eine Mathe- und Chemie-Koryphäe unfreiwillig zusammen bei einem Karaokewettbewerb auf der Bühne. Bereits nach wenigen Tönen hört man es zwischen beiden knistern. Da Troy nur im Winterurlaub ist, verlieren sie sich nach dem Song aus dem Augen. Doch wie das Leben so spielt, wird Gabriella nach den Ferien ausgerechnet auf Grund eines Umzugs zu Troy und in dessen Klasse versetzt, wo sie die Wege der beiden wieder kreuzen. Troy und Gabriella wollen jenen magischen Augenblick wieder aufleben lassen, den sie während dem Karaoke erfahren hatten und bewerben sich für die kommende Musicalaufführung der Schule - sehr zum Missfallen von Sharpay Evans (gespielt von Ashley Tisdale), einem strohblonden „Paris- Hilton - Verschnitt" und Möchtegern -Musicalstar. Sie ist zusammen mit ihrem Bruder Ryan Evans (dargestellt von Corbin Bleu) der unsympathische, böse Gegenpart zu Troy und Gabriella, der versucht, alle Musicalambitionen der beiden zu manipulieren. Troy ist hin- und her gerissen zwischen dem Endspiel der Basketballmeisterschaft und dem Vorsingen zur Musicalaufführung, zwischen der Loyalität zu seinem Team und der musikalischen Flamme seines Herzens. Beide haben mit den typischen jugendlichen Problemchen zu kämpfen doch am Ende heißt es auch hier: Ende gut alles gut, denn Herz, Liebe und Loyalität siegen, denn wie heißt es eben „Du hattest schlechte Zeiten und wir waren auch dabei; Wir werden dich begleiten; Wir bleiben Troy" - im wahrsten Sinne des Wortes.
Von einer schauspielerischer Leistung zu sprechen, vor allem bei den vier Protagonisten Troy, Gabriella, Sharpay und Ryan wäre ebenso vermessen, wie davon, dass es sich bei dem Film um ein modernes Musical handelt. Nicht nur die Handlung des Films bewegt sich am Rande zum „Trash", sondern auch das, was die Hauptdarsteller hier abliefern. Für ein pubertäres, vorwiegend weibliches Publikum mag das genügen, denn dort liegen die Prioritäten vermutlich ohnehin auf anderen Aspekten (wie etwa Troys Haarschnitt). Legt man allerdings normale Maßstäbe an einen Film aus dem Hause Disney, so erinnern diese Darstellungen eher an die ersten, verzweifelten Versuche junger, mehr- oder weniger talentierter Teenager in einer mehr als laienhaften AG Schulspiel. Gerade um Zac Efron als Troy und Vanessa Anne Hudgens als Gabriella wird ja in den hochglanz Teenager - Gazetten wie etwa der „Bravo" ein enormer Hype gemacht, was vermutlich daran liegt, dass Disney den Streifen gerade für diese ausgewählte Zielgruppe hätte nicht besser produzieren können.
Im gut sortierten Musikfachhandel findet man das „High School Musical" dem Namen entsprechend oftmals im Genre Musikfilm oder Musical. Bezeichnet man diesen Film jedoch als ein wirkliches Musical, so ist das eine hochgradige Beleidigung für wahre Musicalmeisterwerke wie etwa Highlights von Andrew Lloyd Webber „Jesus Christ Superstar", „Phantom der Oper" oder „Evita". Die Handlung des Films wird zwar durch zum Teil etwas hilflos wirkende Gesangseinlagen unterbrochen, die Musik ist jedoch kein oder nur selten handlungstragendes Element, wie es für ein Musical jedoch üblich ist - von der Qualität der Musik gar zu sprechen. Einige gute musikalische Momente weist der Film jedoch auf; dies ist nicht zu bestreiten, wie zum Beispiel das letzte Stück „We´re all in this together". Hugh Grants Schmonzette „Mitten ins Herz" ist jedoch noch eher als ein Musical zu bezeichnen als dieser Film. Mit modernen Musicals wie etwa „Moulin Rouge" ist der Film nicht zu vergleichen. Der Soundtrack ist eine Mischung aus Hip-Hop Elementen und seichten Kuschelrock - Schmusesongs, die zwar - abgesehen von den kläglichen Gesangsversuchen der Hauptdarsteller - zumeist zwar gut produziert, aber so was von seicht sind, dass jede volkstümliche Schlagerparade der ARD oder des ZDF der hohen Kunst der Komposition gleicht.
FAZIT:
Der Streifen trieft vor Herzschmerz und Schmalz, dass ein Rosamunde Pilcher - Film dagegen ein wahres, eiskaltes Actionfeuerwerk dagegen ist und Florian Silbereisen im Gegensatz zu Troy und Gabriela ein richtiger Terminator des volkstümlichen Schlagers ist. Der Film ist wunderbar und meisterhaft für ein junges Zielpublikum produziert, doch hat man erst einmal die Pubertät hinter sich gelassen, so wird man die Hände über den Kopf zusammenschlagen und sich fragen, wie man sich für so ein plattes, quietschbuntes Knallbonbon von Film begeistern konnte. Für die Handlung und die schauspielerische Leistung hätte der Film keinen Punkt verdient. Da er doch einige anhörbare, halbwegs gute - natürlich schnörkellos und aalglatt - produzierte Songs beinhaltet, gibt es einen Gnadenpunkt. Manchmal bleiben einem die Vorlieben der Teenager wirklich ein Rätsel, für den Disney - Konzern stellte sich das „High School Musical" und dessen Fortesetzung als wahrer Glücksgriff heraus.
(1/ 10 Punkten)