Es ist der Film, der Tarantino zum Starregisseur machte, der Film, an dem der gute Quentin und seine zahlreichen Epigonen stets gemessen werden – und trotzdem kann man den vermeintlichen Überfilm an ein paar Stellen doch mal kritisieren.
„Pulp Fiction“, zu deutsch bedeutet dies soviel wie Schundroman und aus diesem Nährboden entstammen auch die stets zwischen banal und genial schwankende Handlung rund um den Gangsterboss Marsellus Wallace (Ving Rhames). Er schickt seine Killer Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) los, um einen Koffer vom Dieben wiederzubeschaffen, bittet Vincent seine Frau Mia (Uma Thurman) für einen Abend auszuführen und will den Kampf des Boxers Butch Coolidge (Bruce Willis) türken. Das alles ist miteinander verwoben und wird auch nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt.
Gerade im Bereich der Narration liegt die Stärke von „Pulp Fiction“, denn wie schon bei „Reservoir Dogs“ bricht Tarantino hier sehr geschickt mit Konventionen. Die altbekannte Verfolgungsjagd zwischen Gangsterboss und Boxer nimmt eine unvorhergesehene Wende, ein harmloses Gespräch in einem Auto endet versehentlich in einem Blutbad usw. Mit derartigen Einfällen peppt Tarantino seine altbekannten, zigmal zitierten Geschichten auf und schafft es auf diese Weise aus den herkömmlichen Versatzstücken noch Spannung herauszukitzeln.
Natürlich ist auch in diesem Tarantinostreifen alles und jeder cool bis zum Geht nicht mehr, was sich in den Dialogen niederschlägt, für die der Mann ja so berühmt ist. Den Dialog über Hamburger und Fußmassagen kennen die meisten auswendig, doch die meiner Ansicht nach coolsten Sprüche hat Mr. Tarantino etwas selbstverliebt mal wieder für sich selbst in der Episode „The Bonnie Situation“ geschrieben (u.a. der „Dead Nigger Storage“-Dialog oder „Don’t motherfuckin’ Jimmie me“). Im O-Ton kommt „Pulp Fiction“ dann auch deutlicher besser als in der deutschen Fassung, denn die Synchro ist zwar bemüht, doch viele Wortspiele kann man einfach nicht adäquat übersetzen.
Verweise auf die Popkultur gibt es natürlich auch noch und nöcher, angefangen beim Soundtrack über die Gespräche bis zum Set-Design (z.B. das 50er Jahre Kaffee, in dem unter anderem Doubles von Buddy Holly und Marylin Monroe kellnern). Auch sonst zitiert Tarantino häufig und gerne, von der modernen Version der Hillbillies aus „Beim Sterben ist jeder der Erste“ bis hin zu seinen Killern Vincent und Jules, die optisch an seine „Reservoir Dogs“ erinnern. Mal ganz abgesehen davon, dass angedeutet wird, dass Vincent der Bruder von Vic aus eben diesem Film ist.
Doch trotz aller Lacher, trotz des geschickt erdachten Drehbuchs muss „Pulp Fiction“ auch etwas Kritik über sich ergehen lassen, denn Tarantinos großes Rhabarbern hat an ein paar Stellen seine Längen. Gerade dem Abendessen von Mia und Vincent mangelt es wirklich guten Momenten (von der legendären Tanzszene mal abgesehen) und auch das Geturtel von Butch und seiner Freundin hätte man aufgrund drohender Langeweile doch etwas kürzer fassen können.
Doch für die eine oder andere Länge entschädigt dann das sehr prominente Ensemble, das durch die Bank weg gut spielt. John Travolta und Bruce Willis nehmen ihre Images auf die Schippe (der eine als Discostar, der andere als rechtschaffener Actionheld), Samuel L. Jackson ist ebenfalls klasse, während man zu Harvey Keitel und Ving Rhames nur genial sagen kann. Natürlich darf auch den Rest nicht vergessen wie z.B. Uma Thurman, Eric Stoltz oder Tim Roth, aber die genannten stechen schon am meisten heraus.
So ist Tarantinos kultiger Laberfilm dank der pointierten Dialoge und der ungewohnten Erzählweise sehr gelungen, doch mir persönlich hat der Mann mit „Reservoir Dogs“ und „Kill Bill Vol. 1“ noch etwas mehr Freude gemacht.