Das junge Paar Clémentine (Olivia Bonamy) und Lucas (Michaël Cohen) ist erst vor kurzem von Frankreich nach Rumänien gezogen, wo sie das Glück hatten, eine alte Villa in der Nähe von Bukarest beziehen zu können. Das große Gebäude liegt eher abgeschieden, was den Beiden jedoch gerade recht kommt, da der Schriftsteller Lucas auf diese Weise um so besser seiner Berufung nachkommen kann. Für den nötigen Verdienst sorgt allerdings Clémentine durch ihren Job als Französischlehrerin, der letzten Endes auch der ausschlaggebende Grund für den gemeinsamen Umzug der Beiden war, da ihr an einer rumänischen Schule eine lukrative Stelle angeboten wurde.
Eines Abends kommt Clémentine von einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und möchte den Abend nur noch entspannt mit ihrem Freund vor dem Fernseher ausklingen lassen. Plötzlich geschieht jedoch Merkwürdiges: In und um die Villa herum sind seltsame Geräusche zu hören, die auf einen Einbrecher schließen lassen. Als dann plötzlich zu allem Übel noch der Strom ausfällt, scheint sich die Befürchtung zu bestätigen. Mehrere vermummte Leute schaffen sich gewaltsam Eintritt in das Haus, verletzen Lucas dabei am Bein und eröffnen ohne ersichtlichen Grund die Jagd auf ihn und Clémentine, die sich jedoch fürs Erste vor den Eindringlingen verstecken können. Es kommt zum mörderischen Katz- und Mausspiel in den eigenen vier Wänden...
Die Franzosen mausern sich wirklich immer mehr zu einer unübersehbaren Instanz im Horrorbereich. Nachdem bereits Alexandre Aja's Schocker "High Tension" schnell den Status eines Geheimtipps hinter sich ließ und mittlerweile in keinem DVD Regal eines Horrorfilmfans mehr fehlen darf, steht nun mit "Them" ein weiterer nennenswerter Genrefilm in den Startlöchern, der insbesondere zum jetzigen Zeitpunkt wie gerufen kommt. Während in den USA immer noch um den unbestrittenen Thron des härtesten Terrorfilms gestritten wird, machen es David Moreau und Xavier Palud, die gemeinsam Regie führten und das Drehbuch zu "Them" schrieben, ganz anders. "Wozu brauchen wir harte Effekte, wenn ein guter Horrorfilm auch von seiner Handlung vorangetrieben werden kann", mussten sich die beiden wohl gefragt haben, denn der Streifen pfeift auf all das, womit der Genremarkt in der letzten Zeit förmlich überschwemmt wird. "Them" holt den Horror in die Realität zurück und nicht selten hat man den Verdacht, dass die Herren Palud und Moreau große Fans des mittlerweile 10 Jahre alten, österreichischen Thrillers "Funny Games" sein mussten, denn gerade an diesen erinnert "Them" in seinen besten Momenten merklich, ohne dabei aber wie eine abgedroschene Kopie zu erscheinen. Für die beiden jungen Männer war der Streifen die erste, nennenswerte Regiearbeit und schon jetzt, ein Jahr später, befinden sie sich in der Vorproduktion zum Remake des Asia-Horrorfilms "The Eye", in dem voraussichtlich Jessica Alba die Hauptrolle spielen wird. Ja, so schnell kann das gehen.
Was ein Werk wie "Them" von vielen anderen Horrorfilmen unterscheidet, ist die schlichte Tatsache, dass er sich bestens im Kopf des Zuschauers abzuspielen versteht. Während man so seine Probleme damit haben kann, sich in einen Streifen hineinzudenken, in dem Zombies oder Mutanten Jagd auf dämliche Teenager machen, ist in diesem Fall ein direkter Bezug zur Realität eher gegeben. Filme wie "Them" machen es einem schwer, sich dem Geschehen direkt zu entziehen, da man in jedem Moment auch daran erinnert wird, dass man selbst in eine ähnliche Situation geraten kann. Wenn ein Regisseur diese Erkenntnis vermittelt, gelingt seinem Film so das Kunststück, bei einem aufgeschlossenen Zuschauer weit mehr Eindruck zu hinterlassen, als es irgend ein "Night of the Living Dead" oder "Hellraiser", um zwei absolut beliebige Beispiele zu nennen, jemals erreichen könnte. Der Plot von "Them" könnte nicht simpler sein: Ein junges und glückliches Paar wird des Nachts überfallen und muss um sein Leben kämpfen. Das ist alles, dennoch funktioniert es verdammt gut.
