Der zweite Film aus der spanischen Horroranthologie-Serie, „Spectre“, schlägt andere Töne als Alex de la Iglesias erster Streich „The Baby’s Room“, der Tenor ist melancholisch und ernst.
„Spectre“ könnte man natürlich ebenfalls mangelnde Originalität attestieren, denn die Story von dem alten Mann, der auf die Zusendung einer Tarotkarte hin in seiner altes Heimatdorf fährt, während der Zuschauer in Rückblenden eine tragische Liebesgeschichte aus seiner Jugend erzählt bekommt, ist nun wirklich oft genug abgearbeitet worden.
Überhaupt ist der übernatürliche Faktor recht klein, die Story um religiöse Vorurteile und kleinstädtischen Provinzwahn, zeigt lediglich die Verfolgung einer einsam lebenden Frau (weiß gekleidet) durch die hetzenden Dorffrauen (schwarz gekleidet), die ihren ledigen Stand neiden. Lediglich die Faszination, die sie offenbar auf viele Männer im Dorf ausübt, scheint nicht normal zu sein, jedoch ist außer sexuellen Begegnungen da nicht viel bei.
Dennoch hat „Spectre“ so seine Momente, in denen man kalte Schauer in Kauf nehmen muß, wird der alte Mann doch von einer bedrohlichen Figur verfolgt, die auf seiner Reise immer wieder auftaucht, eine annähernd menschliche Gestalt, die vollständig in kaputte und zerrupfte Mullbinden gewickelt ist und einer Mumie ähnelt.
Obwohl von der Figur keinerlei Aktionen ausgehen, macht ihr Erscheinen jedes Mal wach wie Kaffee intravenös und selbst die Tatsache, dass die Story nicht logisch aufgelöst werden kann (offenbar gibt es so etwas wie einen zeitübergreifenden Schnitt in einer der Szenen), kann die Wirkung nicht mindern.
„Spectre“ kommt ohne Blut aus und hat nur wenige Maskeneffekte vorzuweisen, wirkt aber besser als mancher stark getrickste Film, ist gut gespielt und entwickelt sich ruhig und ohne Hetze, macht dabei aber stets neugierig auf die nächste Wendung oder Rückblende.
Insgesamt ein starker, ruhiger Geisterfilm mit subtiler Strahlkraft für alle, die es nicht immer nur spritzen sehen wollen. (7/10)