Review

Bei einem Gruselthriller mit so aussagekräftigem Titel machen wir doch butz mal eine Checkliste, ob gängige und zu erwartende Zutaten vorhanden sind:
Hauptschauplatz Gruselhaus, Nebenschauplatz Sumpfgelände – jau
Ein Geisterkind im weißen Nachthemd erscheint regelmäßig – yep
Schatten huschen an der Wand vorbei – kommt vor
Die Hauptfigur erlitt während der Kindheit ein Trauma? – klar
Wenn es um ein Geheimnis in der Vergangenheit geht, wird dieses nach und nach durch Rückblenden visualisiert – jawohl
Es gibt keine visuellen Höhepunkte, oder Szenen, die lange im Gedächtnis bleiben – stimmt leider auch.

Denn typischer konnte dieser altbackene Gruselstreifen kaum ausfallen, leider typisch im Sinne von überraschungsarm, ja, wenn nicht sogar reichlich dröge.
Inhaltlich beschränkt es sich darauf, dass Kinderbuchautorin Claire (Gabrielle Anwar) unter Alpträumen leidet, eine Ruhepause anstrebt, im Internet auf das Haus ihrer Alpträume stößt, sich bald in diesem niederlässt und recht früh von Geistererscheinungen geplagt wird. Mit Hilfe des ortsansässigen Hunt (Forest Whitaker), einem Fachmann fürs Paranormale, will sie dem Spuk ein Ende bereiten und stößt dabei auf eine vertuschte Familientragödie.

Leider sind die knapp 90 Minuten einfach nur dahingerotzt worden. Die Kamera fällt überhaupt nicht auf, der Score auf nicht, die Soundeffekte sind noch aus der Restekiste vom letzten „Haunted House“ und die Schockeffekte kommen selten und mit deutlicher Vorankündigung.
Im Nachhinein bleiben lediglich zwei Sequenzen positiv in Erinnerung:
Zum einen die atmosphärische Einstiegsszene, mit Claires Alptraum, in der sie im Flatterhemd eine von Laub bedeckte Treppe hinab hetzt, an einer Vogelscheuche vorbei ins Sumpfgebiet läuft, von einem Typen erschreckt und anschließend in den Sumpf gezogen wird.
In einer anderen, etwas stärkeren Szene sieht man das blondgelockte Geisterkind, wie es auf einem Dachbalken Schritt für Schritt nach vorne stampft, weil darunter scharfe und spritze Gegenstände recht unsicher an Haken baumeln, während ein potentielles Opfer auf dem Boden liegt.
Das Potential für Nervenkitzel ist also durchaus gegeben, nur die Umsetzung, vor allem storytechnisch, bietet keinerlei Höhepunkte und macht daraus eine reichlich uninspirierte Sache.

Mit Hauptfigur Claire bin ich auch überhaupt nicht warm geworden, da man einerseits wenig über die Kinderbuchautorin erfährt und es Gabrielle Anwar andererseits nicht gelingt, ihrer Figur durch besondere Mimik, Gestik oder Körperhaltung eine Präsenz zu verleihen. Sie ist halt da, es könnte aber auch jede andere Frau im mittdreißiger Alter sein.
Kaum besser ergeht es Forest Whitaker, der sein Talent total vergeudet, komplett unterfordert agiert und sich vom Script auch noch seine markanten Augen von einer stark auffälligen Hornbrille verdecken lassen muss. Seine Figur ist auch eher Lückenfüller, damit die Hauptfigur nicht komplett allein dasteht.

Und so trifft man im Verlauf einen zwiespältigen Kleinladenbesitzer, einen ebenso dubiosen Redakteur der Lokalzeitung, stempelt die Tür mit Innenglas, in der eine Rose abgebildet ist, als Pforte/Mauer für Geister ab, bis wieder sämtliche Lampen flackern und man das Schlussdrittel ein wenig mit Hatz ins Sumpfgebiet verlagert und nebenher auch noch das Geheimnis des Geisterkindes, sowie des pupillenlosen Mannes klärt, der stets in dessen Nähe ist.
Der daraus entstehende Plot Twist ist insgesamt weit im Vorfeld erahnbar und beinhaltet lediglich eine minimale Überraschung, - auch wenn der böse Geist zum Showdown mit stürmischer Energie allerlei Requisiten im Haus durch die Gegend wirbelt, - von der allgemeinen Ideenflaute kann man dadurch kaum noch ablenken.

Am Ende stehen auf der Habenseite lediglich die erwähnten zwei Szenen und das gut getimte Einbinden sämtlicher Rückblenden ins gegenwärtige Geschehen.
Doch unterm Strich gruselt man sich mit zu oft im Bild befindlichen Geisterkindern ebenso wenig, wie man sich vom Vorfall, der eben jene Geistererscheinungen zutage fördert, noch überraschen lassen kann. Alles bereits zu häufig verwurstet und hier noch nicht einmal mit notwendigen Innovationen versehen, mal abgesehen von der unüberbrückbaren Distanz zu sämtlichen Figuren.
Lieblos und reichlich austauschbar,
4 von 10

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