Review

Als Klopapier noch keine Mangelware war 


„The Ghoul“ ist ein subtiler Gruselklassiker aus der zweiten Reihe seines Jahrzehnts und erzählt von einem verstorbenen Archäologen (oder zumindest Ägypten-Spezialist), der unbedingt mit einem mysteriösen Edelstein beerdigt werden will und dadurch scheinbar eine schaurige Wiederauferstehung feiert, die alle Erben, Gauner und Angehörige in Aufruhr und herzinfarktnahe Zustände treibt...

Der grandiose Boris Karloff als Reanimierter oder Quasi-Mumie, mehr Nebel als im herbstlichen London, eine knackige Laufzeit und exotischen Okkultismus - „The Ghoul“ hat genug auf der Habenseite, weswegen man sich fragt, warum der dezente „Schocker“ nicht berühmter und geschätzter ist, eher maximal als Geheimtipp gilt. Und so richtig erklären kann ich das auch nicht. Am ehesten liegt das wohl am (schon für damalige Verhältnisse) langsamen Aufbau, dem „Zu-Wenig-an-Monster“ und dem Fehlen echter oder gar ikonischer Horrorszenen. Hier kommt alles über Atmosphäre und Unwohlsein, über Neugier und Überraschung. Fast genauso viel oder gar mehr Murder Mystery ala Cluedo wie Universal-Gänsehaut-Treiber. Selbst wenn er an der Oberfläche eher nach Letzterem ausschaut. Die richtige Erwartungshaltung hilft bei dem Schätzen dieses kleinen, feinen Gems aber definitiv. Und sei’s nur, um Karloff dabei zuzusehen, wie er sich ein fieses Pentagramm in die Brust ritzt. Ein Gothic-Geheimtipp für geduldige, dem klassisch-subtilen, sogar minimal expressionistischen Grusel zugewandte Genregucker. 

Fazit: ein außergewöhnlich atmosphärisches „Mumien“-Edelsteinchen aus den einflussreichen, schwarz-weißen 30ern. Kein Klassiker wie die Universal- oder RKO-Meilensteine zu der Zeit - aber erstaunlich nahe dran, in vielerlei Hinsicht sogar fast moderner und packender. Eine eerie Entdeckung. Und Karloff ist eben Karloff, ein schleichende Legende. 

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