Review

Um 6:18 brummt ein Wecker, später noch einmal. Vielleicht ist dies der Anfangspunkt einer Folter in Endlosschleife: Der Hölle.
Doch dies herauszufinden, ist Aufgabe des Zuschauers, dem abverlangt wird, dem Titel gemäß in die dunkelsten Ecken der menschlichen Abgründe zu blicken.
Man ist also permanent damit beschäftigt, zu kombinieren und Zusammenhänge herzustellen, - das hält bei Laune und schürt hohe Erwartungen an eine Auflösung Richtung David Lynch, die letzten Endes leider nicht so ganz erfüllt wird.

Wir begleiten zwei Frauen, beide verkörpert von Thora Birch, die wie Glücksmarie und Pechmarie in einem Mindfuck erscheinen.
Susan Hamilton, die Blonde, erlebt goldene Zeiten mit ihrem Ehemann, einem tollen Haus und dem in naher Zukunft erfüllten Kinderwunsch durch Hormontherapie.
Karen Clarke, die Schwarzhaarige, lebt in einer heruntergekommenen Behausung, arbeitet beim Bestattungsunternehmen, wacht morgens mit blutigen Wunden ohne Erinnerung auf und wird von finsteren Personen angegafft.
Doch sie haben etwas gemein, denn beide leiden unter Alpträumen, in denen jeweils die andere im Mittelpunkt steht und beide bewegen sich im Visier eines Frauenmörders.

Genre-Vertraute werden sich direkt fragen, wer von den beiden real ist, wer eventuell schon längst als Geist umher irrt und wer am Ende überhaupt je existiert hat. Doch so leicht macht es einem Regisseur und Autor Ray Gower nicht, denn bis zuletzt erhält man lediglich vage Hinweise auf eine eindeutige Klärung parat.
Klar ist nur: Beide Frauen verbindet etwas miteinander und der Serienkiller ist der Schlüssel dazu.

Kontrastreich gestaltet sich jedoch die Skizzierung beider Schicksale. Susan, die Glückliche, lebt in einer hellen Umgebung, in der stets die Sonne strahlt, in der ihr fremde Menschen entgegen lächeln und in der es, bis auf die Alpträume und die Angst vorm Fehlschlagen der Hormontherapie, nur positive Energie zu geben scheint.
Richtig düster hingegen die Welt von Karen, sie wirkt fast so heruntergekommen wie ihre Behausung, im Bus zur Arbeit wird steht sie ständig im Interesse der Fahrgäste, denen man grundlegend nicht im Dunkeln begegnen möchte und selbst ein kleiner Junge auf einem verbrannten Autowrack (herrlich surrealistische Szene) macht ihr gegenüber eine eindeutige Geste.
Was beide Szenarien interessant erscheinen lässt, ist die Ausstattung der Settings, wie sie gekonnt und atmosphärisch eingefangen und von einer treffenden Sounduntermalung begleitet werden.

Daraus resultieren nicht selten bizarre, manchmal auch recht komische, teils makabere Momente. Etwa im Beerdigungsinstitut, als Karens dicke Kollegin einer männlichen Leiche mit Ständer diesen kurzerhand bricht, auf dass genug Platz im Sarg sei oder der blinde Cop mit Stock und Sonnenbrille, der, wie auch immer, in Sachen Frauenmörder ermittelt und nicht zuletzt die ältere Patientin, die breitwillig von Problemen mit ihrer Blase berichtet.
Andere Szenen spielen sich wie im Traum ab, weil formale Eigenschaften völlig außer Acht gelassen werden. So rät ein Hypnosetherapeut erst einmal das Symptom der Patientin, bevor die zu Wort kommt, an anderer Stelle steht eine Verstorbene vom Leichentisch auf und anderswo wird ein Schlüssel erbrochen, der später noch zum Öffnen einer enthüllenden Sache beitragen könnte.
Zuweilen schon ein wenig verwirrend, reihen sich viele groteske Situationen aneinander, wobei man lediglich weiß: Es gibt zwei Frauen, einen Serienkiller und Alpträume.

Leider kann die finale Auflösung die geschürten Erwartungen nicht so recht erfüllen, sie wirkt sehr weit hergeholt und reichlich fragwürdig in Bezug auf esoterische Belange. Einige Fragen bleiben ungeklärt und so mancher Aspekt wird der Deutung des Betrachters überlassen, sofern logische Erklärungen überhaupt ausreichen.
Infolgedessen wird der Spaß gegen Ende doch ein ganzes Stück gemindert.

Vielleicht ist hier eher der Weg das Ziel, der visuell beachtlich gestaltet wurde und von Thora Birch in ihrer Doppelrolle souverän, wenn auch zuweilen etwas unterfordert wirkend mit Leben gefüllt wird.
Mit leichten Anleihen zeitgenössischen Asia-Horrors ein über weite Teile ansprechender Stoff zum Miträtseln, dem leider mit der Auflösung ein wenig seines Potentials verloren geht.
6,5 von 10

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