„Siehst du keine Horrorfilme? In gruseligen Bauernhöfen passiert immer etwas Schreckliches!“
Wie Recht der zitierte Typ hat und trotzdem geht er freiwillig in die Höhle des Löwen, um kurz darauf Opfer eines entstellten Killers zu werden.
Und um den Satz, der wahrscheinlich in jeder Kritik über diesen Film fallen wird, ebenfalls zu bringen: Ja, es ist ein recht einfallsloser Abklatsch vom „Texas Chainsaw Massacre“. Mir persönlich hat er jedoch gefallen.
Da er ohne Umschweife auf den Punkt kommt und sogleich mit der Fahrt von sechs jungen Menschen im Geländewagen einsteigt, relativ schnell der graue Truck des Mordlustigen auftaucht und kurz darauf das erste Opfer zu beklagen ist (allerdings aufgrund eines Missgeschicks des unsympathischen Fahrers).
Weil das Auto fritten ist, will man sich Hilfe holen, eine verstörte Flüchtige ohne Zunge (die findet sich später) stößt auch hinzu und schon ist man auf der Ranch des Fiesemöppels.
Es folgt die übliche Mischung aus Flucht, Verstecken, Erkunden, Verbarrikadieren, Morden und finaler Auseinandersetzung zwischen Badguy und der Person, die man relativ schnell als potentielle Überlebende ausmachen kann.
Schon allein deshalb, weil die üblichen Figuren überhaupt keine Charakterzeichnung aufweisen, nur die Heldin gibt sich von Beginn an tough. Wechselt anstatt eines Typen innerhalb kürzester Zeit einen Reifen, weiß so halbwegs, wie man Kabel im Stromkasten richtig zusammenschließt und ist grundsätzlich die Erste, wenn es gilt, einen düsteren Weg zu erkunden. Demgegenüber flennt sie gegen Ende ein bisschen zu sehr, ist aber auch ein hartes Schicksal, das sie und ihre Freunde trifft.
Da will man nach Vegas, um Spaß zu haben und letztlich landet man in der Walachei, in der es außer dem irren Ömmel überhaupt keine Anwohner gibt. Und wenn später ein Sheriff hinzukommt, weiß man als Genrefreund auch, dass der nicht plötzlich zum Helden mutiert.
Die Story bietet alles, nur keine Originalität. Kennt man einen dieser ähnlich gelagerten Beiträge, kann man sich den kompletten Verlauf ausmalen, auch wenn es noch zwei kleine Plot Twists gibt, die im Lauf der Zeit jedoch erahnbar sind. Dazu häufen sich unlogische Beweggründe der potentiellen Opfer. Da flieht man nicht einfach, wenn man einem Killer gegenübersteht, nein, wenn dieser vor Sekunden ein Loch in die Wand gehackt hat und es für einen Moment still wird, sieht man natürlich sogleich hindurch. Einige Leute setzen hier Prioritäten, die den Zuschauer zum Haare raufen animieren. Gleiches gilt für den Showdown, denn glaubt mal nicht, dass der böse Wicht beim ersten Mal direkt tot liegen bleibt, weil man eben lieber wegrennt, anstatt auf Nummer sicher zu gehen.
Jedoch geht es fast durchweg temporeich zur Sache und es finden sich genügend spannende Szenen, um nicht das Interesse am Geschehen zu verlieren. Die Umsetzung ist straight und es lassen sich kaum handwerkliche Defizite ausmachen, lediglich die Ausleuchtung einiger Sets ist etwas mickrig ausgefallen. Diese können wiederum überzeugen, die Ausstattung der Leichenranch ist solide, mit vielen Körperteilen und Innereien in Gefäßen, einem extra Folterraum mit Fesselbett und einer Küche, in der sich das Geschirr stapelt und die Fliegen vermehren.
Natürlich schlägt der Verbrecher auch mal tödlich zu, obgleich dieser nicht allzu angsteinflössend rüberkommt. Normale Statur, leicht hinkend und mit entstelltem Gesicht (sieht nach einer Verbrennung aus, darüber erfährt man nichts). Sprechen will er erst nach einer Stunde Laufzeit, was ihm jedoch ein wenig seiner bis dato mysteriösen Erscheinung raubt. Die Morde sind weder sonderlich einfallsreich, noch explizit brutal ausgefallen: Mistgabel, die unvermeidliche Motorsäge, Ertränken in einer Wanne und Erhängen mit Drahtseil sind nicht allzu blutig in Szene gesetzt. Darüber hinaus gibt es noch den Einsatz einer Tierfalle und den Schuss eines Großkalibergewehres, da geht man mit der Kamera auch mal ein wenig näher heran.
Von den Darstellern überzeugt eigentlich niemand so richtig, weshalb sich auch kaum eine Motivation zum Mitfiebern anbietet. Allerdings nervt auch keiner, halt gesichtsloses Kanonenfutter und für diesen Zweck brauchbar.
Bleibt als Fazit nicht viel mehr zu sagen. Gewiss werden einige diesen Streifen als unnötig und lieblos herunter gekurbelt betrachten. Zugegeben, Innovation sieht anders aus, doch zuweilen reicht ein flott inszenierter Aufguss eines bekanntes Schemas aus, um für einige Zeit flockig unterhalten zu werden. Romms bomms zur Sache, kaum Pausen, wunderbar. Mehr sollte man allerdings auch nicht erwarten.
6 von 10