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20 Jahre alt ist das Fantasy Filmfest bereits und da muss zum Jubiläum natürlich ein besonderer Eröffnungsfilm her. Die Wahl fiel am Ende auf die Weltpremiere von Severance, eine Horrorkomödie, eine Wahl die im Hinblick auf die Eröffnungsfilme der letzten Jahre (2005 – Kiss Kiss Bang Bang) auf den ersten Blick eher gewagt erscheint, am Ende aber durchaus gelungen ist.

Regisseur Christopher Smith, der zusammen mit James Moran auch das Drehbuch schrieb, konnte mit seinem umstrittenen Debüt Creep bereits Erfahrung im Horrorgenre sammeln, im Gegensatz zu dem bierernsten U-Bahn-Slasher geht aber Severance in eine ganz andere Richtung. Der britische Waffenkonzern Palisade Defense schickt seine Mitarbeiter zu einem „team-building“ Wochenende in eine Hütte in den ungarischen Bergen. Die Zusammenstellung der Gruppe fällt dabei bewusst stereotyp aus: der Streber Gordon (Andy Nyman), der karrieregeile, arrogante Harris (Bond-Bösewicht Toby Stephens), der Kiffer Steve (Danny Dyer), die prüde, verschrobene Jill (Claudie Blakley), die schöne Amerikanerin Maggie (Laura Harris), in die sich wohl jeder männliche Kollege verliebt hat und der vertrottelte Chef Richard (Tim McInnerny) sowie dessen gutmütiger Assistent Billy (Babou Cessay), der gleichzeitig die Rolle des Quotenschwarzen einnimmt. Bereits auf der Anreise gibt es erste Probleme: die Straße ist blockiert, der dem Englischen nicht mächtige Busfahrer weigert sich, eine Umleitung durch den Wald zu nehmen. Nach einem Fußmarsch gelangt man schließlich in die Hütte, die sich als schäbig und verfallen herausstellt. Unangenehm wird es aber erst, als Harris im Keller Dokumente findet, die auf Palisade Defense verweisen und Jill in der Nacht jemanden an ihrem Fenster sieht. Für die Abreise ist es aber bereits zu spät: eine Soldatentruppe, denen irgendwann im Krieg alle Sicherungen durchgebrannt sind, hat den kompletten Wald mit Fallen zugestellt und macht blutige Jagd auf die Mitarbeiter.

Sonderlich originell ist die Story sicherlich nicht, und außer ein wenig Kritik an den Waffenfirmen sollte man ebenfalls nicht erwarten, dafür aber punktet Severance bei anderen Dingen, allem voran dem Humor. Im ersten Drittel besteht der meistens aus Slapstick und Wortwitz und unterstütz die Charakterisierung der Truppe, wobei gekonnt bereits die Sympathieträger herausgearbeitet werden. Als die Soldatentruppe dann angreift bekommt man dann wunderbar makaberen Humor geboten, da sich sowohl unsere Helden als auch die Soldaten oftmals alles andere als geschickt anstellen. Da schnappt eine Bärenfalle, in die einer der Truppe hineingeraten ist, bei der Befreiungsaktion mehrmals erneut zu, und eine Abwehraktion mit dem Raketenwerfer schlägt auf absurdeste Weise fehl. Und auch die Morde werden meist von einem sehr zynischen Humor begleitet.

Allzu grafisch geht es dabei übrigens nicht zu: auch wenn einzelne Stellen recht hart ausfallen, werden diese durch den Humor wieder abgemildert, die Kamera hält außerdem nicht immer voll drauf, das Blut fließt ebenfalls nicht im Überfluss. Für eine Jugendfreigabe wird es zwar ohne Schnitte wohl trotzdem nicht reichen, die Bezeichnung Splatter, wie im Pressetext angekündigt, halte ich aber für übertrieben.

Auch ansonsten schafft es Smith, zahlreiche Lacher einzubauen. Oftmals gelingt dies durch das Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers (Stichwort: Spinne), das auch erfahrene Horrorfilmgucker des Öfteren überraschen wird. Besonders dankbar bin ich Smith aber dafür, dass endlich einmal die Helden die Chance, einen Widersacher zu erledigen, auch nutzen, und nicht wie sonst im Genre üblich möglichst schnell wegzurennen, damit der Killer genügend Zeit hat, sich wieder aufzurappeln. Horrorkenner werden zudem einige kleinere Hommagen erkennen, die sich besonders an jüngere Horrofilme wie Wrong Turn und Hostel richten.

Ebenfalls beachtlich ist, dass Severance für eine Komödie erstaunlich spannend ausgefällt. Besonders im ersten Drittel gibt es einige gelungene Schockeffekte und obwohl man die Überlebenden relativ schnell erahnen kann, bleibt es bis zum finalen Showdown dank einiger Wendungen recht spannend. Inszenatorisch gibt es ebenfalls positives zu berichten. Auf den Vorspann wird später auf kluge Weise wieder Bezug genommen, ebenso auf die gelungen inszenierten Theorien, die die Truppe über die Vergangenheit der Hütte anstellen. Das Timing der Gags ist nahezu perfekt, gleiches gilt über große Strecken auch für die Balance zwischen Horror und Humor. Des Weiteren gibt es auch einige interessante Kamerafahrten, der Soundtrack ist passend, bleibt aber unauffällig.

Allerdings gibt es auch eine große Schwäche: im zweiten Drittel mutiert der Film kurzzeitig zum Folterkellerhorror à la Hostel, was nicht nur den Humor zeitweise komplett verschwinden lässt, auch die Morde fallen dort relativ unspektakulär aus. Außerdem bricht der Film, der sich sonst keine einzige Sekunde lang selbst Ernst nimmt, dort das einzige Mal mit seiner Einstellung. Zum Glück kriegt er aber mit dem Verlassen des Kellers noch rechtzeitig die Wende, so dass dieser Kritikpunkt nicht zu schwer ins Gewicht fällt.

Nichts zu meckern gibt es dagegen bei den Schauspielern, auch wenn diese nicht allzu viel zu tun haben. Besonders Danny Dyer und Laura Harris passen sehr gut in ihre Rollen und verleihen diesen viel Sympathie. Toby Stephens wird dank seiner Rolle als Gustav Graves in Stirb an einem anderen Tag wohl das bekannteste Gesicht sein und seine Figur erinnert mit ihrer Arroganz auch an den Bondgegenspieler, dies passt aber sehr gut in den Film. Auch die restlichen Darsteller harmonieren miteinander, herauszuheben ist noch Andy Nyman als wunderbar naiver Streber.

Insgesamt weiß Severance Freunden des schwarzen Humors sehr gut zu gefallen, auch wenn die Story nicht allzu originell ausfällt und es einen kleinen Durchhänger im zweiten Drittel gibt. Dafür gibt es zahlreiche Lacher, sympathische Charaktere, ein gesundes Maß an Spannung und makaberen Morden, und eine durchwegs gelungene Inszenierung. Was braucht es mehr, um gut unterhalten zu werden?

(8/10)

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