Review

Es gibt viele Möglichkeiten seinen Urlaub zu verbringen, aber warum es die kleine Reisegruppe von Mitarbeitern des englischen Rüstungskonzerns "Palisade" ausgerechnet in die Wälder im ungarisch-rumänischen Grenzgebiet verschlägt, ist nicht recht nachvollziehbar. Alles atmet hier noch den Charme des untergegangenen Ostblocks und da überrascht es natürlich nicht, wenn man an so besonders einsam gelegenen Ecken immer Mal wieder auf Relikte des vergangenen Überwachungsstaates trifft und manchmal hängen da auch noch ein paar Typen rum, die irgendwie nicht gemerkt haben, daß die EU naht...

In diese heimelige Atmosphäre begibt sich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe mit den gewohnten (und beliebten) Stereotypen, deren Bus ausgerechnet kurz vor dem Ziel durch einen umgekippten Baum aufgehalten wird. Da der Busfahrer nicht davon überzeugt werden kann, einen Umweg zu fahren, greifen sich die Teilnehmer an dem Teamtraining ihre Taschen und begeben sich zu Fuß durch den Wald .

So weit - so bekannt, und doch ist der Film ganz anders und wesentlich origineller. Das beginnt schon mit der Charakterisierung der Truppe, die zwar zum Einen aus den vertrauten Stereotypen besteht, diese aber insgesamt weniger überzeichnet und damit menschlicher darstellt. So gibt es zwar den lustigen Kiffer, der aber nicht ständig nur Gags abliefern muß, sondern auch lichte Momente hat. Oder die unattraktive, etwas hausbacken wirkende Kollegin, die deutlich tougher ist als man denkt. Selbst der etwas arrogante Schlaumeier wirkt nicht unsymphatisch - besonders seine zynischen Bemerkungen gegenüber dem Teamleiter, der unsicher und inkompetent, aber auch irgendwie nett wirkt, bringen die Sache durchaus treffend auf den Punkt.

Auch Laura Harris, die schon in "Faculty" eine tragende Rolle hatte, als hübsche Amerikanerin und Objekt der allgemeinen männlichen Begierde hat nichts von der üblichen "blonden Püppchen" - Idiotie. So sind die Unterhaltungen zwischen den Protagonisten von erfrischendem Humor und witzigen Anspielungen auf den Rüstungskonzern (Stichwort "Entwicklung von humanen Minen") ohne die üblichen künstlich geschürten Auseinandersetzungen, Grüppchenbildungen und Eifersüchteleien. Im Gegenteil - eigentlich halten alle recht gut zusammen und begeben sich auch nicht idiotisch in irgendwelche Gefahren, nur nützt ihnen das auch nichts...

Christopher Smith inszeniert das alles recht lässig und am überzeugendsten ist er in der ersten Hälfte des Films, in der der Zuseher schön darüber im Unklaren gelassen wird, ob denn überhaupt und wenn dann welche reale Gefahr besteht. Zwar wurden wir genretypisch mit einem kleinen Vorfilm auf zukünftige Gewalttaten eingestimmt, aber so recht begreift man nicht den Zusammenhang zwischen diesen Szenen und der dann folgenden Erzählung, irgendwie bleibt alles im Unklaren...

So setzt Smith zuerst besonders auf den Einsatz von überraschenden Geräuschen und Schnitten, gegen deren Wirkung man sich trotz geübter Horrorkenntnis nicht erwehren kann. Gleichzeitig gelingt ein ständiges Gleichgewicht zu der witzigen Grundstimmung, so daß der Film wirklich überzeugend als Horrorkomödie gelingt ohne in primitiven oder lächerlichen Humor abzugleiten. Selbst Pinkelszenen ergehen sich nicht in Fäkal-Humor, sondern können weitere Informationen über die kommende Situation dezent herbei spülen.

Ab Mitte des Films wird dann die Bedrohung konkreter und der Witz weicht den immer stärker werdenden Gewalttaten. Und da bleibt uns nichts erspart, die Darstellung wird immer drastischer und besonders der Sound verwöhnt unsere Ohren mit allerlei Zerstörungsgeräuschen. Wie üblich verliert die Darstellung bei der Auseinandersetzung mit den Angreifern etwas an Spannung, aber es gelingen immer wieder überraschende Momente und tauchen neue Orte auf, so daß der Film seine Suspense bis zum Schluß ordentlich durchhält.

Auch der Humor kommt nach wie vor nicht zu kurz, wird aber immer schwärzer und dient hauptsächlich dazu, das immer schneller werdende Stakkato der Gewalttaten etwas abzuschwächen.

Fazit : Die Engländer zeigen uns mal wieder, wie man Horror schön locker aus der Hüfte servieren kann. Munter und frisch agierende, eher unbekannte Mimen lassen uns bei ihrer Gruppenerfahrung teilnehmen, bei der die Mitgliederstärke konsequent abnimmt. Die Grundidee ist nicht innovativ und die Art der Bedrohung bekommt auch keinen Preis für nachvollziehbare Logik. Aber, was soll`s, wenn das Ergebnis so viel Spaß macht, durchgehend unterhält und auch die Spannung nicht zu kurz kommt - sehr gelungener Genrebeitrag mit einer ausgewogenen Mischung aus Spaß und Schrecken (8/10).

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