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Der wahrscheinlich längste Titel des Filmjahres für einen der längsten Filme des selbigen. Es ist immer gefährlich eine Geschichte zu verfilmen, die es bereits zu unzähligen Verfilmungen gebracht und die jedem (amerikanischen) Zuschauer bereits bekannt sein dürfte. Zudem wird es noch schwieriger wenn man den Zuschauern, die diese Geschichte noch nicht kennen bereits das Ende im Titel verrät.

Regisseur Andrew Dominik hat sich der Aufgabe gestellt und ein zwei einhalb Stunden langes Western-Drama geschaffen, dass mit Edeloptik und einem Starensemble aufwarten kann.

"Die Ermordung des Jesse James..." ist kein konventioneller Western mit Guten und Bösen geworden, die am Ende im Duell aufeinander treffen. Es ist vielmehr ein Psychogramm eines Mannes der zur Legende wurde ohne das je gewollt oder angestrebt zu haben. Es ist die Erzählung einer Beziehung von Bewunderer und Bewundertem, die im Mord an Letzterem endet.

In erster Linie ist es die beeindruckende Bildsprache, die dem Film Szenen von unglaublicher Ausstrahlung und Mystik verleiht. Die Kamera-Arbeit wurde entsprechend führ den Oscar nominiert und musste sich letzlich aber "There will be Blood" geschlagen geben. Dennoch werden viele Einstellung beim Zuschauer haften bleiben.

Neben den tollen Bildern überzeugt die Darstellerriege ebenfalls mit starken Leistungen. Brad Pitt gelingt es von dem "Star Brad Pitt " abzulenken und uns einen Mann zuzeigen, der viele Verbrechen begangen hat und dafür auch noch bejubelt wurde. Er spielt den Jesse ohne edelmütigen oder heroischen Hintergedanken, der weder seine Morde bereut noch zum Helden werden will.
Dem entgegen steht der introvertierte Bob Ford, der seinem Idol nach eifert und eines Tages berühmter und respektierter
sein will als Jesse es jemals war. Casey Affleck zeigt uns einen etwas linkischen Robert Ford, der niemals das sein wird was er sein will, aber bereit ist alles zu tun um sein Ego vor dieser Wahrheit zu schützen. Letztendlich gelingt es ihm zwar durch den Mord an Jesse James zu zweifelhaftem Ruhm zu gelangen, die Bewunderung und die Mysthifizierung bleiben ihm jedoch versagt. Er bleibt im Volksgedächtnis immer der Feigling, der den "guten" Jesse James von hinten erschossen hat. Casey Affleck wurde für die Darstellung mit einer Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller belohnt.

Es bleibt jedoch zu fragen, warum man diese Geschichte auf gut 150 Minuten verteilen muss. Der höhepunktsarme Film wird aufgrund der tollen Bilder nie wirklich langweilig , von Zeit zu Zeit jedoch etwas langatmig und bringt einen zum Ergebnis, dass Art-House-Kino nicht zwingend Überlänge braucht um zu fesseln.
Weniger wäre letzlich vielleicht mehr gewesen.

Nichts desto Trotz kann man dieses Drama jedoch jedem empfehlen, der sich eine altbekannte Geschichte in einer sehr interessanten Neuinterpretation ansehen möchte und für den ein Western nicht zwingend bleihaltige Duelle bei Sonnenuntergang haben muss.

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