„Crouch End“ war neben der Geschichte mit den fiesen Kröten meine Lieblingsstory aus der Kurzgeschichtensammlung „Abgründe – Nightmares and Dreamscapes“. Umso mehr freute ich mich natürlich auf eine Verfilmung, umso skeptischer wurde ich aber, nachdem ich ein paar Rezensionen der Serie vorab las, die allesamt diese Episode zu einer der Schlechtesten der Reihe erklärten.
Die Geschichte des amerikanischen Pärchens, das sich während der Flitterwochen in London in dem mysteriösen Stadtteil Crouch End verläuft, funktioniert primär nicht über bildlich darstellbares Grauen, sondern eher durch unangenehme Gefühle die vermittelt werden. Schleichend stellt sich ein der Horror ein und die Realität beginnt sich mehr und mehr zu verzerren. Diese Gefühle für den Fernsehzuschauer glaubhaft und nachvollziehbar rüberzubringen ist schier ein Ding der Unmöglichkeit. Dennoch halten Farbfilter und geschickter Schnitt zu Beginn das Versprechen, eine adäquate Umsetzung zu liefern. Und bis zu zwei Dritteln der Laufzeit ist man auch sehr, sehr nah an der Vorlage. Doch schon hier fallen einige geradezu peinliche Maskeneffekte auf (die Katze wurde völlig verschenkt). Gegen Ende wird diesbezüglich jedoch dann der sprichwörtliche Bock abgeschossen.
Hat man sich jedoch mal an den Gedanken gewöhnt, dass es hier um einen zwar gut produzierten, nett gefilmten aber nichtsdestotrotz Over-the-top-trash-Beitrag handelt, kann man mit „Crouch End“ durchaus seine Freude haben. Alle gänsehauterzeugenden Elemente der Geschichte wurden eingebracht (die Verweise auf ein mysteriöses Massensterben, die okkulte Vergangenheit Londons und vor allem die Bezüge auf das Lovecraft’sche Universum - in diesem Fall sogar inklusive Tentakeln) und auch die Schauspieler machen ihren Job soweit völlig in Ordnung. Ebenso sind einige wirklich gelungene Kameraperspektiven enthalten und das Ende ist dermaßen überzogen dass es mir schon wieder Spaß gemacht hat.
Der Schlussgag wiederum ist absolut bescheuert und verfehlt seine (beabsichtigte ?) Wirkung zu 100 Prozent. Nein, „Crouch End“ wird seiner Vorlage bei Weitem nicht gerecht, ist nach dem gelungenen Auftakt der Serie auch eher untere Schublade, kann aber mit etwas Toleranz durchaus als netter Snack für Zwischendurch goutiert und als schmackhaft befunden werden. Immer noch besser als jede einzelne Folge "X-Faktor".
Herzlichst, Ihr Jonathan Frakes .. äh .. holgocop
6/10