Man muss sich darauf einstellen, dass es kein Horrorfilm im eigentlichen Sinn ist, den man sich hier ansehen wird. "Them" benötigt keine simplen Schockeffekte, um zu funktionieren und versucht sich auch nicht durch Splatter aus der Affäre zu ziehen, er lebt alleine von seinem gnadenlosen Bezug zur Realität und dieser trifft einen schon mehr in der Magengrube, als es irgend einer Ekelszene möglich wäre. Zuschauern, die sich zu schnell in eine Handlung hineinversetzen werden nach "Them" wohl die eine oder andere schlaflose Nacht durchleben. In den nur 73 Minuten Laufzeit wird die Spannung konstant aufrecht erhalten, Moreau und Palud erlaubten sich keinerlei Patzer und servieren eine nervenaufreibende Hetzjagd, die es in sich hat. Wer nur auf Splatter aus ist, der ist hier im falschen Film und sollte zu anspruchsloseren Filmen greifen.
Schon der Anfang liefert eine klasse Überleitung zum späteren Verlauf, auch wenn er mit diesem nicht direkt verknüpft ist. Eine Mutter und ihre rebellische Tochter fahren in einer stockfinsteren Nacht über eine wenig beleuchtete Waldstraße, kommen durch einen Streit von der Straße ab und fahren gegen eine Laterne. Nachdem die Mutter aussteigt, um nach dem Rechten zu sehen, verschwindet sie plötzlich in der Dunkelheit der Nacht und antwortet nicht auf die ängstlichen Rufe ihrer Tochter. Diese fürchtet sich im Auto fast zu Tode, wohl wissend, dass außerhalb etwas auf sie lauert. Auch, wenn man meint, derartige Szenen schon bis zum Erbrechen gesehen zu haben, ist es dennoch erstaunlich, wie schnell einen die Intensität von "Them" gefangen nimmt und wie schnell man sich selbst in der Handlung wiederfindet.
Sicherlich kann man dem Film in gewisser Weise Einfallslosigkeit vorwerfen, denn bis auf die Hetzjagd auf ein junges Paar hat er nichts zu bieten. Der Eindruck, den "Them" auf einen hinterlässt, hängt jedoch auch damit zusammen, in welchem Umfeld man ihn sich ansieht. In totaler Dunkelheit und alleine wird er eine ganz andere Wirkung entfalten, wie wenn man ihn sich bei Tageslicht nebenbei zu Gemüte führt, dessen sollte man sich bewusst sein. Der Horror entsteht hier weitgehend im Kopf, wird durch alarmierende Geräusche, ruckartige Bewegungen und schemenhafte Umrisse in der Dunkelheit ausgelöst. Sehr intensiv gestaltet sich auch die finale Auflösung, mit der ich in dieser Form nicht gerechnet hätte. Wenn man nach diesem Twist anschließend noch einmal über das Geschehen nachdenkt, wirkt es nur um so bedrohlicher, ohne dabei auch nur ein Minimum seines Realitätsgrades einbüßen zu müssen. Während viele ihre Probleme mit dem Plot-Twist bei "High Tension" hatten, dürfte hier niemand einen Grund zur Klage haben, die Überraschung wertet den Streifen sogar noch auf. Erfreulich auch die Leistungen der der beiden Schauspieler Olivia Bonamy und Michaël Cohen, die ihre Figuren genau richtig spielen. Sie wirken nicht zu aufgesetzt symphatisch, sondern einfach typisch "normal" und dadurch um so glaubwürdiger.
"Them" will garnicht mehr sein als ein kurzweiliger, spannender Thriller und als solcher funktioniert er auch hervorragend. Wer stets nur auf die nächste Splatterszene wartet, wird hier nicht bedient werden, der Film lebt von seinem bedrückenden Realitätsgehalt, der einen in jedem Moment daran erinnert, dass man sich auch selbst einmal in einer ähnlichen Situation wiederfinden könnte. Dadurch entsteht sehr schnell eine Identifikation mit den beiden Hauptcharakteren, die das Geschehen nur um so spannender und intensiver werden lässt. "Them" bietet 73 Minuten Nervenkitzel mit einer gehörigen Portion Realismus, nicht mehr und nicht weniger. Man wird sich vielleicht nicht lang an den Streifen erinnern, dafür schafft er es aber wie nur wenige andere Filme, einen voll in das Geschehen zu involvieren und dadurch zu fesseln und damit ist den Regisseuren David Moreau und Xavier Palud schon ein beachtliches Kunststück gelungen.