Severance ist wieder einmal ein klassisches Beispiel wie gut Slasher-/Splatterfilme seien können. Im Film Severance dreht sich alles um einen Betriebsausflug einer Waffenfirma in das östliche Europa um dort einen Kurs zur Verbesserung des Gruppenklimas durchzuführen. Das dieser dringend notwendig ist, sieht man sofort an der ersten Einstellung im Firmenbus, wo jeder das macht was er will, ohne den anderen zu respektieren. Als sie an dem "Hotel" für ihr Seminar ankommen, fällt sofort auf, dass dieses Haus nichts mit dem gemeinsam hat, wie das, was für sie gebucht wurde. Ohne weiter darüber nachzudenken, lassen sich die Personen im Haus nieder und warten ihre Zeit ab. Was sie nicht wissen, ist dass das Haus ein Unterschlupf von ehemaligen durchgeknallten russischen Soldaten ist, die ihr Zuhause mit allen Mitteln verteidigen. Eine ironische und blutige Jagd beginnt...
Die Schauspieler sind keine Neulinge, allerdings auch keine weltklasse Stars, die man aus den großen Hollywoodproduktionen kennen könnte. Das wohl bekannteste Gesicht ist das von Laura Harris, welche auch schon das Alien aus The Faculty verkörperte und einen Auftritt in der Serie 24 hatte. Sie erweist sich auch als der schauspielerische Höhepunkt, wobei man hier nicht auf eine oscarreife Darbietung setzen darf. In einem Horrorstreifen ist allerdings auf eine gute ängstliche Darstellung nicht zu verzichten, und diese schaffen fast alle Schauspieler rüberzubringen. Ebenfalls erwähnenswert ist Danny Dyer, welcher einen durchgängig zugedröhnten Mitarbeiter spielt. Er ist der Inbegriff für die ironische Seite des Films und hat daher die Lacher oft auf seiner Seite. Der Rest des Cast ist solide, aber keiner extra Belobigung wert.
Für einen angekündigten Splatterfilm ist der Film sehr geizig mit dem roten Saft, fast schon harmlos was Severance hier bietet. Vorallem bei dem Namen hatte ich mir eigentlich etwas ganz anderes unter dem Film vorgestellt. Immerhin schafft der Film mit den wenigen Splatterszenen doch einiges an Aufruhr zu erzeugen, und das wichtigste dabei, er nimmt sich keinesfalls zu ernst. Einige Szenen können zwar mit denen aus anderen, härteren Filmen mithalten aber der Splatteranteil mag manchen Fans dieses Genres etwas zu mickrig ausfallen, vorallem, da die Kills auch nicht sonderlich innovativ sind.
Was die fehlende Brutalität trotz alle dem vollkommen egal macht ist der wirklich wichtige Aspekt des Films. Ironie bis zum zerplatzen. Keine fünf Minuten kommt der Zuschauer ohne einen richtigen Lacher aus, wobei sich die Zeitspanne zum Ende hin noch stark staucht und den Film so noch besser machen. Wie sehr sich der Film auf die Schippe nimmt, wird vielleicht an der folgenden Szene klar. Im Bus sprechen zwei Mitarbeiter über die Sage, dass Johanna d'Orleans' Kopf nach ihrer Enthauptung noch weitere Minuten gelebt hat und ihren eigenen Tod mitbekommen habe. Kurz darauf erfährt einem der Mitarbeiter ein ähnliches Schicksal und in den letzten Sekunden seines Lebens fragt sich der Mann nur, warum sein Körper so komisch aussieht und verstirbt letztlich mit einem grinsen des Sieges (er war der Meinung, dass die Sage wahr war). Ziemlich jeder Tod wird in Severance durch eine sehr sarkastische Szene doch noch auf eine lustige Schiene gebracht. Das mag nicht jedem gefallen, aber mir hat das ziemlich imponiert.
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Regisseur. Im Grunde ist es erst Cristopher Smiths zweiter großer Film. Und was das erstaunlichste ist: Vor diesem wahrhaftigen Knüller lag ein Film, den ich am liebsten sofort vernichtet hätte als ich ihn gesehen habe, namentlich Creep mit Franka Potente. Wie sehr sich ein Regisseur doch um 180° drehen kann, in diesem Fall glücklicherweise in die richtige Richtung. Man sieht hier vielleicht auch, dass eine Prise Ironie diesem Genre sicherlich gut tut.
Severance ist zunächst nicht ganz das was es vorgibt zu sein. Als Splatterfilm enttäuscht der Film zunächst, aber dann beginnt die große Reise auf dem Zug der Ironie und dem Sarkasmus, welche den Film zu einem Pflichtprogramm für Zyniker und Horrorfans macht. Für mich ist der Film auf jeden Fall ein positive Erlebnis gewesen und ich hoffe, dass sich Smith weiterhin der etwas lustigeren Art des Horrors verschreibt.
FAZIT: 8/10