In der Nacht, in der in einer Kirche 2 Frauen auf brutalste Weise zerstückelt werden, erlebt Susan ihren wohl schönsten 5. Jahrestag mit ihrem Mann. Susan führt ein unverkümmertes Leben, ist finanziell unabhängig, hat eine gute Arbeitskollegin und ein wunderschönes Haus. Eigentlich das Paradies auf Erden, wenn sie bloss nicht das Problem hätte Schwanger zu werden und seit Tagen von furchtbaren Alpträumen begleitet wird, in der sie in die Rolle einer Karen schlüpft. Karen, ebenfalls von Alpträumen begleitet, ist das komplette Gegenteil von Susan. Sie lebt in einer tristen, kalten und gemeinen Welt. Als Aussenseiter, schwarz gekleidet und als Arbeitsgehilfin in einer Obduktion scheint sie nicht sehr angesehen und bald scheint sie schon von dem Frauenmörder verfolgt. Oder will der doch bloss nur Susan töten? Die Grenzen zwischen Realität und Traum verwischen sich.
Klar ist, dass der Plot um verschachtelte Traumsequenzen und das Spiel mit dem Hin und Her, was Fiktion, Realität und Traum ist, alles andere als neu ist und auch das der Anfang gleich dem Ende ist, haben wir schon in vielen anderen Filmen bewundern dürfen. Aber es ist eben so: Dark Corners ist schlichtweg interessant und packend, auch wenn es nur darum geht, für den Zuschauer selbst, unterscheiden zu können, was nun Realität ist oder eben der Traum. Die Übergänge von der scheinbar schönen Welt in die schmutzige und abgefuckte Welt Karens ist visuell meisterhaft gelungen, allein die verschachtelten Traumsequenzen verwirren den Zuschauer schonmal grundlegend, was den Film ohnehin schon interessant macht. Doch ein Problem habe ich bei solchen Filmen immer? Ist die entstehende Spannung bloss der Wunsch, den Gesehenen Schwachsinn verstehen zu können oder eben doch berechtigt? Wird der Film interessant weil er verwirrt, weil man sich im Kopf selbst Lösungen ausdenkt oder ist er doch einfach bloss vollkommen wirr zusammengeschusteter Mysteriemumpitz? Nein, Dark Corners lässt schon relativ früh erkennen worin die Intention des Filmes besteht, doch das muss der Zuschauer selbst für sich erkennen. Doch sobald man sich in seinem Glauben ertappt des Rätsels Lösung endeckt zu haben, wird man mit der halben Wahrheit konfrontiert. Das nennt man dann wohl verwirrende Schlusspoiente. Dark Corners ist mit Sicherheit ein Film der solide unterhält, der zwar storymäßig das Rad nicht neu erfindet, aber im wesentlichen auch nichts verkehrt macht. Technisch und visuell bringt der Film einiges daher. Zwischen idyllisch anmutenden Scheinwelten wechselt er gekonnt in den Abgrund der menchlischen Seele, die Welt der Karen, oder doch eben bloss die fürchterliche Welt der Karen, deren innerlicher Abgrund die Welt Susans ist. In wahrhaft düster anmutenden Bildern und fasadenhafter Schönheit wird der Film situationsgenau von erdrückenden Klängen begleitet. Manchmal eben zu schön, dass es in diesem Moment einfach bloss herrlich morbid und grotesk wirkt. Und das macht die Qualitäten des Filmes aus. Schauspielerisch ist hier ebenfalls nichts zu bemängeln, vorallem Susan und Karen in ihrer Doppelrolle sind schlichtweg grossartig. Und selbst als Gorehound kriegt man hier was zu sehen.
Fazit:
Ein morbid grotesker und intelligenter Film, der verwirrt, aber eben auch das Rad in Sachen Story nicht unbedingt neu erfindet. Trotzdem durchgehend spannend, unterhaltsam, bedrückend und visuell anziehend.
GEHEIMTIPP
84%