Der erste Beitrag der neu gegründeten RAW FEED Schmiede ist auch gleichzeitig das Spielfilmdebüt von John Shiban, der aber als Autor und Produzent von „X-Files“, „Frankenstein“ oder aktuell „Supernatural“ schon als alter Hase im übersinnlichen Genre bezeichnet werden kann. 2 weitere Filme sind bereits abgedreht und bei jedem führt einer der Gründer von RAW FEED Regie. Das sind neben Shiban dann Daniel Myrick („Blair Witch Project“) und Tony Krantz („Mulholland Drive“), die es geschafft haben mit WARNER einen exklusiven Deal abzuschließen und so gleichzeitig den Startschuss geben für eine Reihe weiterer DTV Produktion von WARNER(hier kann man nur hoffen dass diese besser ausfallen als die vom Konkurrenten SONY).
„Rest Stop“ ist aber nicht der erhoffte Schocker für den er im Vorfeld bereits beworben wurde. Auch wenn der Streifen teilweise Spannend und in den (wenigen) Gewaltszenen intensiv ist, offenbart er erhebliche schwächen bei der Regie und der Story. Zu viele Logikfehler dämpfen den unterhaltungswert erheblich. Hier muss ich jetzt eine SPOILER WARNUNG setzen. Ich will zwar extra nicht viel verraten, aber trotzdem.
Shibans Idee dem der ganzen Story eine übersinnliche Note zu verpassen scheitert leider an der fehlenden Erklärung. Klar muss nicht alles aufs kleinste auseinander genommen werden, aber wenn man den Sinn des ganzen erst durch das dürftige Bonusmaterial der DVD erfährt, ist bei mir der Spaß bereits flöten gegangen. Die Erscheinungen der im Klo eingesperrten Frau, der degenerierten Familie( bei dem die Protagonisten Nicole (gespielt von der Newcomerin Jamie Alexander) mitgenommen wird um kurz darauf wieder von ihnen am gleichen Rastplatz abgesetzt zu werden!!) oder des Sheriffs soll natürlich die verlorenen Seelen zeigen, entzieht der Geschichte aber jede Logik. Zwar ist es schön, das man nicht nur einen reinen Slasher zeigen will, aber solche kruden Ideen haben auch Filme wie „High Tension“ den Boden unter den Füßen weggezogen. Auch einige Handlungen der Frau (warum läuft sie nicht einfach weiter da der nächste Platz nur 60 Meilen entfernt ist und um Hilfe zu holen würde ich mich schon auf die Socken machen, da man ja immer mit einem vorbeifahrenden Auto rechnen kann), wie bei einer Flucht vor dem Verfolgerauto sie erst im Wald unterwegs ist, aber als der Wagen kommt läuft sie direkt auf die Straße, oder warum versucht sie den Killer durch eine Tür zu erschießen wenn sie nur hätte warten können bis er durch die Tür kommt, ärgern dann doch. Einige dieser Sachen werden zwar durch die übersinnliche Note wieder ad absurdum geführt, aber gerade das ist dann ein großes Problem für die Spannung. Es gibt noch weitere Szenen, aber mehr will ich eigentlich nicht schreiben
Durch die ziemlich unsympathische Zeichnung der Hauptfigur, die den Film ja fast alleine tragen muss, fieberte zumindest ich nicht wirklich mit. Man erfährt nur wenige uninteressante Hintergründe und mir war es letztendlich egal ob sie am Ende stirbt oder nicht. Zwar spielt Jamie Alexander nicht schlecht, aber der Funke wollte nicht überspringen. Da gibt es ganz andere Beispiele im Horrorgenre. Auch das Tempo wird, trotz der ansehnlichen Laufzeit, nicht immer hoch gehalten. Immer wieder gibt es Pausen die den Ablauf ins stocken bringen. Und auch die recht rohen Gewaltszenen, die aber selten und nur kurz eingesetzt werden, treiben den Unterhaltungswert nicht nach oben. Manches wirkt sogar zu sehr aufgesetzt. Dafür ist erwartungsgemäß an der technischen Seite nichts zu bemängeln. Kameraarbeit, Musik und Optik stimmen.
Fazit:
Der Film wäre besser gewesen wenn er einfach nur ein straighter Backwood/Slasher gewesen wäre. John Shibans krude Umsetzung der Geschichte wäre bei Serien wie „X-Files“ oder „Supernatural“ besser aufgehoben. Es werden zwar immer wieder kleine Hinweise (auch im Abspann noch) geboten, aber da muss man schon das Bonusmaterial schauen oder im Internet nachlesen, wie was gemeint ist. Trotzdem ist der Streifen kein Ausfall. Für eine DTV Produktion ist das gezeigte auf gutem Niveau, teilweise sehr spannend und intensiv. Nur wird das nicht konsequent durchgehalten, was für mich hauptsächlich an der Hauptperson lag. Für Horrorfreunde sicherlich ein Blick wert.
P.S.
Ein Witz sind übrigens die auf der DVD Hülle angekündigten schockierenden alternativen Enden. So was Blödes hab ich selten gesehen…