Der fünfte Film der spanischen Horror-Anthologie „Six Films to keep you awake“ fällt wohl kaum unter die Kategorie Nervenmühle, ist aber ein schönes Beispiel dafür, wie viele Regisseure auf der ganzen Welt die amerikanischen Vorbilder studiert haben.
Francisco Plaza, Regisseur von „Romasanta“ feiert in „The Christmas Tale“ weniger den Horror ab, als vielmehr die Hollywoodvorbilder des jugendorientierten Films.
Fünf Freunde (sic!) sind es, die hier eine Einbrecherin in einem tiefen Waldloch finden und gefangen halten, um an ihre Beute zu kommen und dann mittels Voodooritual eine Dummheit begehen, die sie teuer bezahlen müssen.
Autor Luiso Berdejo hat wohl dabei vor allem „Stand by me“, „Die Goonies“ und Joe-Dante-Filme studiert, denn die Anleihen an diese Vorbilder sind sogar in nur 72 Minuten mehr als deutlich. Der kleine Junge, der „Karate Kid“ nacheifert (wie Data in den „Goonies“ James Bond), die Freundschaftsbande und das Ende der Kindheit, das Spiel mit den Versatzstücken verschiedener Filme.
Konsequent hält sich Plaza dabei an die kindliche Sicht der Dinge, im ganzen Film ist, abgesehen von der Einbrecherin, nicht einmal das Gesicht eines Erwachsenen zu sehen, die Kamera zeigt uns die uneinsichtigen alten Leute stets nur bis zur Brusthöhe und setzt sie als ignorante, kinderunwillige und desinteressierte Figuren ins Bild.
Die Kinder geben dafür Beispiele für erwachsene Verhaltensweisen, eine Mischung aus kindlicher Unschuld, unbewußter Grausamkeit und anderer Charakterzüge wie Gier, Rachsucht, Selbstaufopferung und Mitleid.
Plaza gelingt es dabei, den Kindern eine beeindruckende Mischung von sym- und unsympathischen Zügen zugleich zu verleihen, ohne auf direkte Filmklischees zurückzugreifen. Gleichzeitig lässt er die Kinder altersgerecht die Charakterzüge und Handlungen nach Vorbildern aus Film und Fernsehen zurückgreifen, weil es ihnen da (die Erwachsenen sind ja an ihnen nicht interessiert) so vorgelebt wurde, das es als Realität verstanden wird.
Konsequenterweise ist das Voodooritual, das zwei von ihnen an der Einbrecherin aus Spaß vollziehen auch aus einem (nachgestellten) Zombiefilm („Zombie Invasion“) nachgespielt, funktioniert aber zur Verblüffung aller nach dem Prinzip : alles ist möglich, man muß nur daran glauben.
Das alles ist interessant genug, um 40 Minuten frisch zu bleiben, ehe sich die ersten Horrorelemente einschleichen und der Zombie im Weihnachtsmannkostüm samt Axt auf Jagd geht. Kinderträumen entsprechend findet die Jagd in einem für die Wintersaison stillgelegten Vergnügungspark statt, wo ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel stattfindet.
Für Gore und Blut ist dennoch ein wenig gesorgt, jedoch wirkt alles recht überschaubar.
Um so intensiver wird es, wenn am Ende auf die letzten 5 Minuten praktisch doch noch eine bitterböse Pointe nachgeschoben wird, die sich die Amis in dieser Form vermutlich nie hätten erlauben können.
„The Christmas Tale“ ist somit ein modernes Märchen auf und über Film bzw. den Umgang damit, der zwar jetzt nicht permanent Horror verbreitet, aber dennoch in sich geschlossen eine eigene Welt aufbaut.
Nicht übermäßig originell, aber irgendwo zwischen latent moralisch und fabulierend. (7/10)