Handlung
Vogelgezwitscher und Kirchenglocken - ein ländliches Idyll in Schweden. Gleich zu Beginn des Films mischt sich hierein eine Schwere, als die Kamera auf eine Beerdigungsszene zufährt. Die Tote wird als Opfer eines "schmutzigen Wassers", eines Verführers, den ein göttliches Strafgericht treffen möge, vorgestellt. Es ist die erst 17jährige Kerstin, die hier zu Grabe getragen wird. In der Rückblende, die den eigentlichen Inhalt des Films ausmacht, wird ihre Geschichte erzählt: Kerstin, Solosängerin im Kirchenchor, ist durch ihr Elternhaus und das Dorf geprägt von der streng evangelikalen, ja orthodoxen Bibelauslegung, die die Einflüsse der Stadt unter Generalverdacht stellt und jegliches weltliches Amüsement unter "Teufelswerk" einordnet. In dieser übersichtlichen ländlichen Welt trifft der frischgebackene Abiturient Göran Stendhal (Folke Sundquist) ein. Er soll sich in den Wochen bis zur Immatrikulation an der Uni auf dem Hof seines verwitweten Onkels Persson (Edvin Adolphson) erholen und dort in der Landwirtschaft mithelfen. Zunächst findet er das Leben im Dorf, wo man abends noch in der "guten Stube" zusammensitzt, und zur Gitarrenmusik Pfeife raucht, langweilig. Das ebenso hübsche wie zunächst scheue Bauernmädchen Kerstin (Ulla Jacobsson) erregt seine Neugierde. Seine Lust, beim Setzen der Kartoffeln zu helfen, hält sich zunächst in Grenzen. Dies ändert sich, als er erfährt, dass Kerstin, dieses für ihn zunächst noch geheimnisvoll unnahbare Mädchen, dabei sein wird. Sie neckt ihn, der sich bei der Feldarbeit zunächst ungeschickt anstellt, und flunkert ihm ein falsches Alter vor.
Eine Randfigur der Dorfgemeinschaft ist der geistig etwas behinderte Torsten (Erik Hell), ein stiller Einzelgänger ohne Familie, der bei Leuten aus dem Dorf, für die er Wassereimer schleppt, Aufnahme gefunden hat. Er hört die Reden des Pfarrers (John Elfström) vom drohenden Strafgericht, die seine Gedanken unablässig beschäftigen.
Die jungen Leute der Umgebung, in denen die Gehöfte weit auseinander liegen, wollen in ihrer Freizeit zu einer Laienspielgruppe im Schulgebäude zusammenkommen. Der Pfarrer, dem diese weltlichen Vergnügungen ein Dorn im Auge sind, hat jedoch das Gebäude verschlossen. Persson, der sich dem Einfluss der Kirche nicht zu sehr aussetzen möchte, stellt der Jugend kurzerhand eine ungenutzte, verwitterte Scheune auf seinem Grundstück zur Verfügung, die die Laienspielgruppe im Gegenzug instandsetzen soll. Sigrid (Irma Christenson), seine unverheiratet gebliebene Tochter, ist dagegen, der Laienspielgruppe die Scheune zur Verfügung zu stellen. Sie ist sehr auf Harmonie mit dem Pfarrer bedacht, möchte sich nicht seinen Unmut zuziehen. Dem Pfarrer ist die Jugend zu freizügig. Wer sonntags lieber Fußball spielt statt im Kirchenchor zu singen, findet vor seinen Augen keine Gnade. Tanz, Theater und Film sind für ihn schädliche Einflüsse.
Göran ist beim Theaterspiel nur halbherzig bei der Sache solange Kerstin nicht da ist. Silvia (Gunvor Portén), ein Mädchen aus dem Dorf, signalisiert ihm unzweifelhaft Interesse, doch auf ihr Werben geht er kaum ein, serviert sie wenig charmant ab, als Kerstin endlich nachkommt. Die Zuneigung der Beiden geht über ein sportlich-postpubertäres Flirtgehabe weit hinaus. Große Gefühle brechen sich ihre Bahn. Bei den jungen Männern aus dem Dorf macht sich Eifersucht auf Göran breit. Als Kerstin von einem Typen aus dem Dorf belästigt wird, lässt Göran, dem der Nebenbuhler Dreck in den Motorradtank gestopft hat, Fäuste sprechen.
