Es ist nicht selten, dass Autoren Inspiration aus Elementen ihres eigenen Umfelds schöpfen, und Stephen King bildet da keine Ausnahme – im Gegenteil: Auffallend viele seiner Hauptprotagonisten sind Schreiberlinge (siehe „Shining“, „Misery“, „Stark“ etc), oftmals dient sein Heimat-Bundesstaat Maine als Setting der sich entfaltenden Ereignisse. Auf „the Road Virus heads North“ treffen diese beiden Merkmale ebenso zu, ferner ist King selbst im Besitz eines dem Titel-gebenden Kunstwerk ähnelnden Exemplars, für das seine Familie die eigene Begeisterung nicht zu teilen vermochte. Beim Betrachten manch einer aufgezeigten Situation, besonders am Anfang der Episode, lässt sich förmlich nachempfinden, was ihm beim verfassen durch den Kopf gegangen sein muss…
Richard Kinnell (Tom Berenger) ist ein Schriftsteller, der es dank seiner erfolgreichen Horror-Romane zu einem solchen Grad an Berühmtheit gebracht hat, dass seine treusten Fans keine Sekunde zögern, sich seinen Namen per Tattoo auf ihrer Haut zu verewigen. Aktuell hat er allerdings andere Sorgen, als sich über die stets gleichen Fragen zu ärgern, die man ihm jedes Mal bei Promo-Veranstaltungen präsentiert, wie woher er eigentlich seine Ideen schöpft oder ob ihn inzwischen nichts mehr zu erschrecken vermag – die endgültige Diagnose eines Arztes nach einer Koloskopie bedarf zwar noch weiterführenden Tests, doch sicher ist, dass man bei der Untersuchung etwas gefunden hat, vermutlich ein Tumor. Da die Krankheit innerhalb seiner Familie bereits häufiger aufgetreten ist, macht er sich wenig Hoffnung, dass es sich letzten Endes nicht als Krebs herausstellt – dementsprechend viel beschäftigt ihn innerlich während des längeren Wegs von Boston zurück nach Derry. Bei einem Tankstopp in der kleinen Ortschaft Rosewood erweckt ein „Yard Sale“ seine Aufmerksamkeit, worauf er sich die Zeit nimmt, die angebotenen Gegenstände mal genauer zu betrachten. Abgesehen von einer alten Paperback-Ausgabe eines seiner Veröffentlichungen mit einem Portraitfoto aus „verstrichenen Zeiten“ auf der Rückseite, fällt ihm ein bestimmtes (düsteres) Gemälde ins Auge, das sogleich eine gewisse Faszination auf ihn ausübt. Zu sehen ist ein aus einer schrägen Perspektive heraus dargestelltes Muscle-Car mit einer Gestalt am Steuer, die eisig und entschlossen dreinblickt. Judy (Marg Downey), die Veranstalterin des Verkaufs, welche ihren berühmten (potentiellen) Kunden prompt erkennt, erklärt ihm, dass das Werk eine interessante, dunkle Vergangenheit besitzt: Ein junger, drogenabhängiger, depressiver, nichtsdestotrotz unglaublich talentierter Künstler namens Bobby Hastings hatte das Bild gemalt, bevor er irgendwann plötzlich all seine Erzeugnisse (bis auf dieses) zusammentrug und verbrannte – im Anschluss erhängte er sich, einen an der Brust befestigten Zettel tragend, auf dem „I can’t stand what’s happening to me“ geschrieben stand. Zufrieden mit seinem Fund, verstaut er diesen auf der Rückbank seines Bentleys und setzt die Heimreise fort.
