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Man muss den Völkern Ostasiens sicherlich nachsehen, wenn sie ausgesprochen sensibel auf ein Japan reagieren, das seine Ansprüche darauf, wieder Weltpolitik zu machen, nicht mehr nur mit dem Scheckbuch, sondern längst auch wieder mit der Waffe demonstriert. Friedensmission klingt vor allem für Koreaner und Chinesen genau so nach bösem Hohn wie das offiziöse Self Defense Force - der Titel, mit dem sich die japanischen Streitkräfte bekleiden. Tatsächlich scheint Revisionismus in Japan nicht mehr nur ein leichter Hauch, man muss wohl einen eisigen Wind nennen, was da in den Debatten um geschichtsklitternde Unterrichtsmaterialien und die störrischen Besuche des vormaligen Premierministers Junichiro Koizumi im von der japanischen Rechten vereinnahmten Yasukuni-Schrein an Momentum gewonnen hat. Shinzo Abe, der neue Mann an Japans Spitze, forderte gerade die Schulen ausdrücklich auf, ihre Schüler wieder zu mehr Patriotismus zu erziehen. Es ist nicht allzu verwunderlich, dass der vor allem von den Regierungen der beiden Koreas und Chinas immer wieder mehr oder minder offen instigierte und mit dem Arsenal der weißen Propaganda aufgeblähte Anti-Japanismus auf einen so fruchtbaren Boden fällt. Der gute Bürger - ein aufrechter Patriot und kompromissloser Anti-Japaner.

Dieses ist ein Schema, welches der Mainstream des ostasiatischen Festlandes so völlig verinnerlicht hat, dass ein mit diesen Ressentiments und unverhohlen rassistischen Überzeichnungen gestrickter Blockbuster beinahe eine sichere Nummer ist - die Kinokarte, sozusagen, eine patriotische Pflicht. Anders ließe sich Produktion und Erfolg des bereits großspurig HANBANDO* betitelten Werkes von Kang Woo-Suk („Silmido", „Public Enemy") nur schwer erklären - in diesem nach dem Status eines Epos gierenden Schundfilm fehlt es an Spannung, Action, integrativen Charakteren, berührendem Gefühl und einer wenigstens dramaturgisch nachvollziehbaren Entwicklung seiner hanebüchenen Prämissen. HANBANDO durchtränkt seinen pankoreanischen Nationalismus gar mit ein paar Tropfen Juche-Ideologie aus dem Norden, denn wenn das akute Problem seiner Protagonisten auch der ewige Japaner ist, eigentlich, so macht der vorgeführte Kontext es überdeutlich, eigentlich ist es doch Korea, die koreanische Halbinsel, gegen den Rest der Welt.

Bilateral haben die beiden Koreas ihre Aussöhnung vorangetrieben, und nun soll gar eine Zuglinie das Volk auf beiden Seiten der DMZ wieder vereinigen. Auf Schmusekurs mit den Brüdern in Nordkorea, das nach der Bushschen „Achse des Bösen"-Brandrede fester denn je auf seine Rolle als Pariah festgelegt ist, hat sich auch der Süden der Halbinsel isoliert. Anlässlich der Einweihung des Wiedervereingungsexpresses bekommt Korea die Rechnung präsentiert - nicht nur bleiben internationale Delegationen dem Ereignis fern, die Japaner drohen zudem mit der Aussetzung eines immensen, für Korea überlebenswichtigen Kredits, sollte Korea die Kontrolle der Zuglinie nicht umgehend an Japan übertragen. Japan hat für diese dreiste Forderung nicht nur weltweite Unterstützung sondern kann auch einem vom letzten Kaiser Koreas besiegelten Vertrag vorweisen. Die Koreaner sehen keine andere Möglichkeit als zu kuschen, doch da meldet sich plötzlich ein kauziger, pathologisch nationalistischer Professor (Jo „Bad Guy" Jae-Hyon) zu Wort. Er behauptet, der Kaiser selbst hätte das Nationale Siegel fälschen lassen, noch bevor er von den Japanern und ihren Kollaborateuren vergiftet wurde, um alle von ihm erpressten Konzessionen und Verträge, die durch dieses Siegel gültig werden, ultimativ nichtig zu machen. Der amtierende Präsident (Ahn Sung-Kee), der sich nun selbst in einer Position ähnlich der dieses als so weitsichtig glorifizierten Herrschers gefällt, erlaubt dem Professor, sich durch die historischen Denkmäler des Landes zu buddeln - auf der Suche nach dem verschwundenen Original. Damit plant er Japan vorzuführen und die notwendigen Zugeständnisse zu erpressen - aber wie der letzte Monarch zu seiner Zeit ist auch dieser Präsident umgeben von Wieseln, die auf ihr historisches Anrecht bestehen, den Japsen die Hintern zu küssen und für dieses Privileg über Leichen gehen. Die bis an die Seegrenzen Koreas auffahrende Self Defense Force Japans erhöht den Druck auf die koreanischen Patrioten... nur ein weiterer Effekt, der sich dramaturgisch völlig in Kangs wirrer Inszenierung dieser viel zu großen Verschwörung gegen das koreanische Volk verliert.




* „Halbinsel Korea", im übertragenen Sinne auch „Das Geeinte Korea"


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