Alfonse: "What the fuck happened to his fucking face? Oh shit!"
Steve: "His face is gone, dude."
Alfonse: "Where is his fucking face?"
Steve: "It's El Mascarado, dude. He took his face off."
Alfonse: "What?"
Steve: "That's what Mexican Wrestlers do when they win a fight. They rip their opponent's mask off. It's the ultimate humiliation."
Um bei den Olympischen Spielen 1984 gegen die übermächtige Konkurrenz eine Chance zu haben, griffen die Mexikaner einst tief in die Kiste mit den schmutzigen Tricks. Ganz unten, am schleimigen Boden, wühlten sie herum, jede Spur von Fairness, Würde, Ehre und Menschlichkeit bei der blindwütigen Gier nach Gold mit Verachtung strafend. Und so erschien aus dem Nichts El Mascarado (Rey Misterio Sr.) auf der Bildfläche, ein Ungetüm von Wrestler, scheinbar unbesiegbar. Es entstand das Gerücht, daß er von genialen Wissenschaftlern im Labor geschaffen wurde, zusammengesetzt aus Teilen der drei besten Ringer des Landes, die spurlos verschwunden waren. Doch dann geschah das Unvermeidliche. El Mascarados Gehirn hielt dem Ganzen nicht stand und verfiel dem Wahnsinn. Die maskierte Kreatur rastete im Ring völlig aus, tötete all ihre Gegner und ließ sich nicht mehr bändigen. Um die Schmach möglichst effizient unter den Teppich zu kehren, zog man El Mascarado aus dem Verkehr und verfrachtete ihn in ein Wüstenkaff "in the middle of no-fucking-where", das alsbald entvölkert war und sich in die Geisterstadt La Sangre de Dios verwandelte. So geht die Legende.
Wie es der Zufall so will, macht der Van einer Gruppe junger Leute just einen Steinwurf von La Sangre de Dios entfernt schlapp. Die sechs Männer und Frauen - Alfonse (Adam Huss), Steve (Jeremy Radin), Jimbo (Zack Bennett), Dallas (Leyla Milani), Debbie (Margaret Scarborough) und Daisy (Catherine Wreford) - waren auf dem Weg nach Mexiko und haben sich natürlich verfahren. Also machen sie das Beste aus der Situation und entscheiden sich dafür, ihren geplanten Amateurporno gleich hier in der Geisterstadt zu drehen. Das freut den dort immer noch hausenden El Mascarado natürlich sehr. Endlich gibt es wieder Frischfleisch, das er auseinandernehmen kann. Die Idee ist simpel und gut, die Ausführung im Rahmen der Möglichkeiten durchaus achtbar. Anstelle eines tumben Schlächters (Jason Voorhees), des personifizierten Bösen (Michael Myers) oder eines sprücheklopfenden Sadisten (Freddy Krueger) haben wir es hier mit einem durchgeknallten Super-Wrestler zu tun, der sich durch die Cast metzelt und die Masken seiner Opfer wie Trophäen sammelt. Und wenn keine Maske vorhanden ist, schält er dem Besiegten eben das Gesicht vom Schädel.
Jesse Bagets großes Vorbild für sein in Kalifornien gedrehtes B-Movie war allerdings weder Friday the 13th (1980) noch Halloween (1978) und schon gar nicht A Nightmare on Elm Street (1984), sondern ganz offensichtlich Tobe Hoopers Kultklassiker The Texas Chain Saw Massacre (Blutgericht in Texas, 1974). Die Parallelen beginnen schon beim Arbeitstitel (The Mexican Porn Massacre), reichen über die Figuren (insbesondere dem nervigen Nerd und dem kreischenden Final Girl) und dem creepy Tankstellenbesitzer (gespielt von Irwin Keyes, bekannt aus Filmen wie The Warriors, The Exterminator, Oblivion und House of 1000 Corpses), und enden ganz bestimmt nicht beim stummen, bulligen und bedrohlichen Killer, der es wie Leatherface auf die Gesichter seiner Opfer abgesehen hat, wenngleich aus anderweitigen Gründen. Ist die erste Hälfte des niedrig budgetierten Indie-Streifens noch recht locker, in einigen Momenten sogar beinahe parodistisch angelegt, so ist ab etwa der Mitte Schluß mit lustig, wenn El Mascarado der Gruppe demonstriert, was er so alles draufhat. Da werden Körper mit Händen und Füßen bearbeitet, Rücken gebrochen und Gesichter radikal entfernt.
Die Handvoll Gore-Effekte sind billig, handgemacht und nicht gänzlich überzeugend, aber sie hinterlassen ob ihrer rohen Brutalität durchaus Eindruck, insbesondere in Kombination mit der unerbittlichen Stimmung und dem unguten Gefühl der Abgeschiedenheit bzw. Ausweglosigkeit. Der Schauplatz des Filmes, das verlassene Wüstennest, ist natürlich Gold wert und wird auch gut genutzt. Die alten, halb verfallenen Gemäuer mit ihren verbarrikadierten Fenstern, die dunklen, engen Gassen, durch die der Wind das Lied des Wrestlemaniacs pfeift, das hat schon was Unheimliches an sich, unterstützt natürlich von der kargen Umgebung... außer Sand, Steinen und Kakteen gibt es da nicht viel. Sehr nett ist außerdem, daß sich der irre Killer an die Regeln des Lucha Libre hält, und der Vorspann im stimmigen Vintage-Look nebst coolem Mariachi-Song gefällt ebenfalls (der Soundtrack ist generell gut). El Mascarado Massacre ist eine kleine, dreckige, rotzige, dümmliche und trashig angehauchte Texas Chain Saw Massacre-Variante, welche nur eines im Sinn hat, nämlich den Schundfilmfans launige Kurzweil zu bescheren. Und in meinem Fall hat dies der Streifen auch problemlos geschafft.