Vergesst die Wochenromanze Ford / Heche, die diversen Schwarzenegger Vehikel mit DeVito - Beifahrt und vor allem die "Ghostbusters" : "Evolution", in den ich mich 3001 10-jährig mit einem Freund schlich ist der wahre Jakob in Ivan Reitmann Filmographie! Zu meiner Verteidigung: damals, als der größte mir namentlich bekannte Schocker "Tanz der Teufel" und selbst die kastrierten TV-Fassungen von "Scream", "A Nightmare on Elm Street" und "Halloween" für mich unerreichbare heilige Gräle mit süßem Wein waren hatte ich noch nicht mal eine Ahnung von der Existenz der "Cannibal Girls". Und als ich dann Jahre später um die Existenz des Filmes wusste war der für mich auch gar nicht mal so interessant.
Mein Stammkino hat mir die Entscheidung, ob und wann ich dem Film je eine Chance geben werde zusammen mit einer lästigen Pflicht bei einem Doppel Feature der Fressfilme abgenommen:" öfters begleitet von einer befreundeten Horrorallergikerin muss ich hin und wieder per Handgeste vorwarnen, bevor es blutig wird, der Film Abend soll ja save sein, Spaß machen und nicht mit Spontanfahrt in die Klapse enden. Der Film nimmt einen die Vorwarnpflicht mittels nervig schrille Glocke ab. Ein unnötiges Gimmick, denn die von drn Kannibalenmädels servierte Folmschlachtplatte ist zwar nicht sonderlich blutig (oder gar überragend kunstfertig), aber Titel unterhaltsam.
Nicht zuletzt haben wir das dem jungen Günther Grass zu verdanken. Oder ist es gar Wolfgang Poetry im Exil? Wem auch immer Eugene Levys Charakter optisch nachempfunden sein mag, er hört auf den Namen Cliff, ist Musiker und gerade auf Liebesurlaub mit seiner Kirsche Gloria, einer unentwegt meckernden jungen Dame und damit das perfekte Gegenstück zum dauergenervten Hippieschluffie.
Neben beider mieser Laune und dem zusammengebrochenen Wagen erweist sich dabei auch noch die Suche nach romantischer Angelegenheit als absoluter Cockblock, denn die örtliche Motelbesitzerin empfiehlt den beiden Turteltauben mit Vögelgrippe ein abgelegene Restaurant mit makaberer Vergangenheit, geleitet vom örtlichen Priester, der mit seinen drei fleißigen Sex-Metzgerinnen und einem grenzdebilen Siffkoch seinen Gästen ein tendenziell einmaliges gustatorisches Vergnügen bietet. In der Regel landen die Gästen nämlich nachher selbst auf der Schlacht Dank und warten im Anschluss mariniert im Kühlschrank auf ihren Einsatz.
"Cannibal Girls" schaut sich wie ein "Blood Feast" - Remake, dass Russ Meyer für Hammer Films basierend auf einem John Waters - Skript gedreht hat. Wem das zu abgehoben als Vergleich klingt, der mag vielleicht lieber "Blood Feast" oder gar ein gewisses texanischen Kettensägenmassaker als Vergleich heranziehen, wobei die Verwandtschaft zu ersterem deutlicher ausgeprägt ist. Und dennoch fliegen die Fetzen hier eher moderat.
Das eigentliche Highlight sind die Charaktere: die kanadische Horrorveteranin Andrea West und Eugene Levy, der uns allen als nassforscher Vater des berühmtesten Kuchenfickers der Filmgeschichte bekannt ist Sorgen hier ebenso für Lacher wie der Kannibalenpfaffe (lat. "Anthropopfarrgous") und der Pöbelkochbund seine flinken Metzelbienrj sind eh eine Klasse für sich. Eine handvoll weiterer Opfer sorgen zur Überbrückung des Opferganges unserer Liebestrottel dann für eine zwischenzeitliche Zwerchfelldehnung. Auch wenn manch einer hier eher funktionales Schauspiel abliefert: Reitmann wusste schon, welcher Teil des Casts am besten zu welche von ihm und Mitstreiter Daniel Goldbaum erdachten Figuren passt.
Schmucklos, bar eines Killers mit prägnantem Äußeren und befreit von jedweder möglichen Botschaft ist "Cannibal Girls" trotzdem verdammt unterhaltsam. Und die Moral, dass zuhause poppen besser für die Gesundheit ist kann denke ich jede/r nachvollziehen. Ruhe in Frieden, Cliff. Er wollte nur nochmal einen wegstecken.