Aus der spanischen Reihe „6 Films to keep you awake“ stammt der Beitrag „La Culpa“, oder auch „Blame“.
Dem Titel gemäß dreht sich alles um Schuld und Schuldgefühle, um Verantwortung und um moralische Bedenken innerhalb einer gynäkologischen Privatpraxis.
Diese wird von der Ärztin Gloria betrieben, die soeben Ana und ihre Tochter bei sich aufgenommen hat. Ana hilft in der Praxis aus, assistiert Gloria aber auch bei illegalen Abtreibungen. Als Ana zum zweiten Mal schwanger wird, drängt Gloria sie zum Interruptio und nach starken Bedenken willigt sie ein. Von da an häufen sich merkwürdige Ereignisse im Haus und Töchterchen Vicky läuft mit einer merkwürdigen kleinen Kiste durch die Gegend…
Bluttriefenden Horror sollte man bei diesem kurzen Psychodrama nicht erwarten. Vieles wird nur angedeutet und in eine omnipräsente, unheimliche Atmosphäre verpackt, die durch die ausgezeichnete Musik hervorragend intensiviert wird.
Unheimlich ist bereits der Umstand, in einem Haus zu leben, das durch eine Tür mitten im Gebäude mit einem anderen Haus verbunden ist. Zunächst hört man hinter dieser Tür Klopfen und sieht leichtes Ruckeln. Später stellt sich heraus, dass sich direkt im Zimmer dahinter eine alte, bettlägerige Frau befindet, - ein angsteinflössender Gedanke.
Aber auch eher populäre Atmo-Szenen kommen zum Einsatz, wie das Kind, das auf dem Dreirad den Flur entlangfährt, oder der geheimnisvolle Dachboden mit allerlei Krimskrams.
Dazu kommen eindeutige Annäherungsversuche seitens der Ärztin, die auf andere Art und Weise Angst machen.
Eher schockierend wirkt die kaltschnäuzige Beseitigung der Föten in der Toilette, auch wenn das nie deutlich gezeigt wird, was sich da in der Fantasie des Zuschauers abspielen kann, könnte durchaus schlaflose Nächte bereiten, soweit reichen die Andeutungen aus.
Geschickt greift der Streifen diverse unheimliche Begebenheiten auf, nur leider werden im Verlauf einige davon komplett außer Acht gelassen.
Anas verschwundene Vorgängerin wird zwar von einem unbekannten Anrufer gesucht, war wohl auch wirklich dort, doch ihr Verschwinden wird nicht weiter erläutert.
Die bettlägerige Alte wird auch nur einmal erwähnt, die überaus gläubige Nachbarin verschwindet auch und letztlich konzentriert sich alles auf ein Ende, das etwas plump und aufgesetzt daherkommt.
Wirklich eindeutig ist dies zudem auch nicht und so kann man im Anschluss darüber diskutieren, was Abtreibung bei einigen betroffenen Frauen wohl auslösen möge.
Sicher ist aber, dass sich eben jene Betroffenen diesen Film nicht anschauen sollten, um mögliche Traumata zu vermeiden, denn einige Szenen wirken, auch ohne explizite Darstellung, recht eindringlich, was nicht zuletzt den beiden überzeugenden Darstellerinnen zu verdanken ist (selbst das Kind spielt brauchbar).
Wer sich gerne einer unheimlichen Atmosphäre ohne große Schockeffekte und Blutvergießen hingibt, ist mit „Blame“ ganz gut beraten.
Und wenn die Auflösung etwas direkter und eindeutiger ausgefallen wäre, könnte ich diesem spanischen Film glatt einen Geheimtipp attestieren.
So bleibt aber nur ein ansprechendes Horrordrama, das mit ein paar gut inszenierten Unheimlichkeiten punkten kann, nur leider mit dem Finale etwas an Qualität einbüßt.
7 von 10