"Warner haut jetzt kleine, dreckige Horrorfilmchen Unrated auf DVD raus und hat dazu eigens die Produktionsschmiede RAW FEED aus der Taufe gehoben? Hört sich doch seeehr nett an." waren meine Gedanken als ich mir das Doppel-Pack aus Rest Stop und Sublime reingezogen habe.
Warum musste ich nur mit Rest Stop anfangen?
"Wenn man von zu Hause wegläuft ruft man seine Eltern nicht an um zu sagen, dass es einem gut geht!"
Haken wir die Story mal schnell ab: Jugendliches Päärchen haut ab, sie sind die "Liebe ihres Lebens", auch wenn sie sich die ganze Zeit eigentlich nur streiten oder gegenseitig nerven, aber hauptsache das Rumbumsen klappt. Madel wird an verlassen Raststelle abgeladen, weil sie ja unbedingt ein Dach über dem Kopf beim Pinkel braucht, sie kommt raus, der Typ ist weg, Killer mit Truck. Den Rest könnt ihr euch denken. Eine geisterhafte Erscheinung und einen dummen Polizisten später ist der Film dann auch aus.
Was? Geisterhafte Erscheinung. Oh ja. Denn entweder aus den riesigen Löchern in der Handlung resultierend oder einfach nur um üble Continiuty-Fehler im Film zu überstreichen bekam Rest Stop noch einen "übernatürlichen Unterbau" verpasst, der den geneigten Fan dann auch noch rätseln lässt, was überhaupt real war und was nicht. Frei nach der Marke: "Ich sehe tote Menschen die tote Menschen töten!", oder so.
Da wir es in dem ganzen Streifen auch nur mit sehr wenigen Darstellern zu tun haben ist die große Frage natürlich: Spielen sie gut? Und gehen sie dem Zuschauer nicht auf die Nerven?
"Du musst mich erschießen!" -Blam. "Nochmal, du hast nicht getroffen!"
Leider kann man beide Fragen mit einem riesen großen NEIN beantworten. Kein Wunder das die Hauptfigur Nicole kaum das Ende dieses Horrortrips lebend erreicht, ihre Aktionen zeugen von solch einer Lebensunfähigkeit, die gute Frau würde im normalen Verkehr wahrscheinlich auch keine fünf Minuten überleben. Ob es jetzt darum geht was man tut wenn man mutterseelen Alleine in der Pampa festsitzt, als auch die Tatsache, dass ihr erst ein Finger abgebissen werden und sie einen Mann zwangweise erschießen muss, bis sie die Stärke hat, am Ende des Films eine, uiui, Brechstange in die Hand zu nehmen um sich selbst vor einem Killer zu verteidigen.
Als nächstes die Rolle des Polizisten, eine Mischung und extremer Dummheit und Unfähigkeit der gleichzeitig von Anfang an eigentlich dank einer "Überfahrung" nur dumm im Klo der Raststätte rumliegt und vor sich hin lamentiert.
Statt aber irgendwie an die Nieren zu gehen wirkt das Ganze höchst nervig, besonders wenn "Dies sind meine letzten Worte... *hust-hust*" eigentlich seine ersten Worte sind und er nur irgend einen pseudo-philosophischen Müll labert.
Klar, vielleicht hätten einige Elemente wie die aufgesetzt wirkenden Dialoge und das fast schon symbolische Verhalten in Verbindung mit einer ausgefeilteren "übernatürlichen" Story funktioniert, aber so bleiben die Taten schlicht im Raum stehen und sorgen so nicht nur für Verwirrung, sondern richtigen Ärger ob der dargestellten Blödheiten. (Ganz abgesehen davon, dass der Versuch eines Saw-Feelings in einigen Szenen des Films genauso aufdringlich wie unnötig ist. Und noch dazu ganz frech-schlecht kopiert.)
"Als er mir das alles angetan hat habe ich nur überlebt, weil ich mir immer wieder eine Frage gestellt habe: Wie kann ein Mensch so etwas machen? Und dann habe ich es begriffen: Er ist kein Mensch!"
Dieser bedeutungsschwangere Monolog wird dann von dem mysteriös auftauchenden und wieder verschwindenen Opfer des Killers geliefert. Was es nachher mit dem Typ und seinem Auto auf sich hatte, ob das alles eine bizarr-unverständliche Verwurstung von Jakob's Ladder war oder ob halt "Tote Menschen tote Menschen töten" bleibt komplett unklar.
Aber da gibt es ja immer noch ein Zauberwort mit dem man noch Menschen vor den Bildschirm bannen kann: Splatter!
Ein paar kleine Rückblenden auf das sadistische Treiben des Killers mit anderen Opfern bietet dann auch typische Hostel-Gewaltspäße, die allerdings nicht nur auch hier wieder sehr dreißt und billig kopiert wurden, sondern auch noch in der deutschen Fassung geschnitten sind.
Leider muss ich ausnahmsweise sagen: Das die JK den Streifen mit Schnittauflagen für eine Freigabe belegt hat, kündet einfach nur von gutem Geschmack.
Ok, war zwar etwas gemein, aber auch die teils saftigen, teils realistisch harten Effekte können nicht wirkllich überzeugen und wirken im ganzen Look auch nicht halb so hart wie sie gerne sein würden. Das man aber so blöd ist bei einem aufgesetzten Kopfschuss daneben zu schießen, so dass man nochmal ansetzen muss, dass muss einer der Hauptdarstellerin erstmal nachmachen. Und leider auch hier: Was hart wirken will ist in seiner Inszenierung hier leider nur leidlich lustig bis beschähmend langweilig.
Einzig eine Idee kurz vor Schluss, wo die Heldin "aus Versehen" ihren eigenen Freund umbringt, weil sie ihn für den Kiler hält, ist nett gemacht und bietet so etwas wie atmosphärische Gemeinheiten. Aber wie gesagt, da ist der Streifen, Gott sei Dank, auch schon fast wieder vorbei und wir haben es geschafft:
Wir haben den Rest Stop überlebt!
Wer bei Terror-Flicks schon immer das Bedürfniss hatte sich als Filmfan selber gefoltert zu fühlen, dem sei zu Rest Stop geraten. Alle Anderen sollten einen großen Bogen um dieses Machwerk machen und nicht ihre wichtige Lebenszeit für diesen ausgemachten Schund verschwenden. Dann doch lieber zum x-ten Mal das Texas Chainsaw Massacre, Jakob's Ladder oder The Sixth Sense.