Bislang enttäuschte keine Ausgabe der spanischen „Horror Anthology“ und das wird sich mit der etwas anderen Weihnachtsgeschichte, dem fünften Beitrag der Reihe, auch nicht ändern.
Er liefert eine ansprechende Mischung aus Kinderabenteuer und Zombiejagd, - auch wenn letztere ein wenig unspektakulär ausfällt.
Der Film lässt die guten alten 80er noch einmal aufleben, denn unsere fünf 12jährigen Helden erleben im Jahre 1985, kurz vor Heiligabend folgendes: In einem Erdloch im Wald entdecken sie eine Frau in einem Weihnachtskostüm, sie ist leicht verletzt und kann sich ohne Hilfe der Kinder nicht befreien. Doch zur Rettungsaktion kommt es nicht, da einer von ihnen bei der Polizei ein Fahndungsfoto von ihr entdeckt. Demnach handelt es sich bei Rebeca um eine Einbrecherin, die 20 Mio. Peseten erbeutet hat. Um an das Geld zu kommen, lassen die Kinder sie in dem Loch hungern, nur dumm, dass zwei von ihnen ein altes Zombieritual durchgeführt haben, das die Gesetzlose zu einer axtschleifenden Untoten werden lässt.
Ja, in der Tat, es sind die Achtziger mit allem was dazu gehört: Die Kinder benutzen Funkgeräte, sind mit Bonanzarädern unterwegs, spielen „Senso“ und konsumieren neben „Karate Kid“ (inklusive Stirnband und Kranich-Technik) auch Zombiefilme, die die FSK nicht für ihr Alter freigegeben hat.
Man kupfert ordentlich bei den „Goonies“, „Stand by me“ und Konsorten ab, aber liefert dabei eine stellenweise witzige Mischung, die ausschließlich aus der Sicht der Kinder erfolgt.
So bleibt die Kamera beim Erscheinen eines Polizisten stets auf Sichthöhe der jungen Protagonisten und ist somit nur bis zur Brust zu sehen.
Die Stimmung pendelt ausgewogen zwischen Nachdenklichem und makaberer Heiterkeit, etwa, wenn die Gefangene im Loch laut flucht, um anschließend bitterböse zu Fall zu kommen und losjammert (erinnert ein wenig an Sigourney Weaver in . . . dreckig).
Nachdenklicher wird es, wenn es um Moral geht, denn die scheint nur beim einzigen Mädchen in der Gruppe vorzuherrschen, die zumindest versucht, der Gefangenen etwas Nahrung zukommen zu lassen.
Die anderen sind geldgierig, skrupellos und machen sich weniger Gedanken um den Verbleib der Diebin.
Passagenweise wirken einige Aktionen, manche Dialoge, etwas zu abgebrüht für 12jährige.
Auf der anderen Seite ist es eine wohltuende Abwechslung, dass Kinder zu Weihnachten eben nicht immer auf Gefühlsduselei reagieren und für drei Tage zu Gutmenschen mutieren.
Während in den ersten zwei Dritteln eine angenehme Abenteuerstimmung vorherrscht, schwenkt der Streifen in den letzten Minuten zum Zombieslasher um, obgleich, weil die potentiellen Opfer ausschließlich Kinder sind, zumindest nicht in Bild und Ton geslasht wird.
Da begeben wir uns auf ein temporeiches Katz- und Maus Spiel in einem saisonal bedingt leeren Freizeitpark, da sprüht die Axt funken und ein kleiner Splattereffekt kommt auch zum Einsatz, - ebenso, wie das Finale aus „Karate Kid“ seine Verwendung findet.
Ein vielleicht etwas schwacher Abgang, aber okay.
Danach ist es allerdings noch nicht ganz vorbei und die letzten Momente sind storytechnisch sogar ganz schön mutig, jedoch, in jeder Hinsicht konsequent.
Erwähnenswert ist noch die Einbindung des Streifens „Zombie Invasion“, mit dem dieser Film startet und auch mittendrin einige Ausschnitte liefert.
Hier geben sich drei wunderbar überzogen agierende Darsteller die Ehre, ein blondes Angsthäschen, ein muskulöser Cooler und ein weißhaariger Alter, der schließlich die Anleitung zum Zombieritual liefert, welches die Kinder auch durchführen, - nur nicht mit durchdachter Konsequenz („Ich konnte „Zombie Invasion“ nicht zu Ende sehen, meine Mutter hat ihn mit „Reich und schön“ überspielt“.).
So herrscht insgesamt weiterhin ein positiver Eindruck gegenüber dieser spanischen Horrorreihe vor.
„Xmas Tale“ bietet zwar weniger Horrorelemente, dafür mehr Abenteuer, kann damit aber ebenso gut unterhalten, wie die bisherigen Beiträge der Reihe.
Die Inszenierung ist mindestens solide, die Leistung der jungen Darsteller trotz leichtem Overacting auch. Der Score bringt beinahe voluminös ein ordentliches Tempo rein und letztlich darf gelacht und ein wenig mitgefiebert werden.
Und dass Baccaras „Yes Sir, I can Boogie“ mal eine so angsteinflössende Wirkung haben könnte, hätte ich auch nicht gedacht.
7 von 10