Review

  Fünf gutaussehende junge Menschen Anfang 20 fahren durch die Landschaft, kiffen und reißen Sprüche, halten irgendwann an einer Tankstelle und werden dort von Hillbilly-Psychopathen nacheinander abgemetzelt; der Sheriff steckt natürlich auch mit drin und bietet deswegen nur scheinbar die erhoffte Hilfe...

 Dachte ich.

 Also schob ich den Film vor meinem abendlichen Tanzvergnügen noch kurz rein, nach dem Motto "Mit einem lustigen Slasherfilm startet sich's besser ins Nachtleben". Doch meine Weigerung, mich über Filme vorher detailliert zu informieren, wurde mir zum Verhängnis. Statt eines Gorefeasts erwarteten mich zunächst echt beklemmende, gruselige Szenen mit der an ein Kammerspiel erinnernden räumlichen Begrenztheit, was die ohnehin schon sehr intensive Horrorstimmung dieses in der ersten Hälfte überzeugenden Filmes noch verstärkt. Zunächst läßt sich aufgrund der Spannung auch über die üblichen Fehler hinwegsehen: Warum muß Nicole trotz ihres Ekels denn unbedingt auf dieses Klo gehen, wieso bewaffnet sie sich nicht mit allen zur Verfügung stehenden Holzlatten und Steinen und geht auf Frontalangriff usw. Doch schon die Sache mit dem Bus der Spinner-Familie erinnert arg an Michael Bays "Texas Chainsaw Massacre" und paßt insgesamt nicht so richtig in das Konzept (die Szene hat etwas sehr Freakshowhaftes, wie es eher in einen Rob Zombie-Film passen würde) bzw. wirkt wie eine erzwungene Anhebung des Spannungsbogens. Auch hier ist das Verhalten der Protagonistin nicht so ganz verständlich: Ich glaube, ein Mensch in der Situation würde entweder nur noch schreien oder mit aller verfügbaren physischen Gewalt versuchen, in den Besitz des Wagens zu gelangen. Umso unverständlicher, daß sie es einfach so hinnimmt, an der Ursprungsstelle des Schreckens ausgesetzt zu werden.

  Spätestens jetzt sollten Leute, die Film noch kennenlernen möchten, weglesen.

  Der Kniff mit der gefangenen Frau, die nur Einbildung ist, finde ich wiederum sehr gut, gibt sie dem Zuschauer doch eine noch intensivere Vorstellung davon, wie hoffnungslos alles ist: Nicole scheint auch noch wahnsinnig zu werden, was ihr die Rettung aus eigener Kraft nicht gerade vereinfacht.

  Dann taucht der Sheriff auf und mit ihm der Film in die Gefilde des unlogischen Wirrwarrs unter. Daß er in die Sache involviert sein könnte und dies die Spannung erhöhen soll, erklärt sein legeres Verhalten durchaus, doch von einem jungen, (wie sich später herausstellt) frisch ausgebildeten Großstadtpolizisten kann man wohl eine etwas professionellere Vorgehensweise erwarten. Wenn eine bedeutende Änderung (immerhin hat sie jetzt eine Knarre) in einem Film, der sich durch wenige Ortswechsel und hinzukommende Personen auszeichnet, durch so extrem idiotisches Verhalten begünstigt wird, fällt das einfach unangenehm auf, oder ist, anders ausgedrückt, arm. Da hätten sie lieber auf den bärbeißigen, dicken Landbullen zurückgreifen sollen, der Priem kaut und die Kleinstadttussi nicht ernst nimmt...

  Daß derselbe Effekt wie bei der gefangenen Frau bei dem Sheriff noch einmal angewandt wird, ist billig, zumal ihre Wahnvorstellungen, die ja inzwischen sehr kraß sein müssen, später nicht mehr aufgegriffen werden, und auf der anderen Seite erklärt es nicht, warum sie sich nicht sofort den Revolver schnappt und den Psycho mit dem Pornobalken, der so ganz gemächlich das Motorrad vor ihrer Nase festkettet, abknallt.

  Spätestens da hat "Rest Stop" seine Glaubwürdigkeit eingebüßt, und jetzt häufen sich die Negativpunkte - in meinen Augen zumindest: Die drastische Gewalt, die bisher - was ich durchaus begrüße (wenn man nicht gerade ein Splatterfestival feiern oder sich vorm Ausgehen noch mit Kunstblut volltanken will) - nicht sehr spaßig, sondern eher abstoßend (im Falle des Schnitts in Jesses Brust allerdings mäßig gut) dargestellt wird, verkommt zu "Hannibal"-mäßigem Gehirngore, dem eine unsinnige Kitschpassage vorausgeht (zumal ja der Bulle sowieso nur eine Halluzination ist).

 Was dann kommt, ist nicht anders als schlecht zu bezeichnen; denn man weiß schon vorher, wem sie da den Schädel einhackt, und dann baut sie 'nen Molli, der Wagen explodiert (wie vorher das Haus), als hätte Jerry Bruckheimer seine Finger im Spiel gehabt, der Typ steht dann aber doch hinter ihr... na ja!

 Wie bei jeder Rezension liegen auch hier natürlich nahezu unendlich viele Faktoren zugrunde: Was hat man erwartet, was kann man generell von einem Film dieses Genres, aus diesem Land, mit diesem Budget erwarten, was hat man alles schon gesehen, wie groß ist das Hintwergrundwissen... Doch im Endeffekt ist alles subjektiv, und gerade weil "Rest Stop" zu Beginn aus dem von mir erwarteten Schema fällt und wirklich gruselig ist, was man von (unterm Strich betrachtet ungleich unterhaltsameren, weil stringenteren) Filmen wie  dem erwähnten "Texas Chainsaw Massacre" oder "The Hills Have Eyes" nicht unbedingt behaupten kann, ist die Enttäuschung umso größer, dass er am Ende derart auseinanderfällt. Hätte man nicht mehr aus ihren Wahnvorstellungen machen können? Warum ist der Bulle so ein unfähiger Schön- und Weichling? Warum kann eine gestörte Familie (oder in welchem Zusammenhang auch immer der Killer und die Wohnwagen-Psychos stehen mögen) über dreißig Jahre Frauen verschleppen und ihre Freunde ermorden, ohne daß ihr jemand auf die Schliche kommt? Usw. usf., halt diese Fragen, die man sich bei Horrorfilmen stellt.

  Und noch eine persönliche Frage: Gibt es eigentlich Leute, die auf die wirklich ekelhaften Folterszenen abfahren und trotzdem das Gruselmoment so richtig genießen können? Ich persönlich mag's nämlich entweder locker gorig (wenn man sich fragt, wann denn endlich der nächste möglichst widerwärtig abgemurkst wird) oder so beklemmend, dass man plötzlich Götter anbetet, an die man vorher nie geglaubt hat, nur damit der Protagonist aus diesem Schreckensszenario befreit wird. In diesem Film wird das auf für mich unattraktive Weise kombiniert; das soll allerdings keineswegs in meine Bewertung einfließen, die bezieht sich größtensteils auf Logik (kaum vorhanden), Drehbuch (durchwachsen) und darstellerische Leistungen (erstaunlich gut).

 Sagen wir mal so: In seinen Spitzenmomenten würde ich ihm 9 bis 10 Punkte geben, in den schwachen Passagen (also etwa ab der Mitte) 1 bis 2, das ergäbe rein rechnerisch etwa fünf Punkte und käme einer eingeschränkten Empfehlung gleich - dafür reicht's aber nicht.

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