Whatever happened to Thora Birch?
Einst war die Jungmimin ja gefeirt für ihre Rollen in "Ghost World" oder "American Beauty", doch seit einigen Jährchen trifft man sie nur noch in billigen Horrorfilmen an, wo man mit ihrem Namen über dem Cover noch ein paar Dollar machen kann.
So ist das Rauschen im Blätterwald in diversen TV- und Filmzeitschriften zu Werken wie etwa "Dark Corners" auch ein munterer Faustschlag aufs Maul für jeden echten Horrorfan, der sich etwas Originelles von seiner DVD-Premiere erwartet.
Aber gehen wir ruhig kurz darauf ein: Ray Gowers Film scheint ja so verstörend und desorientierend, das man ihn wohl als spannend empfinden muß (auch das David-Lynch-Paradoxon genannt, denn das stimmt nicht!).
Frau Birch (der man übrigens nicht vorwerfen kann, für wenig Geld nicht engagiert zur Sache zu gehen) spielt in diesen "dunklen Ecken" hier nämlich gleich zwei Rollen, einerseits die eines gebleichten Blondbrötchens mit Traumtyp, das unbedingt mal geschwängert werden will und in einer pinken Butze residiert und die einer brünetten Leichenwäscherin, die in einem Appartment residiert, das nur unwesentlich über dem gängigen "SAW"-Hygienelevel für Todesfallen liegt.
Beide existieren offenbar parallel, denn wenn die eine in ihrer Welt einpennt, wacht die andere offenbar auf und dazu gibt das komplett vogelwilde Skript ungefähr 45mal Gelegenheit in 90 Minuten.
Natürlich ist die Chose noch dolle übernatürlich und extrem bedrohlich: die blonde Susan marschiert nämlich wegen ihrer schwangerschaftsgefährdenden Alpträume zu einem Hypnotherapeuten (die offensichtlichste Wahl: Ex-Bond-Fiesling Toby Stephens), während die die brünette Karen sich von seltsamen Gestalten und einem meuchelnden Kapuzenkiller verfolgt sieht, der sich durch ihre Nachbarschaft häckselt.
Mit todernstem Gesicht gespielt, hätte das vielleicht noch halbgar mysteriös funktioniert, aber hier war Schmalhans Küchenmeister, also ergeht man sich in Dauerwechseln, banalen Dialogen aus der untersten Schubladen und billigen Offensichtlichkeiten, die Realitäten zu verfremden. Karens Boß sieht aus wie Bela Lugosis reanimierte Leiche, im Bus krabbeln diverse Gaffer ständig in sie rein und überhaupt ist das Leben die Hölle, was man schon nach fünf Minuten in der unwirklichen Möchtegern-Vorhöllen-Umgebung kapiert hat, was der Film aber nicht aufhört zu betonen.
Susan dagegen ist dolle knuffig, ihr Typ noch knuffiger und nach einer Hormonbehandlung und künstlichen Befruchtung (Kreissaal, Nadeln, Gesichtsmaske, irre Visionen) hat sie diverse Embryonen im Leib, die ihr der Reihe nach wieder flöten gehen.
Was das Ganze soll? Das darf natürlich nicht verraten werden, denn die so flüchtig an den Schluß montierte Pointe ist so transparent, das man im Anschluß erstmal lang und breit diskutieren darf, was der Mummenschanz denn nun sollte - entnervt hab ich irgendwann zu Theorien von einschlägigen Filmseiten gegriffen, die wenigstens halbwegs einleuchtend erscheinen, wenn auch nicht unbedingt logisch.
Goyer setzt hier offensichtlich auf den Irritationseffekt, verfremdet, schmeißt alles in die Waagschale, was bedrohlich sein könnte und hofft, daß sich der typische Videothekengänger von seinen Urängste und Geschmäckern beeindrucken läßt: düstere Filter, Lagerhauslandschaften, Dreck in jeder Ecke, Blut, Schläge, ein bißchen Gewalt, sexuelle Angst, scharfe Klingen, das Gefühl des Ausgeliefertseins und Identitätsverunsicherung durch stete Desorientierung.
Der Durchschnittsgenrefan findet das bestimmt solide über par, weil er mal nicht nach fünf Minuten auf die Lösung kommt, aber das wirre Hin und Her ist irgendwann so nervend und die Dialoge so schlecht, daß man kaum noch auf die dollen roten Heringe achtet, die parallel in beiden Welten ausgestreut werden, um die Schlußpointe zu erklären. Wäre das ein Amateurwerk gewesen, hätte ich sogar zugestimmt, aber für eine solide Produktion ist der Handlungsbogen einfach zu banal und repetititv, tritt auf der Stelle und bietet kaum Überraschungen - wenn auch die scheinbar sinnfreie Einbindung eines blinden Polizeibeamten ein netter Zug war.
Schlußendlich ist "Dark Corners" zu selbstverliebt in die gewollte Fremdartigkeit, trägt ständig zu dick auf und ist zu offensichtlich künstlich, um wirklich beklemmend zu sein - stattdessen wird es streckenweise unfreiwillig albern wie im absurden Theater, bei dem der nötige Rest Realismus einfach durchs Fenster ging und die artifizielle Abgehobenheit des Banalen jegliche Bodenhaftung verlor. Ermüdend gewollt raffiniert. (3/10)