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La Dolce Vita- das süße Leben: Genau davon handelt Federico Fellinis 1959 entstandenes Werk, das uns in die Welt der Reichen und Berühmten entführt.

Wir begleiten den Journalisten Marcello Rubini bei seinen Touren durch Rom und erleben ihn immer auf der Suche nach einer heißen Story und dem großen Vergnügen, währenddessen seine Verlobte Emma erkennen muss, dass ihre Beziehung scheinbar immer mehr erkaltet.
Denn ist Marcello nicht unterwegs, um über Stars, wie die amerikanische Schauspielerin Sylvia zu berichten oder um bei einer Erscheinung der Madonna anwesend zu sein, vertreibt er sich die Zeit in Cafés, trifft Freunde und Kollegen auf Partys oder amüsiert sich mit anderen Frauen. Doch es läuft bei weitem nicht alles so rosig, wie es den Anschein hat. Marcello ist unzufrieden. Er möchte kein Journalist mehr sein, der für die Klatschpresse irgendwo Geschichten ausgräbt. Stattdessen will er sein literarisches Talent fördern und Schriftsteller werden. Aber sein Beruf ist nicht das Einzige, was ihn unglücklich macht, gibt er doch in einem Gespräch mit seinem Freund Steiner zu, ihn um sein Leben –mit Frau und Kindern- zu beneiden. Zu all den Problemen kommt auch noch der nicht zu seiner Zufriedenheit verlaufende Besuch des Vaters. Trotzdem halten ihn diese Dinge nicht davon ab, sich weiter auf Partys zu tummeln und sich hemmungslos gehen zu lassen.

Dreh- und Angelpunkt von Fellinis „La Dolce Vita“ ist die Figur des Marcello Rubini. Ihn begleitet der Zuschauer durch seinen Alltag und erlebt mit ihm die Höhen und Tiefen, des vermeintlich süßen Lebens. Den Alltag Marcellos fängt Fellini vor der stimmungsvollen Kulisse Roms ein, deren Vielfalt von kargen Mietshäusern bis hin zu noblen Straßenzügen reicht und ausgezeichnet die Atmosphäre des Films untermalt bzw. mitkreiert. Die diversen Sets des Films sind liebevoll gestaltet und mit einem besonderen Blick für Details ausgestattet, welche Fellini in edlem Schwarz/ Weiß auf Celluloid bannt.
„La Dolce Vita“ erzählt eine Geschichte, die sowohl interessant als auch schön konstruiert ist und von Fellini mit sicherer Hand umgesetzt wurde. Eine Besonderheit des Films besteht dabei sicherlich darin, dass der geneigte Zuschauer über weite Strecken vergisst, dass er einen Film sieht. Diese Wirkung verdankt der Film vor allem seiner realistischen Inszenierungsweise.
Musikalisch verhält sich der Film, bis auf ein paar Ausnahmen, eher zurückhaltend. Wenn Musik zum Einsatz kommt, sind es meist ruhigere Töne, die vom Zuschauer vernommen werden und so nicht sonderlich in den Vordergrund treten.

Ein wichtiger Aspekt dieses Werkes sind die Schauspieler, die einen großen Anteil zum positiven Gesamteindruck beisteuern.
Was für Akira Kurosawa Toshirô Mifune und für Tim Burton Johnny Depp ist, stellt Marcello Mastroianni für Federico Fellini dar und das zugegebenermaßen mit Recht. Mastroianni liefert als Marcello Rubini eine grandiose Leistung ab. Er verkörpert den Playboy mit einer einzigartigen Ausstrahlung und einer Bildschirmpräsenz, die ihres gleichen sucht und kann so auf ganzer Linie überzeugen. Die verschiedenen Facetten seiner Rolle stellt er eindringlich dar, sodass er dem Zuschauer noch lange im Gedächtnis haften bleiben wird.
Insgesamt durchzieht den Film von Anfang bis Ende eine angenehm pikante Erotik. Getragen wird diese vor allem durch den Hauptdarsteller und von seinem zeitweiligen Co-Star Anita Ekberg. Mastroiannis Ausstrahlung ist dabei eher subtil, wohingegen Frau Ekberg auf die Holzhammer-Methode setzt und eher durch freizügige Kostüme und Posen auffällt.
Zu den restlichen Schauspielern, von Mastroianni dezent an die Wand gespielt, kann man sagen, dass sie ihren Job ebenfalls gut machen und durchaus zu überzeugen wissen.

Nach all der Lobpreisung des Films, gibt es leider auch einen Aspekt, der sich ein wenig störend auf das Filmvergnügen auswirkt. Mit einer Laufzeit von rund 166 Minuten ist der Film relativ lang ausgefallen, was an sich nichts Negatives ist. Im Fall von „La Dolce Vita“ werden jedoch manche Szenen ein wenig zu sehr ausgewalzt, was sich störend auf den Erzählfluss des Filmes auswirkt.

Fazit: Trotz Überlänge ist „La Dolce Vita“ ein überaus sehenswerter Film, der sowohl durch seine Schauspieler als auch inszenatorisch zu gefallen weiß.

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