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Brad Pitt spielt den berüchtigten amerikanischen Banditen Jesse James, der Mitte des 19. Jahrhunderts sein Unwesen trieb. Obwohl diverse Kopfgeldjäger und die Gesetzeshüter des gesamten Landes nach Ford suchten und ihn stellen wollten, plante er einen Überfall nach dem anderen. Robert Ford, gespielt von Casey Affleck, war dabei einer seiner Bandenmitglieder, der jedoch schließlich von Angst vor James, Neid auf den berüchtigten Outlaw, sowie Gier nach dem Kopfgeld beeinflusst Mordgedanken gegen den Banditen, sein Idol und Mentor, hegte.

Jesse James war einer der berüchtigtsten Verbrecher der amerikanischen Geschichte und einer der bekanntesten Persönlichkeiten aus der Wild-West-Ära. Robert Ford hingegen war keine schillernde Persönlichkeit und gelangte nur deshalb zu Ruhm, weil er den Banditen hinterrücks in dessen Haus erschoss, als dieser ein Bild abstaubte. Wie es dazu kommen konnte ist durchaus eine interessante Frage und Regisseur Andrew Dominik, der hier seinen ersten größeren Film abliefert, gelingt es auch diese zu beantworten, macht den Film dabei jedoch völlig unnötig zu einer Geduldprobe für den Zuschauer.

Dominiks Werk ist zu dialoglastig geworden. Dominik versucht seine Charaktere tiefer zu konstruieren, gesteht den Gesprächen zwischen James und Ford enorm viel Zeit in seinem Film ein. Zwar gewinnen die beiden Figuren, besonders die des Robert Ford dabei durchaus Profil und Tiefgang, aber dies wäre auch bei einer kürzeren Laufzeit möglich gewesen. Im Endeffekt ist es jedoch leider so, dass sich manche Dialoge scheinbar wiederholen, andauernd sitzen Ford und James vor allem am Anfang und im Mittelteil um diverse Lagerfeuer und sinnieren über dieselben Themen.

Dominik versucht hierbei ein Kammerspiel aufzuziehen, um den Outlaw James und den enorm jungen Robert Ford, der den Anführer seiner Bande einerseits bewundert, ihn als Mentor, fast schon als Vaterfigur sieht, andererseits aber auch vom Neid zerfressen ist, das Kopfgeld erhalten will und Angst vor dem, mitunter unberechenbaren Ganoven empfindet. Leider gelingt es Dominik jedoch nicht das Psycho-Duell, das er nur andeutet, das Kammerspiel aufzuziehen, zu langatmig und monoton sind die Dialoge, teilweise fehlt sogar jeglicher Inhalt und so fällt der Spannungsbogen trotz der gelungenen Charakterkonstruktion leider eher dürftig aus. Immerhin enthält der Film einige interessante Fakten über James und Ford, aber auch diese hätten sich auf eine wesentlich kürzere Laufzeit differenzieren lassen können, so ist einzig und allein das Ende des Films wirklich unterhaltsam, an dem schließlich das Leben von Ford nach der Ermordung von James gezeigt wird.

Erzählerisch ist "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" also überaus schleppend und langatmig geworden und verlangt dem Zuschauer zu viel Geduld ab. Aber auch ansonsten macht Dominik keinerlei Eingeständnisse ans Mainstream-Kino und bleibt weit Abseits des Unterhaltungskinos Hollywoods, was dem einen oder anderen durchaus gefallen, bzw. imponieren mag, aber im Endeffekt schadet er seinem Film so mehr, als er ihm nutzt. So gibt es, obwohl es sich bei "Die Ermordung des..." um einen Western handelt keine Schießereien zu sehen, nicht einmal schnell geschnittene Momente. Selbst in der Szene, in der James schließlich getötet wird ist keine Spannung fühlbar, keine gespannte Atmosphäre vorhanden, weil sie einfach zu schleppend verläuft.

Immerhin überzeugt Dominik mit einigen gelungenen Landschaftsaufnahmen, damit, dass er seine starken Darsteller gelungen in Szene setzt, aber auch die gelungenen Aufnahmen von weiten Landschaften und Horizonten, Westernhelden und ihren Pferden verlieren irgendwann ihre Wirkung und Faszination. Die Filmmusik bleibt dabei nahezu gänzlich im Hintergrund und belebt das langatmige, monoton erzählte Geschehen leider kaum. Teilweise wirkt dieser Stil wohltuend ruhig, erinnert fast an Terrence Malick und seine Machart von beispielsweise "The New World", aber ein paar ambitionierte Versuche füllen keine 160 Minuten.

Brad Pitt, der neben Ridley Scott an der Produktion des Werks beteiligt war, leistet darstellerisch ordentliche Arbeit. Pitt schafft es durchaus seiner Figur Profil zu geben, stellt die verschiedenen Facetten von Jesse James dabei authentisch dar, so ist er sowohl als knallharter Verbrecher, als auch als ausgebrannter, abgehalfterter Quasi-Selbstmörder voll und ganz überzeugend. Dabei gelingt es dem, in dieser Rolle recht uncharismatischen Pitt leider nicht ganz die Präsenz zu entwickeln, die man sich von einem Jesse James erwartet hätte, wobei der Film natürlich nicht als heroisches, idealisiertes Denkmal für James angelegt ist. Casey Affleck, der für "Die Ermordung des..." seine erste Oscar-Nominierung verbuchen konnte, spielt ebenfalls ziemlich gut und stellt den, in der Gegenwart von James relativ reservierten, teilweise ängstlichen Ford gelungen dar. Dabei bringt er die zwiespältigen Gefühle, die Ford für James empfand ebenfalls gelungen auf die Leinwand, auch wenn er dabei mitunter etwas zu dick aufträgt und die Authentizität seiner Rolle teilweise aus den Augen verliert. Die Nebenrollen sind gut besetzt, so hinterlässt Sam Rockwell einen hervorragenden Eindruck, genauso, wie Zooey Deschanel, Sam Shepard und Ted Levine.

Fazit:
Dem einen oder anderen mag Andrew Dominiks Machart, fern ab der Stereotypen Hollywoods, weit ab der Genre-Grenzen durchaus zusagen, aber unterm Strich scheitert "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" leider an der langatmigen, schleppenden, wenn auch künstlerischen und optisch sehr gelungenen Inszenierung, die den Film leider seinen Unterhaltungswert kostet. In deutlicher Überlänge widmet sich Dominik der Beziehung zwischen Ford und James und den Gründen für den Mord an der Wild-West-Legende und verfällt dabei in monotone, viel zu lang geratende Dialoge, die auch von den guten Darstellern nicht mehr getragen werden können. Da das Kammerspiel, das er dabei aufzuziehen versucht ebenfalls keinerlei Spannung aufbaut ist der Film trotz der genannten positiven Aspekte schlicht weg langweilig und nur dem zu empfehlen, der viel Geduld und Ausdauer mitbringt und sich das über 160 Minuten ansehen will, was man genauso gut auf 90 hätte komprimieren können.

41%

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