Als am See Mittsommernacht gefeiert wird, schwelt unter der leichtfüßigen Feierlaune eine komplexere Gefühlslage. Göran singt in romantischer Stimmung für Kerstin und lässt sich dazu hinreißen, sie zu küssen. Sie, die große Angst vor der prüden Sigrid und ihrer nicht minder sittenstrengen Mutter hat, beantwortet den Kuss mit einer Ohrfeige und taucht unter. Kurz drauf erleidet der Onkel einen Unfall: Ein Autofahrer fährt wie besessen am Heuwagen, auf dem er sitzt, vorbei und macht das Zugpferd scheu. Als dieses durchgeht, fällt Persson vom Heuwagen und bricht sich das Bein. Er wird für die Ernte ausfallen. Sigrid, die nach dem Tod ihrer Mutter bereits früh Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernehmen musste, ist verzweifelt. Sie weiß nicht, wie nun die Ernte im kurzen schwedischen Sommer eingebracht werden soll. Den Unfall deutet sie als Strafe Gottes dafür, dass Persson den Jugendlichen die Scheune für ihr Laienspiel zur Verfügung gestellt hat. Göran, der sich dem Landleben mehr und mehr verpflichtet fühlt, bietet ihr an, ihr zu helfen und so schnell nicht in die Stadt zurückzukehren. Zu allem Überfluss tauchen auf einmal Helge, Marianne und Karin, seine Freunde aus der Stadt, auf und wollen ihn zu einem Urlaub in den Bergen abholen. Als er nicht mitkommen will, weil ihm sein Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem kaum genesenen Onkel wichtiger ist, machen sie sich über ihn und seine "Dorfliebschaft" mit dem von ihnen als altmodisch empfundenen Namen Kerstin lustig. Göran sucht Kerstin, die nicht zur Probe der Laienspielgruppe erschienen ist, auf. Sie reagiert unterkühlt und widerspenstig. Das Auftauchen der hochnäsigen Städter hat sie befremdet. Sie weiß nicht, auf welcher Seite er steht, lässt aber gleichwohl wieder seine Nähe zu und als er wegen eines heftigen nächtlichen Gewitters nicht mehr zum Hof des Onkels zurückkehren kann, nimmt sie ihn mit in die Scheune ihrer Eltern, wo sie heftig miteinander knutschen. Es passiert, was passieren muss: Die Mutter erwischt sie, beschimpft Kerstin als Hure und sorgt dafür, dass diese erst einmal aus dem Dorf verschwindet. Sigrid macht dem niedergeschlagenen Göran derweil Vorwürfe, er habe Kerstin schamlos zu einer Dorfhure gemacht, woraufhin dieser sich dazu hinreißen lässt, sie als unbefriedigte alte Jungfer zu bezeichnen. Die verletzenden Worte bereut er sofort. Sie erläutert ihm, warum ihr Leben so freudlos verlaufen ist: Beim Tod der Mutter war sie erst 13, musste ihre jüngeren Geschwister großziehen, hatte für unbeschwerte Jugendvergnügungen keine Zeit. Irgendwann war der Zeitpunkt für das eigene Liebesglück die Weichen zu stellen, verpasst. Sie blieb verhärmt, geprägt von den Moralvorstellungen des Pfarrers, zurück. Kaum hat Sigrid Göran gegenüber durchblicken lassen, dass Kerstin zu Verwandten in ein anderes Dorf geschickt worden ist, macht dieser sich auch schon auf den Weg, um seine große Liebe aufzusuchen. Das Wiedersehen ist voller Leidenschaft und Innigkeit. Beide scheinen sich während der Zeit der Trennung ihrer Gefühle füreinander noch sicherer geworden zu sein. Da sie sich nicht voreinander schämen, baden sie spontan nackt im See und haben anschließend Sex miteinander - eine perfekte Einheit der beiden Liebenden einerseits und von Raum und Zeit andererseits bestimmt die Szene.
Als sein Vater (Sten Lindgren) aus der Stadt auf den Hof (auf dem er geboren ist) kommt, um seinen Sohn zur Rückkehr zu bewegen, ist Göran entschlossen, dessen Appell nicht Folge zu leisten. Sein Vater gebärdet sich verständnislos, bezeichnet die Laienspielgruppe verächtlich als Kasperletheater. Widerwillig fährt Göran noch einmal in die Stadt, wo sein Vater weiterhin Stimmung gegen das Landleben macht. Kerstin, die er nicht kennenlernen will, ist in seinen Augen nur eine banale Sommerliebschaft. Görans Freunde, die gelangweilt Cocktails schlürfen, haben kein Verständnis für das größte aller Gefühle, welches Göran derzeit durchströmt. Als dieser bei einer Einführungsvorlesung im Hörsaal der Uni sitzt und nebenbei einen Liebesbrief liest, den er von Kerstin erhalten hat, wird ihm klar, dass es für ihn nur eine Entscheidung geben kann. Er verlässt den Hörsaal und gibt somit seine Immatrikulation preis.
