Nach zwei verblüffend intensiven Filmen der spanischen Reihe „6 Films to keep you awake“, schlägt der dritte Film andere Töne an, nämlich leisere.
Wer jetzt an jeder Ecke erwartet, das irgendwo ein Monster aus dem Schrank springt, wird hier enttäuscht sein, denn hier spielt die Schuld die große Rolle.
So ist denn „Blame“ auch mehr ein unheimliches Drama rund um eine gynäkologische Praxis, in der eine relativ arme Mutter mit Kind Unterschlupf bei einer Freundin findet. Die allerdings hat so ihre Marotten, denn einerseits ist sie ihrer Freundin mehr als nur zugetan, andererseits organisiert sie in ihrer Praxis illegale Abtreibungen.
Narcisco Serrador setzt hier auf eine ganz andere Art von Horror, nämlich die selbstgemachte. Dabei braucht der Zuschauer jedoch ebenfalls einen langen Atem, denn wie schon in Iglesia’s Beispiel „The Baby’s Room“ wird anfangs eine Menge zusammengeworfen.
Da ist das alte Haus mit der verschlossenen Tür, hinter der es poltert; homoerotische Spannungen, illegale Abtreibungen und moralische Bedenken, eine scheinbar verrückte überreligiöse Nachbarin und ein Dachboden, der uns nicht geheuer ist.
Das Übernatürliche bleibt dabei auf Andeutungen beschränkt, rollendes Kinderspielzeug, seltsame Geräusche, eine mysteriöse Blechdose, ein verschwundener Fötus.
Das alles ergibt eine bedrückende Atmosphäre, in der stete Unsicherheit herrscht, wohin sich der Film nun verlagern wird und worauf das alles hinaus laufen wird.
Alles nimmt erst Formen an, als die verzweifelte Mutter wieder schwanger wird und trotz Widerwillen sich das Kind entfernen lässt.
„Blame“ ist nichts für Freunde des Eindeutigen – im Gegenteil, am Ende ist man genauso schlau wie am Anfang, weil nicht so ganz sicher ist, was denn hier nun eigentlich geschehen ist. Gewalt fällt da weitestgehend flach, erst in den letzten fünf Minuten fließt hier Blut und das Finale lässt offen, ob alles Einbildung oder Schuldpsychose war und was als nächstes geschehen wird.
Ein bisschen fatal platt ist die offensichtliche Einstellung der Filmemacher contra Abtreibungen, denn deutlicher ist die katholisch-religiöse Haltung selten in einen Film geflossen oder gesagt worden, selbst die Schlußtitel weisen in diese Richtung.
Dennoch ein Film, über den man diskutieren kann und der durchaus seine Qualitäten hat, in der ersten Hälfte zur Spannungsfindung aber zu lange herummäandert. (6/10)