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Sich auf ausgetrampelten Pfaden den Weg durch ein Gebiet, in dem man scheinbar den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, zu bahnen, kann sich als intelligenter Einfall herausstellen. Das kann man zwar nicht unbedingt von der Gruppe sagen, die sich in „Severance“ in einem Waldstück im ungarisch-rumänischen Grenzgebiet unerfreulich grimmigen Zeitgenossen gegenübergestellt sieht, aber als Gesamturteil über Christopher Smiths („Creep“) neuesten Streich kann man diese Pfadfinderweisheit auf jeden Fall anwenden.

Denn Christopher Smith versucht hier keineswegs, sonderlich innovativ zu sein. Im Gegenteil – vielmehr versucht er, nahezu sämtliche Schablonen auszufüllen, die es so im Genre gibt. Das fängt schon mit der Zusammenstellung der Gruppe – eines Verkaufsteams des Rüstungskonzerns Palisade – an: die toughe Blondine, der immer-breite Drogenjunkie, das unscheinbare Mauerblümchen, der smarte Draufgänger, der Arschkriecher, der ängstliche, unfähige Boss und natürlich der „Quotenschwarze“… sie alle nimmt Smith mit an Bord, um ihnen – unter dem Deckmäntelchen eines Teamfindungs-Workshops – einen Ausflug in die Tiefen Osteuropas zu bescheren. Und wer wartet da? Natürlich! Die griesgrämigen Osteuropäer, die offensichtlich das Ende des Kalten Krieges und so einiges mehr verschlafen haben und vor allen Dingen auf Mitarbeiter von Palisade eine Mordswut haben.

Zu Beginn wähnt man sich noch sicher in einer leichten, und doch mitunter recht bissig wirkenden Komödie über das Zusammenprallen verschiedener Charaktere, die in ihrer Gesamtheit einen Mikrokosmos darstellen, wie es ihn eigentlich nur im Berufsleben geben kann. Verschiedene persönliche Ansichten, Einstellungen, Meinungen bergen genügend Stoff, um die Exposition von „Severance“ mit genügend Lachern auszustatten, das Publikum aufzuwärmen und zugleich durch eine latente, immer durchschimmernde Atmosphäre der Bedrohlichkeit auf das Kommende vorzubereiten.

Das ist nicht mein Zahn!!! Wie kommt der Zahn in die Pastete???

Was dem Publikum bereits mittels einer kurzen Pinkelszene angedeutet wurde, scheint sich immer mehr als schreckliche Gewissheit zu entpuppen: dort draussen im Wald ist mehr als zunächst vermutet und auch die Hütte, in der es sich die Palisade-Truppe gemütlich macht, scheint eine mysteriöse Vergangenheit zu haben. Ab jenem Zeitpunkt, in dem sich die „dreckige“ Seite von „Severance“ endgültig offenbart, finden wir uns in einem typischen Slasher wieder, der jedoch keineswegs seine humoristischen Pflichten, die er sich durch die erste halbe Stunde aufgebürdet hat, außer Acht lässt. Glücklicherweise verliert sich Smith nicht darin, seine Jokes auf übermäßige, absurde Gore-Effekte aufzubauen, sondern er verleiht seiner Horror-Komödie durch feinfühliges Drehen an den richtigen dramaturgischen Rädchen eine überspitzt-charmante Note des Makabren, die noch am ehesten mit dem Genre-Highlight „Shaun of the Dead“ zu vergleichen ist.

Keine Angst… ich bin gleich wieder zurück…

So hieß es bereits unzählige Male in vielen Vertretern des Slasher-Filmes. Und sie alle hatten eines gemein: Das Versprechen der Wiederkehr konnte eigentlich nie (oder sagen wir einmal: in den seltensten Fällen) auch tatsächlich eingehalten werden. Anlass genug für Christopher Smith, mal mit solchen über die Jahre hinweg gebildeten Klischees aufzuräumen, sie ins Gegenteilige umzukehren und so mit den Erwartungshaltungen des im Genre beheimateten Stammpublikums zu spielen. Lacher sind dabei vorprogrammiert!

Lacher, die sicherlich auch die Gorehounds darüber hinwegtrösten können, dass man in punkto Blut und Gekröse nicht das hohe Niveau des humoristischen Parts von „Severance“ geboten, sondern lediglich aufgewärmtes Altbekanntes vorgesetzt bekommt. Das liegt schließlich wieder darin begründet, dass sich Smith eben nicht die Mission auferlegt hat, innovativ zu Werke zu gehen, sondern eine rundum gelungene Horror-Komödie zu schaffen, die sich für kumpelhaft-ironische Seitenhiebe auf das Genre niemals zu schade ist. Und letzten Endes erweist sich „Severance“ dann auch als eine Art guter Kumpel, mit dem man gerne lachend, Arm in Arm und blutüberströmt über ausgetrampelte Waldpfade stapft, während er herrlich groteske Geschichten erzählt. 8/10

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