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Zum Genre des Zombiefilms scheint seit George A. Romeros genreprägender Dead-Trilogie alles gesagt, hätte der Filmkritiker noch vor gut zehn Jahren behauptet. Doch dann war es auch der innovative Filmemacher Danny Boyle, welcher zusammen mit seinem Stamm-Drehbuchautor Alex Garland selbiges Genre wie mit einem Paukenschlag wieder aus seiner angestaubten Gruft ans kinematografische Tageslicht hievte. Mit 28 Days Later belebte Boyle den Zombiefilm wieder - inklusive zivilisationskritischer Untertöne und einem deutlich erkennbaren Einsatz von digitalen Aufnahmeverfahren, welche mit Realismus konnotiert werden.

Dass Akumi indes nur eine Randnotiz in dem scheinbar unsterblichen Genre darstellt, dürfte unbestritten sein. Allerdings eine sehr erwähnenswerte, da stilistisch sehr ausgereifte. In sieben Filmminuten erzählt uns Regiedebütant Moritz Mohr, zur Entstehungszeit des Films Werbefilm-Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg studierend, in faszinierenden Schwarz-Weiß-Bildern die Geschichte von der unangepassten Akumi, welche sich plötzlich einer ganzen Horde von Untoten mit einer Sichel erwehren muss und schließlich genau in der Anpassung an sie ihre Bestimmung findet.

Dass diese Botschaft oder Pointe keine wirkliche ist, kann man ebenso bemängeln wie Mohrs stilistische Selbstverliebtheit, die abseits aller künstlerischer Brillanz durchschimmert. Deutliche Einflüsse von Werbeclip-Ästhetik, der Realismus-Optik von 28 Days Later und Martial-Arts-Filmen aus den 70er Jahren sind unverkennbar. Wenn Akumi aus einem Hochhaus springt und in Zeitlupe fällt oder in einer Unterführung schnell geschnitten gegen Zombies kämpft, fällt die ästhetisierte Komposition dieser Szenen auf, die jedoch genau aus diesem Grunde unpassend euphemisierend wirkt und der apokalyptischen Grundstimmung von Akumi entgegen steht.

Schon zwei Jahre vor dem vielfach zitierten Grindhouse-Projekt von Tarantino und Rodriguez bedient sich Mohr in seinem Kurzfilm dem Stilmittel der künstlichen Alterung von Filmmaterial: Zwischen wackeligen Handkameraaufnahmen tauchen immer wieder kurze Sequenzen auf, welche mit Bildfehlern wie Kratzern und Schmutz versehen sind. Derartige Spielereien und diverse Zeitlupen-Effekte sowie gut choreografierte, ultrabrutale Actionsequenzen (aufgeschlitzte Leiber und zerschossene Köpfe) sorgen zwar für ein vordergründig - besonders optisch und inszenatorisch - ansprechendes Ganzes, verstellen aber den Blick auf die Beliebigkeit des bemüht sozialkritischen Überbaus.

Während Hauptdarstellerin Linda Chang ebenso wie die anderen Personen im Film stumm bleibt, erschlägt den Zuschauer der von Julia Haacke gesprochene, prätentiöse Off-Kommentar, welcher in der Ich-Perspektive die Geschichte von Akumi erzählt. Dieser wirkt deswegen gestelzt, weil er mit einem betont sachlich-wissenschaftlichen Gestus schlicht nicht zum Film passen will; von dem logischen Fehler, dass diesen retrospektiv eigentlich ein Zombie spricht, ganz zu schweigen. Auch die im Gekröse und der stilistischen Selbstverliebtheit untergehende Frage, welches Leben das bessere wäre, das von Zombie oder Mensch - eine Frage, die der Kurzfilm durch eine Monologpassage durchaus aufwirft -, bleibt unausformuliert. Mehr wäre hier tatsächlich einmal mehr gewesen. 

So hat sich Moritz Mohr letztendlich für die platte, aber populärere Variante des Zombiefilms entschieden, in der Horror- und Actionelemente dominieren, dramatische Elemente und soziologische Fragen eher nur unterschwellig mitschwingen. So steht Akumi am Ende Blade oder - besonders - Underworld (was die betont düstere und coole Optik angeht) näher als 28 Days Later. Sehenswert ist dieses 7-minütige Untoten-Spektakel aber auf jeden Fall (6/10).      

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