Hiermit startet die spanische Horroranthologie aus der Reihe „Geschichten, die einen nicht schlafen lassen“. Und es zeichnet sich bereits beim ersten Beitrag ab, was diese Reihe im Verlauf auszeichnen wird: Spannende kleine Anekdoten, die mit intensiver Atmosphäre und kleinen Plot Twists aufwarten, ähnlich wie seinerzeit die besseren Beiträge von „Masters of Horror“.
Hier geht es um das junge Paar Juan und Sonia, die mit ihrem kleinen Sohn in ein altes, baufälliges Haus einziehen. Doch schon in der ersten Nacht übermittelt das Babyfon fremde Stimmen, der kurz darauf angebrachte Monitor neben dem Kinderbett lässt gar einen fremden Besucher auf dem Bildschirm erscheinen, - doch tatsächlich scheint sich kein Fremder im Haus aufzuhalten. Mit der Zeit reagiert Juan immer angespannter, so dass seine Frau mit Kind sogar kurzzeitig auszieht. Von einem Kollegen erfährt er, dass es sich bei dem Phänomen um eine Art Parallelwelt aus der Vergangenheit handeln könnte, doch es kommt alles ganz anders…
Regie führte kein geringerer als Alex de la Iglesia, der mit grotesken Komödien wie „Perdita Dorango“ oft hart ans Limit schwarzen Humors ging.
Das Horrorgenre steht ihm jedoch auch ganz gut, da der Film vom ersten Augenblick an eine angenehm düstere Atmosphäre verbreitet, die er bis zum Schluss aufrecht erhalten kann.
Dieser Infrarotmonitor zur Überwachung des Babys ist bereits ohne Dazutun einer Fremdeinwirkung ein gruseliger Anblick, wenn die Augen des Kindes wie Dämonenklüsen leuchten. Entsprechend fesselnder, wenn plötzlich ein Fremder neben dem Gitterbett sitzt.
Die Entwicklung der Hauptfigur erinnert dabei ein wenig an Kings „Shining“(auch Teile der musikalischen Untermalung), denn im Verlauf scheint der Familienvater schizophrene Züge anzunehmen und wie besessen von dem übernatürlichen Phänomen. Bis er schließlich sämtliche Überwachungsmonitore aus dem Warenhaus ersteigert, um Psi-Erscheinungen zu erspähen. Wobei in diesen Szenen die wechselnde Perspektive von Realität und Bildern aus dem „Baby Online“ sehr gut miteinander verknüpft wurden.
Angereichert wird die stimmige Gruselatmosphäre, die das alte Haus mit Unterstützung leichter Blaufilter aufweist, durch eine alte, weißhaarige Dame (von der man nicht so genau weiß, welche Funktion sie letztendlich hat) und einigen Standard-Grusel-Sounds wie Kinderlachen.
Zwar gestaltet sich das alles nicht ganz so mitreißend, weil die Geschichte an sich wenig Neues bietet, doch unterhaltsam ist das allemal. Auch wenn die Storywendung am Ende erahnbar ist, fügt sie sich clever umgesetzt in das flüssig ablaufende Gesamtgeschehen.
Die Darsteller liefern allesamt solide Leistungen ab. Positiv sticht Hauptdarsteller Javier Gutierrez heraus, der vom Profil her ein wenig an den jungen Anthony Hopkins erinnert und eine ansprechende und facettenreiche Vorstellung liefert.
Also, ein gelungener Einstieg der spanischen Horrorreihe, der folgenden Beiträgen in nichts nachsteht. Ein Gruselhaus, Gestalten, die scheinbar aus der Vergangenheit stammen und eine Parallelwelt, die eine kleine Überraschung parat hält.
Spannend, vor allem atmosphärisch und insgesamt kurzweilig.
7 von 10