Schon durch die Länge des Titels lässt es sich erahnen, dass es sich hierbei nicht um ein Drama oder Western ganz nach Hollywood Schema handelt. Die diversen Raubüberfälle der James Bande die sie gemeinsam mit den Ford Brüdern verübt haben, stehen hier nicht im Vordergrund. Eher geht es um eine psychologische Darstellung der Ereignisse die zur Erschießung des Volkshelden Jesse James führten. Dieser wird kongenial von Brad Pitt verkörpert, der den Banditen recht glaubhaft zu verkörpern weiß.
Historisch hält sich der Film an die Geschehnisse kurz vor und nach dem Tod von Jesse James. Der Film startet mit einem Zugüberfall und dem danach folgenden Drama welches sich zwischen Jesse James, den Brüdern Robert und Charley Ford und anderen Bandenmitgliedern abspielte. Ob die Ford Brüder und die anderen Kriminellen tatsächlich die fast skurril netten Personen die sie hier darstellen waren, sei dahingestellt. Es waren zu allem bereite Verbrecher, wie es in wenigen Szenen drastisch und recht brutal gezeigt wird.
Der Film wirkt als ganzes recht realistisch und kann mit einigen schönen stimmungsvollen Bildern aufwarten. Der Hauptgewinn ist aber klarerweise wiedermal Brad Pitt der voll und ganz als Familienvater Jesse James und gleichzeitig als brutaler Outlaw überzeugt. Ihm so scheint es, sind auch die interessantesten Szenen gewidmet und es gelingt dem Regisseur diese mit einer fast unheilvollen Atmosphäre zu füllen. Ganz anders allerdings wenn Brad Pitt nicht im Bild ist, fast so als ob ohne ihm sich die Filmcrew rund um Regisseur Andrew Dominik sich weniger angestrengt hat. Der Film selbst hat einen sehr ruhigen Ton, der auch durch den leicht melancholischen Soundtrack unterstreicht wird. Diese Stille diese Ruhe wird durch plötzliche Gewaltausbrüche und laute knallende Schüsse unterbrochen.
Leider war aus meiner Sicht die Gesamterscheinung dieses Films nicht so rosig wie in den meisten recht hochlobenden Kritiken und Reviews. Eine der Gründe ist einfach die Länge des Films. 2 Stunden 40 Minuten ist einfach zu lange. Die Geschichte rund um Robert Ford kann man sicher in kürzerer Zeit erzählen. Dafür passiert leider in dieser Zeit einfach zu wenig. Einige Dialoge gehörten gekürzt und einige Szenen drastisch geschnitten. Vielleicht lag es auch daran, dass ich den Film ohne Pause im Kino sehen musste. Ein weiterer Grund ist die Figur des Robert Fords und seine Darstellung durch Casey Affleck. Vielleicht lag es auch an der deutschen Synchronisation, aber Robert Ford war mir von der ersten Sekunde an unsympathisch. Dass Banditen im 19 Jahrhundert mit ruhiger Stimme und gewählten Worte sprachen, kann ich nicht ganz glauben. So wirkt auch Robert Ford völlig unpassend fast zu weich um als Outlaw durchzugehen. Die Dialoge zwischen den Outlaws hätte um einiges derber und tiefer sein müssen wie hier gezeigt. Aber vielleicht war auch hier die deutschen Übersetzung mitschuld.
Dem Genre Western ist „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" trotzdem zuzuordnen da es nicht nur historisch in der besagten Zeit spielt, sondern auch Stilmittel aus diversen Filmen des Genres übernahm. Durchaus erfreulich das Regisseur Dominik keine Räuberballade aus Hollywood wie Henry Kings Klassiker „ Jesse James" (1939) oder dem eher unsäglichen „American Outlaws" (2003) drehte. Doch die Länge und die Langatmigkeit einiger Dialogszenen erschweren den Genuss erheblich. Meine Bewertung fällt daher nicht ganz so positiv aus. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich aber „ Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" und seiner Bildersprache nochmals auf DVD in der OV eine Chance geben. Bis dahin kann ich aber hier noch kein überwältigendes Meisterwerk erkennen und schraube die Bewertung nach unten.