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Reisen in das neue Osteuropa können blutig enden, das ist spätestens nach "Hostel" wohl jedem klar. Zur gruppendynamischen Stärkung ihrer Verkaufsabteilung wird diese Riege des Rüstungskonzerns Palisade Defence in eine nicht nur stark bewaldete sondern auch höchst menschenleere Gegend verfrachtet und die gebuchte Lodge entpuppt sich als nicht halb so luxuriös, wie es hieß. Statt dessen machen die sieben Waffenexperten Bekanntschaft mit den einzigen Einheimischen weit und breit (mal den entlegenen Eskortservice beiseite gelassen), einem Trupp verwilderter Guerillas, ausgerechnet mit Waffen von Palisade ausgerüstet und dazu krude in ihrer Art, zu töten. Unser Team von desinteressierten Schreibtischtätern hingegen macht zwischen Drogenexzessen (gelungen: Danny Dyer) und Sexträumen mit der Kollegin nur unzureichende Fortschritte beim geplanten Teamgeist, nicht zuletzt der Vorgesetzte Richard (Tim McInnerny) stellt sich unglaublich unfähig an, eine belächelnswerte Figur vor einer heterogenen Gruppe, die allesamt gute Gründe haben, von der Pflichtveranstaltung ziemlich angepisst zu sein. Damit verzichtet man auf Teenies, die für gewöhnlich in US-Pendants als Opferlämmer den Wald bevölkern und stellt die Team-durch Gotcha-Charaktere in der Wildnis humorlosen Kriegsverbrechern gegenüber, Vermummte mit Hang zum degenerierten Slasher jenseits zivilisierten Lebens. Regisseur Christopher Smith stellt sich bemerkenswert clever an, dem Zuschauer eine Palette von britischem Humor über selbstironische Versatzstücke des Hinterwäldlergenres bis zu lupenreinem Horror mit einzelnen grafischen Goreeffekten zu bieten, mit überwiegend gutem Timing und reichlich schwarzhumorigen Seitenhieben. Denn im Gegensatz zu Eli Roths genanntem Film nimmt sich dieser Beitrag zu keiner Sekunde ernst und überschreitet gern die Grenze des glaubhaften, ernsthaften Horrors, um absurde Killings einzustreuen, bei denen trotz übergroßer Jagdmesser, Automatikwaffen und dem zeitgemäß üblichen Folterkeller das Lachen selten ausbleibt. Egal, ob Maggie (Laura Harris als Sex Interest für Jedermann), die Heroine des Survival-Stückes, ihrem Gegner mit einem Findling den Kopf zermatscht oder ihr Kollege (Andy Nyman) in einer Bärenfalle nach etwas ungeschickten Hilfeaktionen der Kollegen seinen eingeklemmten Unterschenkel lässt, einige Lacher sind drin, wobei die Mischung aus On- und Offscreen der blutigen Abgänge gelungen ist. Da haben die Briten sowohl das Backwood- als auch das Slashergenre fleißig studiert, zitieren einige Klassiker am Rande (wo kommt wohl der Zahn im Kuchen her?) und kreieren eine Parodie, die vor allem in der zweiten Hälfte auch die Spannungsmomente nicht vergisst. Mit Sicherheit ist Christopher Smiths Erstling "Creep" der vergleichsweise ernsthaftere Film, gegenüber so manch anderer Blödelkomödie oder auch Zombie-Rip-Ofs schneidet "Severance" allerdings mit einem Plus ab, davon zeugen Schmankerl, wie ein kleiner Subplot, der erst am Ende köstlich aufgelöst wird. "Severance" will das Genre nicht neu erfinden, sondern einen in seiner amüsanten Mischung partyfähigen Beitrag abliefern, der seinen hohen Comdeyanteil Stück für Stück durch spannenden Horror und Terror ablöst. Die oftmals erwähnte Nähe zu "Shaun Of The Dead" ist geistig nicht ganz falsch, allerdings spielt dieser Film noch mehr mit der Erwartungshaltung des Genrepublikums und versteht es überraschend gut, den Zuschauer bei Laune zu halten. Der Blut-und-gute-Laune-Hit vom insgesamt schwachen FFF 2006, erfrischender noch als der etwas plumpere "Hatchet".

Fazit: Endlich mal wieder eine Horrorkomödie, die nicht nur für Kinder geeignet ist. 7/10 Punkten

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