Als nächstes stattet er seiner Tante Trudy (Marsha Mason) einen Besuch ab, welche von seinem Neuerwerb alles andere als verzückt ist und ihm den Rat gibt, das hässliche Teil so schnell wie möglich wegzuwerfen. Das kann Richard nicht wirklich nachvollziehen, doch beim erneuten Betrachten hat er irgendwie das Gefühl, es habe sich leicht verändert – das Grinsen des Fahrers wirkt auf einmal viel bösartiger, eine auffällige Tätowierung bemerkt er zum ersten Mal. Muss wohl an den unterschiedlichen Lichtverhältnissen liegen, denkt er sich und bricht zu seiner nächsten Station auf – es gilt, den bei seiner Ex-Frau Sally (Susie Porter) in Pflege gegebenen Hund abzuholen. Fast schon dort eingetroffen, wirft er abermals (per Rückspiegel) einen Blick auf die gerahmte Malerei und verursacht in Folge dessen vor Schauder beinahe einen schweren Unfall, da sich das Motiv scheinbar, anstelle der ehemals wärmeren Farbtöne eines Sonnenuntergangs, hin zu einer nächtlichen Impression gewandelt hat. Erschrocken wirft er es in den nächsten Bach und trifft, trotz etlicher Schäden am Wagen, kurz darauf (leidlich) gefasst bei Sally ein, die sogleich das bizarre Kunstwerk auf seinem Rücksitz entdeckt – es ist wieder da, ein blutiges Szenario aufzeigend! Den anschließenden (minderschweren) Nervenzusammenbruch Richard´s behandelt sie folgend mit einem erholsamen esoterischen Heilverfahren, der Stein des Anstoßes wird entsorgt. Nur dürftig beruhigt, gibt er ihr Geld und bittet sie, die Nacht doch tunlichst woanders zu schlafen, worauf er das letzte Stück der Fahrt hinter sich bringt und endlich daheim ankommt. Eine heiße Dusche liefert auch nicht die erhoffte Entspannung, weshalb er sich dem Fernsehprogramm zuwendet: Schockiert muss er so allerdings aus den Nachrichten erfahren, dass Judy auf grausame Weise ermordet wurde – und dann wird er schlagartig auf das betreffende Gemälde aufmerksam, wie es, von der Illustration her wiederum eine andere Gestalt aufweisend, an seiner Wohnzimmerwand hängt…
„the Road Virus heads North“ erzählt eine verhältnismäßig simple, gradlinige Geschichte mit einer coolen Prämisse: Das verrückte Genie eines Künstlers lebt in seiner einzigen noch existierenden Arbeit weiter – eine unheilschwangere, intensive Verbindung, die einen Ansatzpunkt benötigt, um zu bestehen. Kinnell ist genau dieser, denn seine morbide Fantasie ähnelt jener von Hastings – beide lebten sie diese aus, indem sie etwas aus ihrem geistigen kreativen Pool gewannen und erschufen. Der Kauf besiegelt diese Verkettung, welche sich auf keinen Fall mehr unkompliziert, beispielsweise per Beseitigen des Bildes, trennen lässt. Das Gemälde weist Bobby´s Geist die Richtung und offenbart Richard im Gegenzug die Position seines Verfolgers – die Konfrontation rückt stetig näher, ist unausweichlich sowie zu einer Frage des Schicksals geworden. Es wird die Vermutung in den Raum gestellt, der Killer sei eine Manifestation der Krankheit, welche wie ein Virus in ihm wuchert – sprich: die Sorgen um sein Leben lösen diesen Geisteszustand aus. Vielleicht verliert er langsam den Verstand und ist gar selbst für alles verantwortlich? Im Rahmen einer Vision treffen sie jedoch direkt aufeinander, deutlich vor ihrer ersten „leibhaftigen“ Begegnung, und Hastings verneint diese Theorie vehement, bezeichnet sie als reine Gedanken-Ausgeburt seiner Ego-Bezogenheit: Nein, er verkörpere Furcht – speziell die in Kinnell brodelnden Ängste. Dabei belassen es die Verantwortlichen dieser „Nightmares and Dreamscapes“-Folge – nur könnte man ja trotzdem diesen Ansatz (für sich persönlich) aufgreifen und fortführen, zumal er dem Kontext durchaus zusagen würde, u.a. weil am Schluss keineswegs alle mit den Geschehnissen in Zusammenhang stehenden Fragen bzw Details explizit geklärt werden. Im Endeffekt ist es aber nebensächlich, ob es sich bei ihm nun um eine Personifizierung des Krebses oder des Grauens angesichts der bevorstehenden gesundheitlichen Konsequenzen handelt – entscheidend für den Verlauf ist diese Differenzierung nicht.
