Die vierte Film aus der spanischen Anthologieserie „6 Films to keep you awake“ greift sich ein Thema, das auch in den „Creepshow-Comics“ funktioniert hätte und mischt sie mit einem Hauch Sozialkritik.
Wie schon in „Blame“ sind auch in „A Real Friend“ vom Arbeitsmarkt gebeutelte Mutter und Tochter Zentrum der Handlung. Und wie in „Blame“ manifestiert sich das Unterbewusstsein und schlägt seine Fänge in die Realität, wenn auch wesentlich unterhaltsamer.
Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist die junge Estrella, die sich gerne mit Horrorfilmen und der gängigen Literatur entspannt, da ihre Mutter lange arbeiten muß. Beide wohnen in einem sterilen und einsamen Apartmentkomplex, ein Musterbild der Isolation.
Die introvertierte Estrella erschafft sich aber ihre eigenen Freunde…
Auch diese Folge beginnt wieder relativ ruhig, startet aber wesentlich schneller durch, spätestens wenn der spanische „Leatherface“ (der dem US-Vorbild verblüffend ähnlich sieht) Estrella in einem Raum der Tiefgarage erstmals erwartet. Richtig abstoßend ist er trotz brummender Kettensäge nicht, der Horror entstammt hier aus der Leblosigkeit der Umgebung.
Natürlich sind die Monstren, die sich in Estrellas Nähe aufhalten, Ausgeburten ihrer Phantasie, was allen Sorgen macht und natürlich ahnt man, das da noch mehr dran sein muß. Immer mehr spielt sich der „Vampir“ in den Vordergrund, ein kahler Motorradfahrer, der zu den anderen gehört. Oder doch nicht? Schließlich ist da noch ein Kirchenmann, der einen Vampir verfolgt….
Letztendlich ist „A Real Friend“ auf Äußerlichkeiten angelegt, enthüllt dabei aber eine Zwiebelschale nach der Anderen. Fiktion oder Realität, wo beginnt das Übernatürliche, was ist echt und was nicht.
Spätestens, wenn es die ersten Toten gibt, verunsichert Enrique Urbizu sein Publikum zunehmend. Am Ende scheint alles in die Realität einzusickern, was vormals Phantasie war und gerät dann doch wieder zu Phantasie und Illusion.
„A Real Friend“ soll in erster Linie Spaß machen und verunsichern, dafür reichen aber weder Budget noch Inszenierung. Die Gruselmomente sind gelungen, ansonsten hat der Film trotz nur 73 Minuten Lauflänge einfach zu wenig Tempo. Erst am Ende, beim Aufmarsch der Monster (hier haben sogar Nosferatu und Pennywise ihren Auftritt), gewinnt das alles an echtem Drive, bis dahin gilt das Prinzip der langsamen Steigerung.
Mir persönlich ist der finale Plot-Twist schon zu abgedroschen, um mich noch zu überraschen, aber als urbaner Fun-Horror funktioniert der Film durchaus gut. (7/10)