Review

Britischer Humor und flottes Rumgesplattere, so was sollte man dann auch den Briten überlassen.
So geschehen im Fall von „Severance“, Christopher Smiths Nachfolgefilm zu dem zwiespältig aufgenommenen „Creep“ mit Franka Potente.
Zwiespältig bleibt leider auch das Gesamtergebnis, doch man kann Smith bescheinigen, dass er immerhin an seiner Kunst arbeitet, diesmal ist es wesentlich vergnüglicher geworden.

Im Grunde ist „Severance“ eine Art „10-kleine-Negerlein“-Slasher, eine Gruppe von Angestellten eines Waffenkonzerns macht ein Teamstärkungswochenende irgendwo im Niemandsland zwischen Ungarn, Serbien und sonst wo. Prompt gerät man in die falsche Unterkunft, eine baufällige Baracke aus dem Jugoslawienkrieg und wird zur Zielscheibe einer Gruppe durchgeknallter Ex-Soldaten, die außer meucheln nun so gar nichts können. Aber bis man sich effektiv zur Wehr setzen kann, sind schon einige hinüber…

Smith mischt in diesem Film typisch britische Gesellschaftssatire mit hartem Horror – und obwohl ihm Lachsalven des Publikums sicher sind, verbinden sich die beiden Zutaten nicht eben harmonisch.
Der Betriebsausflug entpuppt sich als Ansammlung grotesker Klischeegestalten, von notgeilen und großspurigen Chef über graue Mäuse, immerfleißige Arbeitsnerds, Großmäuler aus besserer Familie, dem Quotenschwarzen, dem blonden US-Knackarsch und dem grenzdebilen Computerfachmann, der alles an Drogen einschmeißt, was ihm unter die Finger kommt.
Provoziert die Kombination bewährte TV-Komik, wird’s nach einer halben Stunde zunehmend grimmiger und bedrohlicher, denn baldigst legt der Killer los, verteilt ordentlich Bärenfallen, säbelt Köpfe durch den dunklen Tann oder fackelt seine Opfer mit dem Flammenwerfer ab.

Leider bewegen sich brutaler Grimm und entwaffnende Komik nebeneinander her, richtig stark ist der Film eigentlich nur, wenn er sich der oberflächlichen Satire widmet und auf Brüller setzt („Im Vorstand unserer Firma sitzen Angehörige aus beiden Parteien. Die tun nichts Unmoralisches!“).
Eine weitere, hin und wieder eingesetzte Stärke ist der Umgang mit den gängigen Horrorfilmklischees, die hier bisweilen überraschend entwertet werden. So krabbelt der grauen Maus eine ganze Zeit eine Riesenspinne auf dem Rücken rum, während man auf den Schrei wartet, doch die Gute hat gar keine Angst vor Spinnen. Der Schwarze kündigt an, aufs Klo zu müssen und gleich zurück zu sein – und kommt tatsächlich wieder. Währenddessen diskutieren zwei weitere Figuren die bedrohliche Situation, während im Hintergrund unbemerkt und stark belacht, der Killer ein verletztes Opfer entführt. Und die Blonde jagt einem vermeintlich Toten eine Ladung Schrot in den Kopf und begründet dies damit, dass sie sich nicht nachsagen lassen wolle, ihn nicht getötet zu haben, als sie die Chance hatte.

Die Killer an sich sind jedoch bloße Chiffres, eine Verbindung zu der Waffenfirma ist nur rudimentär und so bleiben sie nur Katalysatoren für wechselseitig Spannung und Gelächter.
Am Ende wird’s dann im Infight richtig schön blutig und optisch schmerzhaft („Das wird jetzt sehr weh tun…“), aber auch hier bleibt der Film uneben zwischen echtem Backwood-Stalker-Grauen und komischen Einlagen.

Flott konterkarierende Musik bietet zusätzliches Augenzwinkern zu den graphisch recht heftigen Szenen, die in der unbeabsichtigten Amputation eines Beines durch eine Bärenfalls einen Höhepunkt findet.
„Severance“ ist weitestgehend sehr amüsant, aber nicht wirklich gehaltvoll und so uneben, dass er nicht auf ewig hängen bleibt, für Slasherfreunde aber sicher künftig ein Partyfavorit.
(7/10)

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