Review
von Alex Kiensch
Ein heruntergekommener Rastplatz mitten im amerikanischen Nirgendwo. Als die junge Nicole mit ihrem Freund hier kurz anhält, um die Toilette aufzusuchen, beginnt für sie der Albtraum ihres Lebens: Erst verschwindet ihr Freund, dann taucht ein mysteriöser Pick-up auf, dessen Fahrer sie unbarmherzig verfolgt und quält. Bald steht fest, dass es für sie ums nackte Überleben geht.
Aus der Reihe günstig gedrehter Slasher-Schocker, die nach "Saw" einen neuen Aufschwung erlebten, sticht dieser Beitrag der Raw Feed-Serie wohl kaum hervor. Zu unoriginell die Ideen, zu schwach die Inszenierung. Dabei beginnt "Rest Stop" noch durchaus vielversprechend: Wenn Nicole sich plötzlich mutterseelenallein in der Einöde wiederfindet, versprüht das eine subtile Atmosphäre der Bedrohung. Diese bleibt allerdings nicht allzu lange bestehen. Sobald der geheimnisvolle Trucker auftaucht und sie mit Psycho-Spielchen terrorisiert, ist es mit jeglicher Subtilität vorbei. Von jetzt an setzt der Film auf klischeehafte Spannungs- und Schockmomente, die eingesessene Horror-Fans nicht ein einziges Mal überraschen können.
Überhaupt merkt man "Rest Stop" sein begrenztes Budget und die begrenzte Ideenvielfalt des Regisseurs und Drehbuchschreibers an. Die Einleitung wird mehrfach mit schlichter Handkamera gefilmt, was zu einer nicht filmgerechten Bildqualität führt. Und die Minimal-Dialoge, die sich das verliebte Pärchen geben muss, gehören zum Inhaltsleersten, was das Genre zu bieten hat. Auch bleiben die Darstellerqualitäten äußerst bescheiden - einzig Jaimie Alexander gelingt es, ihrer Nicole besonders in den Momenten größter Verzweiflung ein angenehmes Maß Natürlichkeit zu verleihen. Von guter Schauspielerei kann man hier dennoch nicht sprechen.
Und auch Genre-Fans mit eher niedrig angelegten Ansprüchen werden kaum bedient. Zwar gibt es eine Handvoll bestialischer Folter- und Gewaltszenen, die wirken aber allesamt so bemüht und künstlich in die eigentlich geradlinige Survival-Story eingezwängt, dass sie jeglichen Sinn verlieren und einfach nur unnötig und abstoßend sind. Darüber hinaus vermischt das Drehbuch mehr oder weniger willkürlich diverse Horror- und Grusel-Motive: Da gibt es ein Wohnmobil mit christlich-fanatischen Freaks, traumatisierte Killer-Opfer, die sich wiederholt als Geister-Erscheinungen entpuppen, den stummen Serienkiller selbst und eine Andeutung, dass besagter Rastplatz eine Art Fegefeuer für die Sündigen sein könnte. Das alles wird zu einem stellenweise haarsträubend unlogischen Mischmasch vermengt, der die Spannung einzelner Szenen im Ansatz erstickt. Und selbst das viel zu kurze Action-Finale mündet in eine absolut dämliche Auflösung. Von der scheinbar beachsichtigten Schockwirkung bleibt hier rein gar nichts übrig.
Einzig eine kurze Szene im Abspann gefällt, die die Rolle der Wohnwagen-Freaks in dieser ganzen Story andeutet und die den losen Inhaltsfäden einen Hauch von surrealer Bedeutung verleiht. Ansonsten aber enttäuscht "Rest Stop" auf ganzer Linie. Eine verwirrend durchwachsene Storyline, schlechte Schauspieler und unnötige Sadismen lassen kaum Freude aufkommen - auch nicht über den durchaus sympathischen Pop-Soundtrack.