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Das Teamwork ist zu beschleifen - Also macht sich eine Gruppe von britischen Angestellen eines internationalen Rüstungskonzerns auf zu einem Workout-Ausflug in ein osteuropäisches Waldgebiet. Als diverse Wege blockiert und der Fahrer des Mitarbeiterbusses die Sippe im Stich lässt, müssen sie schon bald feststellen, dass die Unterkunft, in der sie eintreffen, ein ehemaliges Sanatorium für russische Gefangene war. Beim Austreten im Wald sieht man merkwürdige Gestalten mit Mützen und Koffern und auch in der Nacht wird man von Draußen beobachtet. Die Situation eskaliert, als einer der Mitarbeiter beim kollektiven Gotcha-Spiel in eine Bärenfalle tritt ...

Tatsächlich ist hier das blubbernde Gebräu aus slashendem Survival-Horror und Komödie auf LSD-Basis beachtlich gut gelungen. SEVERANCE nimmt Dimensionen an, denen man schon seit Längerem hinterhertrauert. Die ersten 35 Minuten setzen sich aus ominösen Wäldern, psychotischen Karikaturen und einer Art von satirischer Humoreske zusammen, bei der man meint, sie wäre das Relikt eines Troma-Knallers namens SCHREI LAUTER!!!, denn alles ist regelrecht überspitzt und grotesk dargestellt, wofür sich anfänglich hauptsächlich die im Leichtsinn konsumierten Pilze mit psychoaktivem Inhaltsstoff verantwortlich zeichnen. Als man den ungarischen Chauffeur des Mitarbeiterbusses tot in 'ner Gumpe findet, endet der halluzinogene Trip und es geht mit blanker Ernsthaftigkeit à la HOSTEL weiter.

"Antihuman-Vorrichtugnen, auf die Sie sich verlassen können!"

Die Kameraführung ist unzeremoniell, aber bodenständig. Abwechslungsreich ist hingegen der Score - Lustige Musik zu unmissverständlichen Dahinmeuchelungen - Und dann wird es wieder mal dramatisch ... Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein. Bei dieser Gelegenheit lässt sich Danny Dyer im Drogenrausch schonmal hervorheben. Auch die bebilderte Zwangsvorstellung, als man über die Blütezeit des Gebäudes spricht, lässt dezenten Trash durch die Nischen sickern - Zugleich bietet dieses obsessive Fabulieren eine offene Hommage an Nosferatu. Ebenfalls einen Blick wert: Der Fuß, der in den Kühlschrank wanderte ... Funsplatter wird hier zumeist groß geschrieben. SEVERANCE nimmt sich selber nur in wenigen Sequenzen ernst. Bestes Beispiel dafür ist Toby Stephen’s Kopf-ab-Szene im Wald. Tim McInnery wird beim Auftreten auf eine Mine zum Märtyrer und auch Andy Nyman überlebt den Fußverlust nicht. So bleiben nur noch eine Handvoll Charaktere übrig, die sich letztlich und nach viel Überwindung doch noch als Haudegen hinstellen.

Backwood, Magic Mushrooms, Bärenfallen, irre Visionen, knallharte Russen, Füße im Eisschrank und Humor, so schwarz wie karbonisierter Pflaumenkuchen. Hier macht man noch mit dem guten, alten Flammenwerfer Jagd auf Menschen. Messer finden ihren Weg in Darmausgänge, Enthauptungen, Stichverletzungen und Steine, in der Größe eines Basketballs, landen zuversichtlich auf blöd aus der Wäsche schauenden Häuptern. SEVERANCE ist sehenswert für all' jene, die dem Slasher-Movie von Heute keine Chance mehr geben. Das dt. Covermotiv ist hinreißend (10/10!!!). Dennoch sollte man diesbezüglich keine effekteberstende Rednecksplatterei erwarten, denn der Film ist bundesweit ungeschnitten in einer KJ-Fassung freigegeben worden und das nicht ohne Grund. Für mich dennoch unterhaltsames und gelockertes Terrortainment mit übellaunig-wütender Backwoodidylle, die so manch einen Splatterstreich vorzuweisen hat. SCHREI LAUTER!!! goes HOSTEL goes WILDERNESS ...

Survival-Horror on British Steel!

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