Review

Mit diesem Beitrag endet die spanische Horror-Anthologie unter dem Motto „Filme, die einem nicht schlafen lassen“ und in diesem Fall trifft das durchaus zu.
Denn anders als in den bisherigen Filmen setzt man hier stark auf hohes Tempo und Terror pur, was so viele tiefschwarze Wendungen mit sich bringt, dass man am Ende schon fast vor Zorn nicht schlafen möchte.

Im Kern steht hier eine Flucht durch ein abbruchreifes Mehrfamilienhaus, das sich am Stadtrand im Nirgendwo befindet. Die seit kurzem schwangere Krankenschwester Klara und ihr Freund Mario folgten einer Wohnungsanzeige im Briefkasten und prompt muss man vor der angeblichen Maklerin flüchten, die sich rasch als Psychopathin entpuppt.

Aus den 66 Minuten bastelte Regisseur Jaume Balaguero eine effektvolle Hatz mit einigen blutigen Szenen und spannungsreichen Momenten, die ohne lange Vorlaufzeit recht zügig in Gang kommt.
Nachdem Mario von der „Maklerin“ nieder geknüppelt wird, gibt es eine Flucht über die Regenrinne, Elektroschocks, weitere, bereits gefesselte „Mitbewohner“ in anderen Wohnungen, ein schreiendes Kleinkind, ein Handy, das in einem ungünstigen Moment losgeht, Festklemmen im Fahrstuhl und einen geschickt platzierten Zeitsprung, der den Betrachter am Realitätsgehalt des Vorangegangenen zweifeln lässt.

Die Terror-Frau wirkt aber auch derbe einschüchternd, die kann man sich in etwa wie die fanatische Mutter aus „Carrie“ vorstellen, nur mit mehr körperlicher Gewaltbereitschaft und unangenehm hohen Nehmerfähigkeiten.
Mario kann zwar auch einiges wegstecken, doch während einiger Szenen stellt der sich so tölpelhaft an, dass es schon fast wütend macht. Gleiches gilt für Klara, die während ihrer Flucht die grundlegend falschen Taktiken wählt, - sie hätte mit etwas Geschick nach zehn Minuten draußen sein können.

Aber irrationales Verhalten Flüchtender zählt ebenso zu den hinnehmbaren Aspekten, wie der ein oder andere Plot Twist, auch wenn er nicht immer einen Sinn ergibt.
Lediglich das Ende scheint ein wenig zu derb in die Richtung „Bloß keine Hoffnung zulassen“ konstruiert, was nicht nur derbe Logiklücken mit sich bringt, sondern auch ein Gefühl von leichter Unzufriedenheit im Raum stehen lässt.

Doch so simpel die Grundidee der Story auch ist, über inszenatorische Sorgfalt kann man sich kaum beklagen. Zwar wackelt die Kamera während einiger Temposzenen ein wenig zu heftig durch die Räume, doch eben diese erfüllen voll und ganz ihren Zweck, zumal das Haus von ständigem Regen und Gewitter umgeben ist. Da kommen die zahlreich platzierten Schaufensterpuppen ebenso gut zur Geltung, wie die alten, umrahmten Bilder in den Fluren.
Auch von außen wirkt das große und düster wirkende Gebäude alles andere als einladend, - das seit Jahren unbewohnte Haus punktet ganz einfach.

So bildet dieser Abschluss der spanischen Reihe vielleicht nicht unbedingt den Höhepunkt, doch sehenswert ist er, wie im Übrigen auch alle anderen fünf Beiträge, dennoch.
Es herrscht ein konstant hohes Tempo, man fiebert zuweilen derbe mit, nur gegen Finale will sich keine Zufriedenheit einstellen.
Insgesamt aber ein angenehm kurzweiliger Terror-Streifen, der definitiv eines klarstellt: Bei der zukünftigen Wohnungsbesichtigung unbedingt dessen Adresse bei Freunden hinterlassen, man weiß nie, was so genannte Makler vorhaben…
7 von 10

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