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Warner hat mit Raw Feed eine neue Produktionsabteilung ins Leben gerufen, die sich zukünftig mit Horror, Sci-Fi und Thriller beschäftigen wird - gleich direct to video übrigens.

Der erste Streifen ist nun gekürzt auch hierzulande in den Videotheken erschienen und wirkt auf den ersten Blick ganz brauchbar.

Nicole und ihr Freund türmen aus den spießigen Elterhäusern und suchen ihr Glück in der Ferne. Sehr weit kommen die beiden nicht. Während eines Zwischenstopps auf einem abgelegenen Rastplatz verschwindet Nicoles Stecher. Sie selbst wird fortan von einem unheimlichen Truckfahrer verfolgt und bedroht ...

Regisseur John Shiban (Autor und Produzent von "Akte X") fühlt sich in diesem Film wie daheim. Er verzichtet komplett auf eigene Ideen und versucht sich an einer weiteren Version von "Hostel" vs. "Saw" vs. "TCM". Das klappt leider nur in Ansätzen.
Shiban gelingt es zwar, in den ersten 45 Minuten für Spannung zu sorgen, doch begeht er dann einen entscheidenden Fehler. Ich sagte ja bereits, dass sich der Mann wie daheim fühlt - und da liegt der Hund begraben. Von einem Moment auf den nächsten wechselt der Film ins Übernatürliche. Und das ist jetzt weder eine neue Idee, noch ein knackiger Plottwist. Das ist lediglich die pure Ratlosigkeit. Weg sind mit einem Male Spannung, Atmosphäre und das letzte bisschen Logik! Wobei es um die Logik schon bis zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt gut bestellt ist.
Stellt euch das nur einmal vor: Ihr haltet auf einem Rastplatz. Weit und breit keine Sau zu sehen. Wer von euch würde da wohl auf das abgelegenste Scheißhaus gehen, das mir je unter die Augen gekommen ist? Gut 200 Meter zu Fuß vom Parkplatz aus und dann noch versifft bis unter die Decke? Wahrscheinlich keiner. Doch Nicole geht gleich ein paar Mal strullern, ohne sich Herpes oder Blasen an den Füßen zu holen bzw. sich einfach zu fragen, ob nicht ein Pipi an frischer Luft von vornherein gesünder und weniger zeitfressend wäre. Sie sorgt sich halt um die kleine Blindschleiche, die ihr beim Geschäft in freier Natur zuschauen oder sogar davon nass werden könnte. Meine Fresse!

Naja. Dann kommt halt das Übersinnliche dazu. Nicole redet mit Leuten, die dann nicht mehr da sind. Sie erschießt Leute, die dann ebenso plötzlich verschwinden. Über das blöde Ende möchte ich eigentlich den Mantel des Schweigens hüllen. Wer das verstanden hat - Hut ab! John Shiban erklärt nämlich absolut nichts - "Akte X" lässt grüßen. Er verrät uns nicht die Identität des Killers oder überhaupt den ganzen Sinn der Geschichte, die er uns 80 Minuten um die Ohren haut. Dafür legt man dem Fan auf DVD drei alternative Enden bei, die fast noch dämlicher sind als das Ende im Film. Da konnte man sich bis kurz vor Veröffentlichung wohl nicht so recht entscheiden. Das verstehe ich natürlich, weil keines der Enden irgendwie einen Sinn ergibt.

Fazit:
Anfängliche Spannung weicht notorischem Kopfschütteln und Achselzucken.
Hätte Shiban die Gradlinigkeit der ersten 45 Minuten beibehalten und auf Torture gesetzt, wäre "Rest Stop" sicher nicht schlechter als die allseits bekannte Kinoverwandtschaft. So läuft sich der billige Streifen nach knapp einer Stunde tot. 3/10 Punkten.

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