Wieder auf dem Lande, erlebt er mit Kerstin einen überaus glücklichen Abend, denn sie beide spielen die Hauptrollen in dem Stück "Der Moorhofbauer", das in einem Gasthof aufgeführt wird. Die Scheune Perssons ist mittlerweile ein Raub der Flammen geworden: Der von den Strafgerichtspredigten des fanatischen Pastors ebenso verschreckte wie fehlgeleitete Torsten hat die Scheune - als Symbol für die angeprangerte Verderbtheit der Jugend - in Brand gesetzt. Kerstin und Göran, auf der Bühne wie im Leben nun ein glückliches Paar, werden im Gasthof umjubelt. Der im Publikum sitzende Onkel ist hellauf begeistert und freut sich von Herzen mit ihnen.
Spoileralarm
Jetzt will Göran seine Kerstin doch in die Stadt mitnehmen, ihre Beziehung bei einem Besuch unmissverständlich bekanntgeben. Auf seinem Motorrad sind sie ohne Helm unterwegs, als ein vermutlich betrunkener Autofahrer sie von der Fahrbahn abdrängt und zu Fall bringt. Der Fahrer begeht Fahrerflucht. Während Göran weitestgehend unverletzt geblieben ist, liegt Kerstin bewegungsunfähig im Straßengraben. Sie ist bei Bewusstsein, äußert, ihr Rücken sei gebrochen. Göran will Hilfe holen, doch das Motorrad fährt nicht mehr. Er bittet sodann einen Passanten, Hilfe zu holen, doch es ist schon zu spät. Kerstin verstirbt in seinem Beisein an Ort und Stelle. Die Verzweiflung und die Trauer bei Göran sind grenzenlos.
Der Film endet mit der Beerdigungsszene, mit der er begann. Der Pfarrer würdigt Kerstin in seiner Trauerrede als Opfer einer neuen, verderbten Zeit und wünscht dem "Verführer", der sich gegen das Leben versündigt habe, dass ihn das Gottesurteil treffe. Göran, der als angeprangerter Zaungast (nicht in Schwarz gekleidet) der Beerdigung beiwohnt, ergreift voller Entsetzen - ohne eine Wort des Trosts oder der Rechtfertigung empfangen zu haben - die Flucht an das Ufer eines Sees, wo er den Klang von Kerstins Stimme erinnert.
Persson ergreift am offenen Grab das Wort und findet jene wohltuenden Worte, die man von dem Geistlichen erwartet hätte: Dass es dem Menschen nicht zustehe, über andere zu urteilen und zu richten, sondern dass man einander in Verständnis und Liebe begegnen sollte. Der Lebenssinn sei in einer gelebten, erfüllten Liebe zu finden.
Wertung
Die ganz und gar nicht tröstend wirkende Parteinahme des Geistlichen für den zürnenden, richtenden Gott unter Auslassung der guten Nachricht des liebenden, Mensch gewordenen Gottes des Neuen Testaments erweist sich hier als ein Element, das in schwedischen Filmen unterschiedlicher Zeiten von Ingmar Bergmans "Fanny und Alexander" bis zu Fredrik Hillers "Psalm 21" immer wieder eine Rolle spielt. Schweden, das Land, das nach der Reformation als Land meisterlicher, methodisch mustergültiger Bibelübersetzungen Religionsgeschichte schrieb, wird hier als Land gezeichnet, in dem den Geistlichen das Evangelium von Liebe und Güte gänzlich abgeht. Schlimmer noch: Die Predigten vom gebetsmühlenartig heraufbeschworenen Strafgericht entpuppen sich als geistige Brandstiftung - dem geistig behinderten Torsten geben sie Impuls zu seiner fatalen Tat. Das Inakzeptable an diesem Geistlichen besteht bezogen auf die Handlung darin, dass er sich über die Liebe erhebt, sie als etwas Verwerfliches und Schmutziges anprangert anstatt anzuerkennen, dass sie der menschlichen Natur immanent ist. Natürlich ist Gott heilig und kann Sünde nicht dulden, doch ist das, was hier als Sünde angeprangert wird, tatsächlich Sünde? Auch lässt der Pastor jedweden Hinweis auf die Sündenvergebung in Christi Namen gänzlich vermissen. Mit befremdlicher Verbissenheit predigt er Heimsuchung und Verdammnis.
