Starker Einstieg eines neuen Regisseurs!!
Nach seinem unveröffentlichten Erstling, dem
Amateur-Trash-Splatter-Oberknaller "The Lost Way of the Zombies"
präsentiert der Bremer Newcomer-Regisseur Stefan Svahn auf seiner ersten, durch
das Fan-Magazin "Gory News" ermöglichten DVD-Veröffentlichung
"Blutrausch - Gefangen im Haus des Grauens" nun einen Psychothriller
der blutigen Gangart.
Um eins vorweg zu nehmen: Dieser Film ist nichts für die
"Cinemurxx"-Generation und Fans der Pro7-Blockbuster sowie jegliche
Cineasten, die sich der konventionellen Mainstream-Unterhaltung verschrieben
haben.
"Blutrausch - Gefangen im Haus des Grauens" ist ein lupenreines
Independent-Tribut an den filmischen
Bodensatz, dass kontroversen Antihelden wie Joe D`Amato, Charles Kaufmann, Tobe
Hooper oder George A. Romero unter anderem in Form zahlreicher Zitate überschwänglichen
Tribut zollt.
Die Story ist schnell zusammengefasst: Zwei Angler finden an einem abgelegenen
Teich einen abgetrennten Kopf. Bei dem Versuch, Hilfe zu holen, werden sie
überwältigt und verschleppt, um sich wenig später im Keller eines ebenso
abgelegenen Hauses wieder zu finden, welches von einer psychopathischen Mutter
und ihrem deformierten Sohn bewohnt wird.
In ihrer Isolation haben diese einen regelrechten Hass auf alles menschliche
entwickelt, da sie durch die Spezies der Humanoiden aufgrund der körperlichen
Entstellung des Sohnemanns selbst nichts anderes als Ausgrenzung und Verachtung
erfahren haben. Ihre Rache besteht nun darin, jeden sich ihrem Domizil
nähernden Eindringling zu zerfleischen und zu verspeisen. Auch für die beiden
Angler scheint alles zu spät zu sein...
Viel "Muttertag" und "Texas Chainsaw Massacre" hier, eine
Prise "Buio Omega" (in den Ausweidungsszenen) da und zum Schluß sogar
ein Zitat aus Romero`s "Night of the living Dead", abgeschmeckt mit
einem Schuss "Phantom der Oper"- bzw. "Quasimodo"-Thematik.
Splattertechnisch lässt Svahn hier auf jeden Fall nichts anbrennen. Die
filmische Ausführung dieser No-Budget-Produktion indes weist noch ein paar
genretypische Schwachstellen auf: So ist die Tonqualität nicht unbedingt
berauschend, das Bild qualitativ auf Digital8-Niveau und es muss wohl nicht
extra erwähnt werden, dass sämtliche Akteure nie eine Schauspielschule von
innen gesehen haben.
Auch rechte Spannung mag im Filmverlauf zumindest für Horror- und
Splatterconaisseurs eher selten aufkommen, da sowohl die Plotkonstruktion als
auch die aus obengenannten Klassikern zitierten Handlungselemente, die von
Svahn zudem um einige Gags angereichert werden, doch ein ums andere Mal
vertraut vorkommen.
Absolut gelungen sind hingegen die zahlreichen Splatter- und Gore-Elemente, für
die Svahn neben Regie, Kamera, Drehbuch und Score zudem selbst verantwortlich
zeichnet. Neben diesen ist jedoch auch die Kameraarbeit und der
gewollt-behäbige Schnitt als absolut gelungen hervorzuheben, und als kleinen
Bonusgag absolviert auch Jungregisseur Daniel Flügger (Deathmaster, Die
Newsmanshow) gemeinsam mit seinem ständigen Komplizen Dennis Klose einen
Cameo-Auftritt als tumbes Polizistenduo.
Letztendlich schwingt sich Svahn mit seinem erneut in einem kompletten
Alleingang selbstinszenierten und -produzierten Zweitwerk jedoch mühelos an
Flachpfeifen wie Timo Rose, Jochen Taubert und Andreas Bethmann vorbei in die
erste Liga deutschen Amateursplattertums, sieht man hier doch zumindest eine
liebevoll durchdachte und mit spürbarem Herzblut (plus literweise Kunstblut)
umgesetzte Geschichte statt hirnlosem Blutrotz, der auf Teufel-komm-raus auf
"shocking" getrimmt wurde.
Fazit:
Einen Originalitätspreis wird "Blutrausch - Gefangen im
Haus des Grauens" sicherlich nicht einfahren und kann auch nicht für sich beanspruchen,
ein bahnbrechender Meilenstein geworden zu sein; stattdessen haben wir es hier
mit einer etwas nostalgisch anmutenden und mitunter augenzwinkernden Hommage an
die erwähnten, ganz großen Horrorfilmmomente zu tun, die wohl auch gerade
aufgrund ihrer etwas naiven Unbeschwertheit im Umgang mit dem Genre einen
ureigenen Charme entwickelt.
Somit ist "Blutrausch- Gefangen im Haus des Grauens" nicht nur allen
Freunden deutschen Amateursplatters im Stile der Ittenbach-Frühwerke wie
"Black Past", sondern auch den Liebhabern oben genannter
Horrorklassiker vorbehaltlos zu empfehlen und lässt erahnen, dass man von Svahn
auf diesem Sektor noch so einiges erwarten kann!!
Mehr davon!!!