Macht nur so weiter ihr Spanier, dann mausert sich eure „Horror Anthology“ bald zum Geheimtipp für alle Freunde klassischer Schauergeschichten, denn auch Ausgabe Vier hinterlässt einen positiven Eindruck.
Die Figurenkonstellation ist eine ähnliche wie im Beitrag „Blame“. Alleinerziehende Mutter mit Kind, die Thematik ähnlich gelagert, es gilt, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.
Die junge Teenagerin Estrella verbringt viel Zeit daheim, ihre Mutter Angela arbeitet lange im Krankenhaus. Ihr Alleinsein vertreibt sie sich gerne mit harten Horrorfilmen, wie dem Texas Kettensägen Massaker, bis ihr Leatherface eines Abends in der Tiefgarage begegnet, - mit freundlicher Gesinnung. Von da an ist der Mann mit der Kettensäge ihr ständiger Begleiter.
Doch schon bald taucht ein Vampir auf, der sich dem Mädchen gegenüber zwar freundlich verhält, aber irgendetwas im Schilde zu führen scheint.
So glaubt der Zuschauer zunächst, teilweise in einer Satire gelandet zu sein, Leatherface sieht dem Original zwar zum Verwechseln ähnlich, die Maske, die Frisur, Körperhaltung recht identisch, aber es wirkt schon ein wenig befremdlich, wenn er neben Estrella die Schulbank drückt und davon abgehalten werden muss, eine Mitschülerin zu tätscheln.
Natürlich geht man zunächst von einer regen Fantasie des Mädchens aus, denn ihr Umfeld nimmt Leatherface nicht wahr und auch der kahlköpfige Vampir auf dem Motorrad, (der auch gut eine Rolle in „Underworld“ verkörpern könnte), scheint nur von einem merkwürdigen Priester (oder Vampirjäger) wahrgenommen zu werden, der ihm auf den Versen ist.
Oder entstammen letztlich beide Estrellas blühender Fantasie?
Mit gelegentlichem Humor und ein paar Andeutungen auf diverse Horrorfiguren (fast surreal, wie der Clown mit den Luftballons immer mal kurz durchs Bild stapft) kommt zwar selten so richtig Spannung auf, aber die Atmosphäre stimmt, was diese spanische Horrorreihe ja auch bislang positiv kennzeichnete.
Der triste Wohnblock, in dem Estrella und ihre Mutter leben, das einsame Parkhaus, der um Freundlichkeit bemühte junge Pförtner, die merkwürdige kurze Einstellung, in der sich die Mutter im Krankenhaus nach vorne beugt, um mit einem gleichgültigen Gesichtsausdruck von einem Typen gepimpert zu werden (zumindest wirkt diese Andeutung so), ebenso sexuell gleichgültig Estrellas Klassenlehrer, der sich kurze Zweisamkeit bei einer Straßenhure erkauft und nicht zuletzt der einsame Badestrand, an dem Mutter und Kind am Wochenende Entspannung suchen.
Wie eine isolierte Welt, gleich der, in die sich Estrella zurückzieht, weil ihr zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.
So steigert sich das Geschehen in ruhiger Erzählweise von Mystik über imaginäre Freunde hin zum kurzen Psychothriller, um in den finalen Szenen zum puren Fun-Horror umzuschwenken.
Die Auflösung bietet zwar keine allzu große Überraschung, da man es sich hier ein wenig leicht gemacht hat, doch die Inszenierung des Ganzen ist durchweg ansprechend ausgefallen.
Die Musik ist wohlklingend, aber zurückhaltend, ebenso wie die Kamera, die nur in besonderen Momenten ein paar gelungene Perspektiven bietet, wie den Schatten eines Pentagramms aus der Vogelperspektive oder ein Close Up Estrellas Augen beim Betrachten eines Horrorfilms.
Da mag man über kleinere Filmfehler hinwegsehen, wie ein geschminktes Mädchen, das mit Lippenstift und Lidschatten schlafen geht oder ein Vampir, dem Kugeln offenbar nichts anhaben, dessen Spiegelbild aber kurz darauf sichtbar wird.
Doch insgesamt überwiegt einmal mehr der positive Eindruck, denn trotz des zurückhaltenden Tempos werden die knapp 73 Minuten nie langweilig.
Hat mich auch irgendwie an Stephen Kings „Katzenauge“ erinnert, im Speziellen die Episode mit Drew Barrymore, die einen Troll in ihrer Nähe vermutet und als zu fantasievoll abgestempelt wird.
Kann Zufall sein, aber der Name Stephen King und Ideen seiner Werke tauchen hier mehrmals auf…
7 von 10