Dass das Ausklammern des Liebesbedürfnisses nicht glücklich machen kann, verkörpert Sigrid, die sich für Hof und Familie aufgeopfert hat, und - obwohl noch keine alte Frau - schon abgelebt hat. Dieser Handlungsstrang hätte sicherlich neben der Liebesgeschichte noch mehr ausgestaltet werden können, doch die Geschichte ist auch ohne den Einschub dieses Nebenaspekts tragfähig.
Die berühmt-berüchtigte Nacktbadeszene, gleich in mehreren Fassungen gedreht (die deutsche beinhaltete die Aufnahme des nackten Busens) ist von ebenso geschmackvoller wie souverän umgesetzter Erotik. Dass der Film in Schwarzweiß und die Szene im direkten Gegenlicht der Mittsommernacht gedreht wurde, trägt zur behutsamen Darstellung der ebenso intimen wie natürlichen Liebeshandlung maßgeblich bei. Zwar schrieb Autor Ekström unter Pseudonym auch handfestere erotisch-pornografische Erzählungen, doch in diese Szene schleicht sich kein schlüpfriger Zungenschlag ein. Unmissverständlich, aber nicht explizit in der visuellen Darstellung, thematisiert diese Szene den Verlust der Unschuld, der unvermeidbar ist, um womöglich eine zweite, andere Unschuld zu gewinnen.
Die Sequenz, die heute in jedem Nachmittagsprogramm gezeigt werden könnte, veranlasste damals neugierige Jugendliche, sich auf älter zu trimmen, um das erforderliche Mindestalter von 16 Jahren an der Kinokasse glaubhaft zu machen.
Viel bemerkenswerter als die Schlüsselszene, die von Vielen mit klammheimlich gehegten voyeuristischen Erwartungen goutiert wurde, aber ist das glaubwürdige Spiel der Hauptdarsteller Sundquist/Jacobsson (die zuvor schon in Göteborg zusammen Theater gespielt hatten). Sundquist war nicht nur in diesem Film ein Theaterschauspieler, sondern stand auch im richtigen Leben sowohl im dramatischen als auch im komödiantischen Fach vielfach auf der Bühne.
Der Film ist dahingehend sehr schwedisch geraten als er seine Bild- und Erzählkraft aus der heimatlichen Landschaftsdarstellung gewinnt (sehr gelungen ist zum Beispiel die Kamerafahrt durch das Schilf am Ende des Films). Der Mensch in seiner Landschaft als zentrales Element - wie beispielsweise auch in der Prosadichtung von Sara Lidman - wird auch bei dem Verfasser der Romanvorlage Per Olof Ekström, der sich an anderer Stelle auch essayistisch mit dem Thema Landwirtschaft auseinandersetzte, dargestellt. Vielleicht wurde bei vielen deutschen Kinogängern der damaligen Zeit - und den Lesern des "Stern", der den Roman damals abdruckte - das Schwedenbild geprägt, welches mit Sehnsüchten angereichert ist, aber keine übertriebene Romantik zulässt.
Arne Mattsson, einer der produktivsten, wenngleich in seiner Genrewahl nicht immer stilsichersten Regisseure Schwedens, wurde mit diesem Film international bekannt. Der Film spielt durchaus effektiv mit den Polaritäten zwischen Stadt und Land, umgeht aber nicht alle Allgemeinplätze. Mit der Symbolkraft der Bilder, wie es der unübertroffene schwedische Regie-Titan Ingmar Bergman tat, arbeitet er nicht, schafft es aber, die Härte und Eintönigkeit des Landlebens, die bereits damals für manch leerstehendes Gehöft und manche brachliegende Fläche sorgten, anklingen zu lassen.
Die melodramatisch aufgeladene Musik von Sven Skold (der "Torsten-Jingle" beginnt jedoch schnell zu nerven) wurde 1952 bei den Filmfestspielen von Cannes als beste Filmmusik ausgezeichnet. Außerdem erhielt der Film bei den Berliner Filmfestspielen von 1952 den Goldenen Bären.
(8/10)