Review

Das Filme hierzulande direkt auf Video bzw. erscheinen kann zwei unterschiedlich Gründe haben. In den meisten Fällen sind diese Filme in ihrem Ursprungsland auf derart wenig Gegenliebe oder Interesse gestoßen, dass der Verleih sich hierzulande nicht getraut hat, die Streifen in die Kinos zu bringen. Denn einen Film ins Kino zu bringen ist wesentlich teurer, als gleich auf DVD. Aber es gibt auch Filme, die direkt für den Videomarkt entworfen werden. Meist handelt es sich dabei um Genre-Ware, die für schnelles Geld produziert wird und auch nur von dem entsprechenden Publikum konsumiert und selbst dort nur selten für wirklich brauchbar eingestuft wird. Ja in Punkto Qualität hat es DtV-Ware schon immer schwer. Das soll jetzt anders werden, hat sich zumindest Warner mit seiner "Raw Feed"-Reihe gedacht, die kinoreife Genrekost gleich für den Scheiben-Markt darstellen soll. Doch mit "Rest Stop" ist der Beginn der Reihe nur "passabel" ausgefallen, denn über das Prädikat "Inhaltlich leer, aber einigermaßen unterhaltsam" kommt das Ganze nicht hinaus.

Ja, "Rest Stop" ist wirklich ein Filmchen, dass sich regelrecht glücklich schätzen kann, dass es nur auf DVD erschienen ist. Denn auf der großen Leinwand hätte das Teil nie die Chance auf irgendwelche akzeptablen Kritiken gehabt. Was "Rest Stop" vor allem inhaltlich bietet, ist mit heißer Luft fasst schon gleichzusetzen. Es geht um ein Pärchen, welches an einer verloderten Raststätte einen kurzen Stop einlegt, da Madame pinkeln muss. Als sie das Klo wieder verlässt ist ihr Freund verschwunden und sie wird plötzlich von einem irren Autofahrer drangsaliert. Wer ist der Kerl, hat er etwas mit dem Verschwinden des Freundes zu tun und was soll die ganze Sache eigentlich? So richtig werden diese Fragen nicht geklärt, bzw. sind die Erklärungen hanebüchen. Alles hat man schon irgendwo einmal gesehen, Innovationen Fehlanzeige. Zudem sind die Logiklücken dieses mal wirklich extrem groß und stoßen selbst dem Genre-Freak mitunter übel auf. Von plötzlich verschwindendem Blut, über aufgeschnittene Pulsadern die nicht zum Tod führen und auch gerne mal verschwinden, bis hin zu einem brennenden Polizisten, der anscheinend plötzlich unsichtbar geworden ist, wer hier auf Logiksuche geht, der wird nie fündig.

Deshalb sollte man wieder einmal, so schwer es bei dieser Maße von Brüchen auch sein mag, versuchen, der Logik nicht allzu viel Platz einzuräumen und sich eher auf die anderen filmischen Elemente zu konzentrieren. Denn was die Umsetzung des ganzen Schwachsinns angeht, hat Regisseur John Shiban dann doch einiges zu bieten. Zum einen kann man dem Ganzen eine solide Grundspannung nicht absprechen. Auch wenn das ganze Treiben hier und da vorhersehbar ist, ab und an kann man doch einmal mit der Hauptprotagonistin mitfiebern und sei es auch nur deswegen, weil man dem Luder alles andere als einen Killer am Hals wünscht. Zudem wirkt sowieso die ganze Tatsache der Einsamkeit, denn die Hauptfigur ist hier mitunter wirklich für lange Zeit allein am Arsch der Welt, schön befremdlich und wenn dann der üble Killer zuschlägt kann man sich eines leichten Schocks manchmal nicht ganz verwehren. Atmosphärisch geht das Teil jedenfalls soweit auch in Ordnung.

Und auch in Sachen Gore macht Shiban fast alles richtig und präsentiert einige richtig schöne Effekte, die es in sich haben. Da wird gebohrt, geschnitten und gequält und es gibt eine der tabulosesten Zungenschnippeleien der Filmgeschichte zu bestaunen. Auch wenn das Blut alles in allem vielleicht ne Spur zu Hell ausgefallen ist, so macht diese sadistische Tour hier doch Laune.

Und auch die wenigen Darsteller können noch so einiges heraus reißen. Hauptdarstellerin Jaimie Alexander legt eine recht elegante Sohle aufs Parkett und stellt ihren Part, der größtenteils fast eine One-Women-Show bedeutet, relativ sauber und ohne Kanten da. Dazu Joey Lawrence, der Älteste der schauspielenden Lawrence-Brüder, die man gerne als männliches Gegenstück zu den Olsen-Twins sehen kann, der seinen Part des dämlichen Dorfbullens auch ganz solide meistert, wenn auch seine Figur vor Inkompetenz nur so strotzt. Und natürlich dürfen auch Deanna Russo als gequälte Seele Tracy und Nick Orefice als Killer nicht fehlen. Alles in allem kann man mit ihnen zufrieden sein.

Fazit: DtV-Fast Food-Unterhaltung für zwischendurch, die keine wirklichen Akzente setzt, aber bei Genre-Freunden durchaus für Kurzweil sorgen kann. Die Story ist doof und die Logiklücken dieses mal heftiger denn je, doch die Umsetzung macht durchaus Laune, ein Spannungsborgen ist (wenn auch recht dünn) vorhanden und die Gore-Effekte sehen lecker aus. Währe der Film ins Kino gekommen hätte er verloren, doch als Anfang der Raw Feed-Reihe kann man ihn durchaus an nimmersatte Genre-Freaks weiter empfehlen!

Wertung: 5,5+/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme