Blanka Horrorwitz, eine Frau der man in letzter Zeit häufig in Regionen um Tschechien, Ungarn und Rumänien begegnet. Schuld daran sind Filme, wie „Hostel“ oder eben „Severence“, die uns den Ost-Terror näher bringen.
Gegenüber ernst gemeinten Beiträgen der letzten Zeit, kann, darf und wird hier geschmunzelt werden, die potentiellen Opfer entpuppen sich nicht als austauschbare Teens, nur die Gegner erinnern stimmungsmäßig an „Rocky IV“.
Ansonsten ein erfrischender Horrortrip von Angestellten eines Rüstungskonzerns durch die Wälder Ungarns oder Rumäniens, kann auch Sowjetunion sein, Hauptsache, dem bösen Osten entstammen ein paar Überbleibsel in Form von Kriegsverbrechern, die als knallharte Jäger fungieren.
Warum die Leutchen des Rüstungskonzerns ausgerechnet in diese abgelegene Waldgegend aufbrechen, um Zusammenhalt zu proben, ist nicht weiter von Belang, Hauptsache, die Figuren machen Spaß und sind sympathisch.
Da gibt es den unsicheren Teamleiter, den farbigen Assistenten, die Zurückhaltende mit der Brille, den arroganten Yuppie, den Gemütlichen, den Kiffer und die toughe Blonde.
Man kommt zwar um gängige Klischees nicht herum, aber bisweilen werden diese auch ins Gegenteil gelenkt und dadurch auf die Schippe genommen („Keine Sorge, ich bin gleich zurück“).
Besonders in der ersten Hälfte, bevor die vermummten Gegner im Wald zum Zuge kommen, erfrischen ein paar treffsichere Gags die latent bedrohlich wirkende Stimmung und der Spannungsaufbau gestaltet sich keineswegs als trockene Charaktereinführung.
Ob einer auf dem Sprungbrett eines mit Laub gefüllten Pools hüpft oder der Kiffer ein paar anzügliche Bemerkungen ablässt, - alles wohldosiert und nie platt oder niveaulos.
Aber auch später, wenn der Terror bereits im vollen Gange ist, heitern kurze humorige Szenen das Geschehen immer ein wenig auf, so dass das Grauen nie eine Belastung für den Betrachter darstellt. Nur der Humor wird etwas makaberer, etwa wenn versucht wird, ein abgetrenntes Bein in den Kühlschrank zu friemeln oder ein enthaupteter Schädel noch ein paar Sekunden Mimik verbreitet, wie kurz zuvor von den Betroffenen diskutiert.
Für Abwechslung sorgen auch drei gelungene Flashbacks, die die Vergangenheit der Jagdhütte begründen mögen, besonders treffsicher kommt hier die in Schwarz-Weiß gehaltene Anspielung auf alte Murnau-Filme.
Kontrastreich geht es zur Sache, wenn Protagonisten leiden, erklingt häufig überaus fröhliche Musik, die Sets sind düster und die Atmosphäre zuweilen gespenstisch, vor allem beim Finale.
Dennoch geht der Terror der Jäger nie bis ins Unerträgliche, explizite Darstellungen von Gewalt gibt es zwar (Bärenfalle), doch diese wird alsbald durch wohldosierten Humor entschärft.
Dabei agieren die unbekannten Gesichter gut bis besser und niemand fällt negativ auf.
Irgendwas geschieht immer, man hält sich nicht mit Banalitäten und langen Dialogen auf und es wird sogar auf die übliche Zutat „zwei ziehen sich zum Pimpern zurück“ verzichtet.
Ob nun eine Spinne auf dem Rücken, ein Paintball-Spiel oder einfach nur ein Bär, der einen Waldweg überquert, - an jeder Ecke finden sich kleine, aber originelle Ideen, die das Geschehen zu keiner Zeit langweilig werden lassen.
Zwar lässt sich im Verlauf der Handlung erahnen, wer den Horrortrip überleben wird, aber da darf zumindest mitgefiebert werden, denn die Figuren kommen angenehm sympathisch rüber.
Doch, „Severance“ ist mal wieder eine deutliche Empfehlung wert, vor allem für diejenigen, die sich beim ansonsten eiskalten Terrorkino im Nachhinein unwohl fühlen.
Hier kann man beschwingt den Kinosaal verlassen, ohne den üblichen Druck in der Magengegend mit nach Hause nehmen zu müssen.
Eine feine Unterhaltung,
8,5 von 10