In mehr als 30 Jahren vor der Kamera hat Tom Berenger (“Platoon“/“Sniper“/“Major League“) zweifellos genügend Erfahrung verinnerlicht, um einen Part wie diesen hier routiniert über die Bühne zu bringen, was ihm dementsprechend gut glückt. Hauptsächlich im ersten Akt gelingt es ihm, seiner Figur die nötige Tiefe zu verleihen, was ihm später weniger abverlangt wird, da die leiseren Töne schwinden und ihn das kontinuierliche Reagieren auf die merkwürdigen Umstände zunehmend in eine passivere Rolle drängt. Das Bewusstwerden der eigenen Sterblichkeit, und das als jemand, welcher mit Ansehen und Geld gesegnet ist sowie normalerweise im Zuge seiner Arbeiten selbst Entwicklungen vorherbestimmt, meistert er überzeugend. Es erfordert keine weiteren Tests oder tröstende Worte – ihm ist sofort klar, dass seine Zeit abläuft und er dieser Vorsehung hilflos ausgesetzt ist. Trotz etlicher Fehler hat er sein Leben immerhin nicht verschwendet – nur wurde ihm die Selbstbestimmung über seine Zukunft jetzt von einer Minute auf die nächste genommen. Marsha Mason (“2 Days in the Valley“/“Bride & Prejudice“) verrichtet ihren Job genauso anständig wie Susie Porter (“the Monkey´s Mask“/“Better than Sex“), nur erhalten ihre Charaktere jeweils weder viel Raum noch Screen-Time, so dass sie insgesamt eher positive Randerscheinungen bleiben. Den untoten Maler verkörpert übrigens Hamish Michael (TV´s“the Secret Life of Us“), was sich weitestgehend darauf beschränkt, bedrohlich zu Posen. Wenigstens werden seine Auftritte nicht überreizt und konservieren somit die von seiner Gestalt ausgehende geheimnisvolle Aura.
Unterschiede zwischen King´s Vorlage und Peter Filardi´s (“Flatliners“/“the Craft“/“Salem´s Lot“ 2004) Adaption beschränken sich primär auf hinzugefügte Story-Facetten, die vornehmlich dazu dienen, Kinnell´s Wesen mit mehr Substanz anzureichern (wie etwa im Bereich der Beziehung zu Sally), was leider auf Kosten des Tempos geschieht. Zirka eine Viertelstunde kürzer wäre wahrscheinlich optimaler gewesen, einfach um einen strafferen Ablauf zu gewähren. Ich hätte mir einzelne Momente zudem bösartiger, stärker in Richtung einer „Tales from the Crypt“-Episode gewünscht. Die Inszenierung von Regisseur Sergio Mimica-Gezzan (u.a. Teile der Serien „Taken“, „Prison Break“ und „Invasion“), welche diverse stylisch ins passende Licht gerückte Sequenzen umfasst, orientiert sich evident (Farbtöne, Kameraarbeit etc) an modernen Horror-Thrillern á la „I know what you did last Summer“ oder „Amityville Horror“ (2005), was der ganzen Sache, zumindest wenn es darauf ankommt, einen stimmigen Look verleiht.
Neben der Optik, Tom Berenger sowie der Ausgangsidee, gefielen mir vor allem die anfänglichen Seitenhiebe auf den Fan-Kult, denn jene Anhänger interessieren sich gar nicht (mehr?) richtig für das, was Kinnell eigentlich zu sagen hat, sondern stellen bloß dieselben oberflächlichen, banalen Fragen immer und immer wieder. Außer der geringfügig aufgebauscht wirkenden Laufzeit, die einige unnötige, den Erzählfluss ausbremsende Zugaben (z.B. das „reinigende“ Ritual) beinhaltet, war ich von der Motivgestaltung des Gemäldes leicht enttäuscht, welches mich eher an die Aufmachung eines x-beliebigen Comics erinnerte – es war mir schlichtweg nicht creepy oder verstörend genug. Ich kann mir vorstellen, dass im Buch die Phantasie des Lesers reichhaltig angeregt wird, sich die Details im Geiste auszumalen, nur funktioniert das im Film leider nicht ganz so einträglich. So bleibt am Ende eine mäßig spannende, relativ lineare Geschichte über einen Schriftsteller, der sich mit seinen inneren Dämonen auseinandersetzen muss, welcher es jedoch etwas am rechten Biss mangelt … 5 von 10 (mit einer Tendenz hin zur „6“)