Review

Die Zeiten des klassischen Western sind zugegeben schon lange vorbei. Er wurde Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger Jahre durch die italienischen Western (Django, Spiel mir das Lied vom Tod usw.) aus den Kinos geschossen und irgendwo verscharrt.
Danach war in Hollywoods Wild-West-Abteilung erst mal das große Jammern angesagt. Die schon viel zu lange mit den immer selben Stories versehene Geld-Kuh war verendet und die allgemeine Ratlosigkeit wie es mit ihrem Kadaver weitergehen sollte war groß!
Man rappelte sich aber langsam wieder auf und aus der Massenware Western wurde erstmal ein Nischenprodukt, daß mit politischer Correctness und vor allem einer realistischeren Sicht der amerikanischen Geschichte langsam wieder ins Kino zurück fand.
Neue Themen und Ansichten wurden in Filmen wie Little Big Man, Ein Mann den sie Pferd nannten, Jeremiah Johnson, Erbarmungslos und Der mit dem Wolf tanzt eingeführt und fanden ihre künstlerische wie kommerzielle Anerkennung.

Soviel mal zu Entwicklung vom 08/15-Western zum aktuellen Stand.
Wenn man also heute in Filmtiteln Namen wie Wyatt Earp oder Jessse James liest, dann sollte man schon wissen, daß sich das Western-Genre seit den 30er-Jahren recht stark verändert hat.

Leider ist diese Entwicklung an vielen Zuschauern und auch Kritikern vorbeigezogen. Die meisten negativen Krtiken zu diesem Streifen führe ich daher auf diese grundsätzlich falsche Erwartungshaltung zurück....

Erzählt wird hier die Story von Jesse James, der gegen Ende seiner Karriere als Dieb und Mörder mit seiner Bande einen Zug überfällt. Mit von der Partie ist der junge Robert Ford, der schon seit seiner Kindheit für James schwärmt. Ford versucht sich mit Jesse und seinem Bruder Frank anzufreunden, erntet aber nur Ablehnung.
Nach dem Überfall trennen sich die Wege der Bandenmitglieder. Als jedoch das Gerücht aufkommt, daß ein ehemaliges Mitglied der Bande sich wegen der Belohnung für die Ergreifung Jesses auf die Jagd nach ihm macht brechen die Dämme. James wird zunehmend paranoid und macht sich auf um die früheren Mitglieder seiner Bande auf ihre Loyalität abzuklopfen und ggf. zu töten. Dementsprechend geht bei denen wiederum die Angst um.
Robert Ford, der inzwischen Jesses Cousin getötet hat, lebt daher in zweifacher Angst, Und eines Tages taucht James wieder in seinem Leben auf....

Dieser kurze Umriss der Story ist wirklich bloß rudimentär. Um dem ganzen Streifen gerecht zu werden müsste ich deutlich mehr zur komplexen Handlung schreiben. Allerdings will ich hier auch nicht allzuviel an Handlung preisgeben.

Wie schon eingangs erwähnt läuft der moderne Western nach einem grundsätzlich anderen Schema ab als der klassische. Vorbei sind die Zeiten als einfach wild durch die Gegend geschossen wurde und der Zuschauer mit dem eingeführten Helden "mitfiebern" konnte. Heutzutage sind die Helden, wenn man sie denn so nennen kann, ganz anders gestrickt.

In diesem Fall wären das Jesse James und Robert Ford. James, der von Brad Pitt dargestellt wird, ist hier ein kranker paranoider Killer, aber auch Familienvater, der unter seiner Bürde als Bad Guy zu leiden beginnt. Ford (Casey Affleck) ist ein weinerlicher, unsicherer Charakter des nach Selbstbestätigung lechzt.
Von den Spannungen zwischen diesen total unterschiedlichen Charakteren lebt der Film!

Das Drehbuch verzichtet größtenteils auf Action und baut vielmehr auf seine Charaktere und eine meist im Raum stehende Spannung, die sich sehr auf die Darsteller verlässt um all das zu transportieren.

Brad Pitt ist zwar ein Star, doch ein guter Schauspieler ist er damit noch lange nicht. Umso mehr verwunderte mich, daß er diesem Jesse James durchaus schauspielerisch gerecht werden kann, ohne ihm allerdings die nötige Tiefe verleihen zu können. Dieses Problem liegt aber eher beim Drehbuch, daß Erklärungen für James` Geisteshaltung und Verhalten nicht gerade transparent rüberbringt.
Ähnlich verhält es sich mit Casey Affleck, dem auch drehbuchbedingt etwas erklärungstechnische Tiefe fehlt, der aber die innere Leere seiner Figur deutlich besser ermitteln kann.

Neben den ordentlichen Darstellerleistungen muß man hier aber auch noch die superbe Leistung des Kameramanns erwähnen. Zusammen mit der Musik (u.a. von Nick Cave) ergibt sich hier eine kalte, nüchterne Athmosphäre, die das Psychospiel zwischen den beiden Hauptfiguren bestens zu unterstützen weiß!

Fazit: Sehenswerter Film, der weniger auf Action setzt, als vielmehr auf die psychologische Spannung zwischen den Hauptcharakteren. Definitiv kein Film für ein Massenpublikum!!

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