Review

Zwischendurch mal wieder einen Teil der spanischen „Horror Anthology“, nach dem Babyfon kommt der alte Mann mit seinen Jugenderinnerungen, bevor Geisterkinder und Abtreibungen die Reihe fortsetzen.
In dieser Episode geht es vergleichsweise ruhig zur Sache, doch die Atmosphäre kann in jeder Hinsicht punkten und erinnert in manchen Momenten an klassisch erzählte Schauergeschichten.

Wir erleben den Autor Tomas, der nach über 40 Jahren in sein Heimatdorf in einer spanischen Provinz zurückkehrt. Die Tarotkarte der Liebenden hat ihn hierher gelockt, sie ist ihm als Jugendlicher schon einmal begegnet. Seinerzeit hatte er als 16jähriger eine verhängnisvolle Affäre mit der wesentlich älteren Moira, die im Dorf als Hexe verschrien war und die Verbindung nahm ein folgenschweres Ende.

Ruhig wird dieses kleine Schauermärchen erzählt, es wechselt zwischen Gegenwart, in der Tomas( erinnert in der Jetztzeit ein wenig an „Matlock“ Andy Griffith) in sein Heimatdorf zurückkehrt, Freunde von damals befragt und den damaligen Schauplatz des Geschehens aufsucht und Flashbacks, die den Hauptteil der Erzählung bilden.
Weniger interessant sind also gegenwärtige Unternehmungen der Hauptfigur, sondern aufschlussreiche Rückblenden, die die eigentliche Geschichte wiedergeben.

In dem Provinznest, in dem Tomas aufwuchs herrschte religiöser Fanatismus, die Frauen, vor allem seine eigene Mutter, glaubten fest daran, dass Moira, die abseits des Dorfes lebte, eine Hexe, eine Prostituierte sei, seitdem sie da wäre, gäbe es keinen Regen mehr und Tiere würden vermehrt verenden.

Doch die Jungs im Dorf interessieren sich für die mysteriöse Frau und über Umwege landet der junge Tomas im Haus der geheimnisvollen Schönen.
Daraus ergibt sich schnell eine Liebschaft, die einen tragischen Ausgang findet.
In der Gegenwart muss Tomas sich erneut damit auseinandersetzen und findet Furchtbares heraus.

Die Tatsache, dass während der Erzählung geschickt zwischen Gegenwart und Vergangenheit gewechselt wird, manchmal gar weich ineinander übergangen, gibt bereits Hinweise auf die Wendung gegen Ende.
Die Auflösung bleibt zwar weitestgehend der Fantasie und Interpretation des Zuschauers überlassen, doch meine eigene hat mir durchaus zugesagt.

Dabei kommt man im Verlauf ohne größere Schockmomente aus, ganz zu schweigen von Blutvergießen. Allenfalls eine in Mullbinden verpackte Geistererscheinung kann ein paar Adrenalinstöße verursachen, ansonsten setzt die Geschichte voll und ganz auf klassische Schauermomente, die im Zusammenspiel mit dem starken, ebenfalls klassisch gehaltenen Score wie eine Gruselverfilmung Edgar Allen Poes anmuten
Manch einer mag diese ruhige Vorangehensweise langweilen, hier sehe ich sie als eigentliche Stärke des Films an.

Der Kern der Geschichte ist zwar alles andere als innovativ, doch das Interesse des Zuschauers ist geweckt, sobald Gerüchte im Dorf herumschwirren und Tomas trotz aller Geheimniskrämerei Kontakt mit der geheimnisvollen Moira knüpft.
Man betritt eine verbotene, fast traumhafte Welt. Die Katze, die immer in ungünstigen Momenten Argwohn hervorruft, Moiras weißes Gewand und ihr Bedürfnis, nachts nicht von Tomas besucht werden zu wollen.
Wie eine Variante von „Hänsel und Gretel“ von Freud persönlich.
Man ahnt zwar, dass die Liaison kein gutes Ende nehmen wird, ist aber gespannt darauf, welchen Einfluss diese auf den heutigen Tomas haben wird und verfolgt die sympathische Erzählung mit regem Interesse.

Konsumenten, die an dieser Stelle eine Geschichte erwarten, die sie nicht einschlafen lässt (so wie es gerne im Vorspann der Reihe angekündigt wird), werden vor allem in Hinsicht auf den Horroranteil enttäuscht sein.
Vielmehr bietet der Film eine tragische Liebesgeschichte mit mysteriös bizarrem Ausgang und genau das hat mir gefallen.
7,5 von 10

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